Jugend steht Islam offen gegenüber

Bundespräsident Joachim Gauck empfängt die Teilnehmer der Jungen Islam Konferenz in Berlin. Foto: Stiftung Mercator/Dirk Enters
Eine repräsentative Studie der Berliner Humboldt-Universität zeigt, dass Islamophobie unter älteren Menschen in Deutschland mehr verbreitet als unter jungen.


Von Markus Decker|Frankfurter Rundschau

Junge Menschen in Deutschland stehen dem Islam und den Muslimen deutlich offener gegenüber als ältere Bürger. So sprechen sich mehr als 70 Prozent der 16- bis 25-Jährigen dafür aus, dass es muslimischen Lehrerinnen erlaubt sein sollte, Kopftuch zu tragen. 71 Prozent sind gegen Einschränkungen beim Bau von Moscheen, bei den über 25-Jährigen ist es dagegen nicht einmal jeder Zweite (44 Prozent). Auch finden 78 Prozent der Jüngeren, aber nur 67 Prozent der Älteren, dass Muslimen prinzipiell mehr Anerkennung entgegengebracht werden sollte. Zudem beziehen junge Menschen ihr Wissen über Muslime deutlich häufiger aus persönlichen Begegnungen.

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Tierrechtsbewegung: Moralische Fundamentalisten bedrohen die Wissenschaft

Ohne Tierversuche wären viele gravierende Fortschritte in der Medizin unmöglich gewesen.picture alliance
In Tübingen muss sich ein Labor des Max-Planck-Instituts den Vorwürfen und Beleidigungen von Tierrechtsaktivisten stellen. Die Kampagne zeugt von Hass, Gewaltbereitschaft und vor allem Desinformationen. Doch auch die Zivilgesellschaft läuft eher mit, als dass sie Widerstand leistet


Von Alexander Grau|Cicero

Er ist die am schnellsten wachsende Glaubensüberzeugung unserer Zeit: der Fundamentalismus.

Für jede Region und jede Kultur hat er etwas Passendes im Angebot. Militante Abtreibungsgegner und Evangelikale in den USA, Pfingstkirchler in Südamerika, Salafisten in europäischen Großstädten. Und für den neuheidnischen Westeuropäer gibt es fanatische Nichtraucherorganisationen, dogmatische Naturschutzverbände und eifernde Veganerinitiativen.

In Deutschland ist eine weitere Konfession des Fundamentalismus durchaus beliebt: die Tierrechtsbewegung. Der Tierrechtsbewegung geht es nicht um Tierschutz. Tierschutz ist aus Sicht der Tierrechtsbewegten Tierdiskriminierung. Oder wie es in diesem Milieu heißt: Speziesismus.

Wie diese Tierrechtsbewegung tickt, kann man seit September letzten Jahres in Tübingen beobachten. Dort werden seit Monaten Wissenschaftler eines renommierten Forschungsinstitutes bedroht, Mitarbeiter wurden beschimpft und beleidigt, und das Institut muss von einem Wachdienst geschützt werden. Was war passiert?

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Abtreibung: „Käfig aus Schuld und Scham“

Nicht wenige Frauen leiden nach einer Abtreibung unter seelischen Folgeschäden. Und auch darunter, mit niemandem darüber sprechen zu können Foto: WDR/ARTE
Abtreibung ist ein Tabu. Viele Frauen leiden darunter, nicht über die psychischen Folgen sprechen zu können. Im Rahmen eines Themenabends zeigt Arte am Dienstag eine Dokumentation mit unerwarteten Zwischentönen.


Von Sebastian Schramm|pro Medienmagazin

Schätzungen zufolge hat jede fünfte Frau einmal in ihrem Leben abgetrieben, stellt der Dokumentarfilm „Tabu Abtreibung. Warum länger schweigen?“ von Renate Günther-Greene fest. Nur die wenigsten bekennen sich offen dazu. Verlust, Schuldgefühle und Bestrafungsängste, sogar posttraumatische Belastungsstörungen, sind oft die Folge des Eingriffs. Über diese Nöte aber werde nicht gesprochen, beklagt Günther-Greene. „Reden wir heute nicht darüber, um nicht vor den Karren der Lebensschützer gespannt zu werden?“, fragt sie im Film.

Eine solche Tabuisierung hat Günther-Greene selbst erlebt: „Auch ich habe abgetrieben“, sagte sie. 40 Jahre danach seien die Erinnerung daran, und mit ihr Schmerz- und Schuldgefühle, plötzlich „wie ein Bumerang“ zurückgekehrt. Um ihre eigenen Emotionen besser verstehen zu können, sprach die Filmemacherin mit 36 betroffenen Frauen und Experten über Symptome wie Angsterkrankungen und Depressionen, die nach einem solchen Eingriff auftreten können.

