Konversion von Christen und Muslimen in Indien: Heimführung oder Zwangsbekehrung?


Nadrenda Modi.
Nadrendra Modi.
In Indien ist eine heftige Kontroverse über eine Kampagne der Hindu-Nationalisten entbrannt, Christen und Muslime zum Hinduismus „zurückzuführen“. Während der hindu-nationalistische Ministerpräsident Narendra Modi schweigt, treiben mit seiner Partei liierte Organisationen die Kampagne weiter voran.


Von Ulrich von Schwerin|Qantara.de

Die Hindu-Nationalisten nennen es „Heimkehr“, doch Muslime und Christen sprechen von Konversion unter Druck. Seit einer Reihe von öffentlichen Zeremonien, bei denen große Gruppen von Christen und Muslimen zum Hinduismus bekehrt wurden, ist in Indien eine heftige Debatte über die Legitimität und die Legalität der von Hindu-Nationalisten organisierten Massenkonversionen entbrannt. Besondere Brisanz gewinnt die Debatte dadurch, dass die hindu-nationalistische „Bharatiya Janata Party“ (BJP) seit vergangenem Mai in Neu Delhi die Regierung stellt.

Auslöser der Debatte war eine Zeremonie in einem Slum im nordindischen Agra. Die Bewohner des Viertels sind vorwiegend muslimische Migranten aus dem ostindischen Bengalen, die vom Müllsammeln leben. Indischen Presseberichten zufolge wurden sie am 8. Dezember zu einer Versammlung geladen, um – so hieß es – für Sozialleistungen registriert zu werden. Als sich die Gemeinde versammelt hatte, wurden zu ihrem Erstaunen eine Götterstatue aufgestellt und religiöse Gesänge angestimmt. Am Ende des Rituals hieß es dann, sie seien nunmehr Hindus.

Abgerungener Glaube

In der Öffentlichkeit löste das Ereignis eine heftige Kontroverse aus. Doch ein Einzelfall blieb es nicht. In den vergangenen Wochen wurde fast täglich von weiteren Zeremonien berichtet, bei denen Christen und Muslime zum Hinduismus konvertiert wurden. Während die hindu-nationalistische „Vishwa Hindu Parishad“ (VHP) und die „Dharam Jagaran Samiti“ (DJS), die vorwiegend hinter der Kampagne stecken, den freiwilligen Charakter betonen, gab es immer wieder Berichte, dass die Teilnehmer unter Druck gesetzt oder ihnen Geld, Land oder andere Vorteile versprochen wurden.

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