Warum ließen sich IS-Geiseln so gelassen ermorden?


Der Brite „Jihadi John“ mit den japanischen Geiseln Kenji Goto und Haruna Yukawa, die vermutlich getötet wurden.
Nach einem angeblich abtrünnigen Mitglied des „Islamischen Staats“ wurden die Geiseln in Sicherheit gewiegt und zahlreiche Proben als Scheinhinrichtungen durchgeführt


Von Florian Rötzer|TELEPOLIS

Wer es sich angetan hat, Filme des Islamischen Staats anzusehen, in denen die Köpfung oder Ermordung von Menschen vorgeführt wird, musste sich oft wundern, warum die Opfer so ruhig und gelassen zu sein schienen. Die Hinrichtungen, so viel ließ sich erkennen, waren für Kamera inszeniert, man konnte vermuten, dass die Abläufe choreographisch nach einer Ästhetik der coolen Grausamkeit gestaltet und auch eingeübt wurden.

Trotzdem blieb die Frage, warum die Opfer so apathisch, stoisch oder ergeben mitzuspielen scheinen, warum es nicht einmal einen Ansatz von Gegenwehr gibt. Waren sie so verzweifelt, dass sie bereit waren, alles über sich ergehen zu lassen, damit endlich Schluss ist? Oder waren sie vielleicht mit Drogen sediert worden, so dass sie nicht wirklich mitbekamen, wie sie zur Schlachtbank geführt wurden, während ihre Mörder Reden schwingen und große Gesten vollziehen? Oder war dies eine Folge, wie die Filme zustande kamen, die den Akt der Köpfung nicht mehr zeigten, sondern nur noch das Ergebnis?

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