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Die Frau im Judentum: Zwischen Prinzessin und Priesterin

Die Rabbinerin Elisa Klapheck ist eine von drei hauptberuflichen Rabbinerinnen in Deutschland. (Imago / epd)
Über die Stellung der Frau im Judentum wird seit Jahrtausenden debattiert – bis heute. „Frau und jüdisch. Zur Rolle und Bedeutung der Frau im Judentum“, hieß etwa eine Tagung im Februar in Frankfurt am Main.


Von Alice Lanzke|Deutschlandradio Kultur

„Was möchte sie dann?“

„Die Scheidung. Sie will einen Scheidebrief – den Get!“

„Wollen Sie in die Scheidung Ihrer Frau einwilligen?“

„Nein, Euer Ehren.“

In dem israelischen Film „Get“ kämpft Viviane Ansalem fünf Jahre um das Recht, sich von ihrem Mann scheiden zu lassen. Das Problem: Eine in Israel geschlossene Ehe gilt erst dann als geschieden, wenn der Mann seiner Frau einen Scheidebrief, den Get, aushändigt. Die Initiative muss also von ihm ausgehen. Willigt er nicht in die Scheidung ein, kann die Frau zwar das Rabbinatsgericht anrufen. Doch können so Jahre vergehen, auch abhängig von der Kooperationsbereitschaft des Mannes.

Der Film hat in Israel für breite Kontroversen gesorgt, wirft er doch ein beklemmendes Licht auf die Stellung der Frau. Bei seiner Vorführung auf der Tagung „Frau und jüdisch“, die von der Bildungsabteilung des Zentralrats der Juden organisiert wurde, zeigten sich die Zuschauerinnen erschrocken. Nur wenige konnten das Gesehene – die erzwungene Passivität von Viviane – mit ihrer eigenen Lebenswirklichkeit und ihrem Rollenverständnis als jüdische Frau in Verbindung bringen. Aber was bedeutet das eigentlich? Hat man als Jüdin automatisch eine bestimmte Rolle?

Rabbinerin Elisa Klapheck antwortet darauf:

„Ich glaube, es gibt keine Rolle heute. Es gibt nur freiwillig orthodoxe Frauen, die freiwillig diese Rolle nehmen und leben, aber auch sie könnten sich entscheiden, ob sie so oder anders leben wollen – das ist heute eine persönliche Entscheidung, wie man lebt. Es ist nicht so, dass vom Judentum her gesehen den Frauen diese Rolle gegeben wird.“

Frauen können sich also frei entscheiden, welchen Platz sie in der Ausübung ihres Glaubens einnehmen wollen – indem sie sich innerhalb des religiösen Spektrums verorten. Eine orthodoxe jüdische Frau ist dabei anders sichtbar als etwa eine Reformjüdin. Beide werden in ihrem Glauben unterschiedliche Rechte und Pflichten für sich sehen.

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Zeitplan für Verbot der organisierten Sterbehilfe steht

Bild: letzte-hilfe.de
Bild: letzte-hilfe.de
  • Der Bundestag einigt sich auf einen genauen Zeitplan für ein Gesetz zum Verbot der organisierten Sterbehilfe. Im Juli soll das Gesetzgebungsverfahren beginnen.
  • Die meisten Parlamentarier unterstützen einen Gesetzesvorschlag, der ein Verbot von Sterbehilfevereinen vorsieht.
  • Vorher soll ein Gesetz zur Stärkung der Palliativmedizin verabschiedet werden. Dadurch sollen Sterbende besser betreut werden.


Von Nina von Hardenberg|Süddeutsche.de

Bundestag einigt sich auf Zeitplan für Gesetz zum Verbot organisierter Sterbehilfe

Dürfen Ärzte und andere Vereine sterbenskranken Menschen helfen, sich selbst zu töten, wenn diese nicht mehr weiterleben mögen? Die Frage wird den Bundestag in diesem Sommer und auch noch im Herbst beschäftigen. Bereits im November vergangenen Jahres diskutierte der Bundestag in einer Orientierungsdebatte mehr als vier Stunden über die Sterbehilfe.

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Islamistischer Terror in Afrika: Gottes Quittung

Die Große Moschee von Djenné in Zentralmali, gebaut 1907, das größte Lehmgebäude der Welt. Seit 1988 Weltkulturerbe. (Foto: imago stock&people)
Wie werden aus Muslimen Islamisten? Wie konnten in Afrika zwei der gefährlichsten Terrormilizen der Welt Fuß fassen: Boko Haram und al-Schabaab? Eine Spurensuche.


