Verquickung von Politik und Religion – ein historisches Phänomen


Bild: brightsblog
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Wie hältst du’s mit der Religion? fragt Gretchen Faust. Die Antwort lautete am besten: So tolerant wie kritisch. Wer es glauben möchte, mag es tun und darüber selig werden. Ein Problem ist dabei die Überzeugung, es mit absoluter göttlicher Wahrheit zu tun zu haben, wo es sich doch offensichtlich um das Werk sterblicher fehlbarer Menschen handelt. Diese schrieben es zu einer bestimmten Zeit unter bestimmten Umständen, politischen wie gesellschaftlichen Verhältnissen, nieder.


Von Harald Schauff|NRhZ

Aus diesem Kontext werden die Schriften in den Zeiten danach gerissen und sollen doch zeitlos Gültigkeit haben. Man stößt auf die Frage der Auslegung: Wie sind sie zu verstehen? Es gibt Gezänk um das Verständnis der ‘reinen Lehre’. Darüber entstehen Abspaltungen, Abzweigungen, verschiedene Richtungen.
Das Glaubenswerk selbst ist vielschichtig, heterogen. Es kann so oder so ausgelegt werden. Hieraus ergibt sich die Gefahr der Instrumentalisierung und der Ideologisierung bis hin zum Fanatismus. Ein gravierender Denkfehler ist die Annahme, man könne Religion ohne weiteres von Macht und Politik trennen. Der Indologe Uwe Hartmann bemerkt, wenn wir uns eine Religion anschauten, dann sähen wir die reine Lehre. Bei fremden Religionen würden wir unterschätzen, dass wie bei uns jede Menge Macht und Politik dahinter stünden und dass jede Religion involviert sei in ein Umfeld. Hartmann erläutert dies am Beispiel des Buddhismus, der als die friedfertigste Religion überhaupt gilt (Siehe Artikel ‘Buddha brutal’ von Thomas Klatt, Neues Deutschland v. 27./28. Dez. 2014).

Wir wüssten nicht, was Buddha gelehrt habe, so Hartmann, weil zwischen seinem Leben und den ersten uns zugänglichen Aufzeichnungen Hunderte Jahre liegen. Sicher ist: Die erste Form der Überlieferung richtet sich eindeutig gegen Gewalt und vertritt diese Position stärker als das Christentum. Das Gebot ‘Du sollst nicht töten’ gilt im Buddhismus auch für Tiere. Ausdrücklich wird aufgefordert, Berufe zu meiden, die anderen Lebewesen Leid zufügen wie z.B. Jäger, Fischer oder Soldat. So weit der ‘radikalpazifistische Anspruch.’ Die ‘buddhistische Realpolitik’(Hartmann) wich allerdings um Längen davon ab. So suchten während des Zweiten Weltkrieges in Japan buddhistische Mönche Kasernen auf, um dort Zen-Meditationen abzuhalten. Diese sollten Offiziere für den Krieg stählen.

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