Jede Woche werden in Deutschland drei Kinder totgeprügelt


Bild: WAZ
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Jede Woche werden in Deutschland drei Kinder totgeprügelt, von den eigenen Eltern. Immer häufiger greifen die Behörden ein. Unterwegs mit dem Kindernotdienst, der Feuerwehr des Sozialstaats.


Von Anette Dowideit, Jan Rübel|DIE WELT

Als Stefan Müller sein Büro betritt, gleitet vor dem Fenster eine Hochbahn durch ein dunkles Wolkenband, die Mondsichel ist nicht viel mehr als eine Ahnung. Es ist eine dieser Nächte. Müller spürt das schon, als er den Raum betritt. Müller, klein und kräftig, hat all sein Gewicht in seine Schritte gelegt, so dass es ihn die Stufen beinahe hinaufgeworfen hat in den ersten Stock dieses verklinkerten Altbaus in Berlin-Kreuzberg. Er hat die Tür geöffnet. „Hallo“.

Es war die Art, wie seine Kollegin ihn grüßte, diese Spur von Abwesenheit in ihrer Stimme. Er kennt sie gut genug, um zu wissen, dass er es wieder mit Abgründen zu tun bekommen wird. Müller hängt seine Jacke über seinen Schreibtischstuhl. Es ist Samstagabend 20 Uhr, Schichtübergabe. „Beginnen wir mit dem Einfachen“, sagt die Kollegin.

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1 Comment

  1. Kein Wort zur wachsenden Armut. Kein Wort zur wachsenden Depression. Kein Wort zum HartzIV-Sanktionsregime.

    Natürlich sind Arme, Depressive und HartzIV-Opfer nicht per se Kindesmisshandler – ganz sicher nicht! Aber… Armut, Depressionen und ständige Angst sind ebenso sicher ein gefährliches Stimmungsumfeld für labile Personen. Und auch diese haben Kinder. Ganz besonders solche Menschen erhoffen sich, zu beweisen, dass sie gute, ja perfekte Eltern sein können. Was sonst könnten Sie vorweisen? Tatsächlich lieben sie ihre Kinder. Aber je größer die Liebe, je größer der Wunsch, es allen zu zeigen, je größer der Wunsch, es seinem Liebling an nichts fehlen zu lassen, desto grandioser ist das Scheitern!

    Und für (zu) viele kommt eigenes Gewaltopfer-Erleben hinzu. Die unerträgliche Frustration entlädt sich in Gewalt. Entweder in Form von Autoaggression, „häuslicher Gewalt“ – oder in Kindesmisshandlung. Für die eher Passiven ist Verwahrlosung das Ende.

    Ja, der Staat muss eingreifen.Im Moment, kurzfristig wie beschrieben. Aber mittel- und erst recht langfristig indem die Opfer des neoliberalen Zeitgeists wieder eine Perspektive gegeben wird!

    Reichtum ist bis zu einer gewissen Grenze akzeptabel, weil er Ärmere motivieren kann. Milliardäre sind obszöner Abschaum, wenn sie sich nicht selbst zu beschränken vermögen. Können sie es nicht, ist der Staat ausgleichend nivellierend gefragt. Für mich liegt eine noch akzeptable Grenze des persönlichen Reichtums (das gilt auch für juristische Personen) irgendwo zwischen 50 und 100 Millionen. Was darüber hinaus geht ist zu 100% zu besteuern, resp. für das Gemeinwohl einzuziehen.

    Das wäre eine Welt, die ich meinen Enkeln wünsche. Es bedarf aber einer neuen Art Politiker, vielleicht sogar Mensch, um diesen Zustand zu erreichen. Aber man wird ja angesichts des Leids, das Kinder aufgrund der unsäglichen Umstände ihrer Eltern erleiden (da zähle ich auch die Kinder hinzu, die zwar behütet und in liebevollen Familien aber in Armut aufwachsen hinzu) noch träumen dürfen. 🙂

    PS: Allen, die sich für „rationale Tatsachenmenschen“ und mich für einen Phantasten und dummen Träumer halten: Euer gutes Recht. Aber wie wäre es mit einer eigenen Vision, die nicht das eigene Glück auf dem Leid anderer aufbaut? Ich bin ganz Ohr! 😉

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