Von Jonathan Fischer und Tobias Zick|Süddeutsche.de

Drei Wochen bevor Islamisten letzten Samstag fünf Menschen in der Bar „La Terrasse“ in Bamako erschießen, der Hauptstadt Malis, dient die Ausgehmeile der Rue Princesse noch als Beispiel für friedliche Koexistenz. „Hören Sie“, sagt Souleymane Traoré, ein Sufi-Scheich, während er an einer Cola nippt, „wie die verschiedenen Melodien miteinander tanzen?“ Ein Lächeln erhellt sein von Rasta-Zotteln und einem roten Turban gerahmtes Gesicht. Salsaklänge mischen sich mit Reggae-Bässen, den Rufen des Muezzins und jahrhundertealten Kalebassen-Rhythmen, die aus den Transistorradios der Händler plärren.

„Gott selbst hat die Vielfalt geschaffen“, sagt der Scheich. Er stammt aus Timbuktu in Zentralmali, der Wiege des Islam in Zentralafrika. Er ist nach Bamako gereist, um neue PR-Strategien zu entwickeln, denn lange galten die traditionellen Sufi-Brüderschaften als politik- und medienscheu. Doch nun erhält ihr toleranter Islam in ganz Westafrika Konkurrenz von radikaleren importierten Strömungen: Islamisten, die die Sufis als Ungläubige bezeichnen, ihre Bilder, Heiligengräber und alten Manuskripte als „Fetische“ diskreditieren – oder wie zuletzt in Nordmali gar zerstören.

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Drei Menschen bringen Ägypten Hoffnung

Bild: Joana Breidenbach
Wie fänden Sie es, nach dem Aufstehen, zuerst mal die aktuellen Bombendrohungen checken zu müssen, um Ihre Fahrroute zur Arbeit zu bestimmen? In Kairo gehört das für viele Menschen zum Alltag, seitdem die beliebte VerkehrsApp Bey2ollak im Februar angefangen hat über einen twitter hashtag Bombenwarnungen zu melden.


Von Joana Breidenbach|Huffington Post

Der hashtag spiegelt das Klima in der Hauptstadt Ägyptens wieder. Schon in den ersten Tagen meines Aufenthalts begegneten mir viel Resignation, Ärger und Angst. Ahmed Abbas, wichtiger Kopf hinter El Barnameg, der erfolgreichsten ägyptischen Satireshow der letzten Jahre, erzählt seinesgleichen sei voll und ganz mit schlichtem Überleben beschäftigt.

Die Show mit Komiker Bassem Youssef, die nach der Revolution als Improvisation auf YouTube gestartet war, sich binnen kurzem aber vor 40 Millionen Zuschauern wöchentlich online und im Fernsehen über die aktuelle politische Lage lustig machte, wurde im Sommer 2014 auf politischen Druck hin abgesetzt. Und gerade sind wieder über 20 Aktivisten und Blogger zu langen Gefängnisstrafen verurteilt worden.

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Religionsfreiheit: Buschkowsky sieht Kopftuch-Urteil als „Katastrophe“

Übt deutliche Kritik am Kopftuch-Urteil des Bundesverfassungsgerichts: Heinz Buschkowsky (SPD) Foto: picture alliance / Erwin Elsner
Das Bundesverfassungsgericht hat pauschale Kopftuchverbote an Schulen für unzulässig erklärt. Es schränkt damit ein eigenes Urteil aus dem Jahr 2003 ein. Das Echo aus der Politik ist geteilt.


DIE WELT

Heinz Buschkowsky, der scheidende Bürgermeister des Berliner Problembezirks Neukölln, hat das Urteil zum Kopftuchverbot für muslimische Lehrerinnen als groben Fehler kritisiert. „Ich empfinde das Urteil als Katastrophe“, sagte der SPD-Politiker im RBB-Inforadio.

Das Bundesverfassungsgericht stelle die Religionsfreiheit Einzelner über das staatliche Gebot wertneutralen Handelns. „Ich halte das für ein Zurückweichen, für die Preisgabe eines elementaren Bausteins unserer Gesellschaft“, sagte Buschkowsky. Das Urteil erschwere den Kampf gegen religiösen Fundamentalismus.

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Kampf gegen Terror: Grüne fordern mehr Polizisten

Die Grünen Logo

Die Grünen sind nicht gerade als Anhänger von Law and Order bekannt. Dennoch: Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt fordert im SPIEGEL mehr Polizisten für den Kampf gegen den Terror – gerade weil man eine Partei der Freiheit sei.


SpON

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Katrin Göring-Eckardt, ist dafür, im Kampf gegen den Terrorismus mehr Polizisten einzusetzen. Gerade weil die Grünen eine Partei der Freiheit seien, brauche man „mehr Polizisten, die die Nadel finden, und nicht mehr Technik, um den Heuhaufen zu vergrößern“, sagte Göring-Eckardt dem SPIEGEL. Dafür will sie das Bundeskriminalamt (BKA) neu aufstellen.

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Die vertauschten Opfer

Der Begriff der Islamophobie verfolgt drei Ziele: Er erklärt Kritik an Religion zu Rassismus. Er will die Diskriminierung von Muslimen dem Antisemitismus gleichstellen. Und er pocht auf einen Status der Singularität, den er dem Holocaust neidet.


Von Pascal Bruckner|Perlentaucher.de

„Etwas Neues war im Gange: eine neue Intoleranz zog auf. Sie verbreitete sich über den Erdball, doch niemand wollte es wahrhaben. Ein neues Wort war erfunden worden, um den Blinden ihre Blindheit zu lassen: Islamophobie. Die militanten Misstöne im gegenwärtigen Gepräge dieser Religion zu kritisieren, war Bigotterie. Phobische Menschen hatten extreme und irrationale Ansichten, also waren sie schuld und nicht das Glaubenssystem, das sich mehr als einer Milliarde Anhänger weltweit rühmen konnte.“
(Salman Rushdie, „Joseph Anton“, zitiert nach der deutschen Ausgabe, C.Bertelsmann Verlag, Seite 393)

Im Jahr 1910 veröffentlichte Alain Quellien, französischer Mitarbeiter im Kolonialministerium die Schrift „La politique musulmane dans l’Afrique Occidentale“1. Das an Fachleute gerichtete Werk ist eine moderate Lobrede auf die „praktische und nachgiebige“ Religion des Korans, die von den Eingeborenen besser angenommen werde als das Christentum, das „zu kompliziert, zu abstrakt, zu streng für die schlichte und materialistische Mentalität des Negers“ sei. Der Autor stellt fest, dass der Islam die europäische Herrschaft durch seine zivilisierende Art begünstigt, die Völker „vom Fetischismus und unwürdigen Praktiken“ abbringt und möchte darum dem Vorurteil ein Ende bereiten, das diesen Glauben der Barbarei und dem Fanatismus gleichsetzt. So geißelt er die „Islamophobie“, die unter dem kolonialen Personal grassiere: „Loblieder auf den Islam zu singen ist ebenso einseitig wie ihn geradewegs zu verunglimpfen“. Man müsse ihn im Gegenteil tolerieren und unvoreingenommen behandeln. Alain Quellien spricht hier als ein um die öffentliche Ordnung besorgter Beamter. Scharf kritisiert er den europäischen Hang, einen Glauben zu verteufeln, der den Frieden im Kolonialreich aufrechterhält, was auch immer er sich für – in seinen Augen unbedeutende – Verfehlungen zu schulden kommen lasse, darunter Sklaverei und Polygamie. Da der Islam der beste Verbündete des Kolonialismus sei, müsse man die Gläubigen vor dem unheilvollen Einfluss moderner Ideen schützen und ihre Art zu leben wie auch ihre Überzeugen respektieren.

Ein anderer Kolonialbeamter, der in Dakar lebende Maurice Delafosse, schrieb zur gleichen Zeit: „Was auch immer diejenigen behaupten mögen, die Islamophobie als ein Prinzip unserer Verwaltung ansehen, Frankreich hat von den Muslimen in Westafrika nicht mehr zu fürchten als von den Nicht-Muslimen… Die Islamophobie hat in Westafrika also keine Berechtigung, während Islamophilie, das heißt die Bevorzugung von Muslimen, zu Misstrauen bei den nicht-muslimischen Bevölkerungsgruppen führen würde, die nun mal viel größer sind.“2 Die Begriffe existierten wahrscheinlich bereits, bevor die beiden Kolonialbeamten sie verwandten, sonst hätten sie sie nicht mit solcher Selbstverständlichkeit benutzen können. Dennoch wurden sie abgesehen von einigen Forschern bis zum Beginn der achtziger Jahre selten gebraucht, als sie sich nach der islamischen Revolution von 1979 in Teheran nach und nach in ein politisches Instrument verwandelten. In seiner Bedeutung schwankend, auf der Suche nach seinem Sinn, kann der Begriff der „Islamophobie“ zwei verschiedene Dinge meinen: Entweder Kritik am Islam oder die Diskriminierung der Anhänger des Korans. Ein Wort gehört nicht demjenigen, der es zuerst gebraucht hat, sondern denen, die es neu erfunden haben, um seinen Gebrauch populär zu machen. Als Neuankömmling auf dem semantischen Feld des Antirassismus will dieser Begriff einen dreifachen Ehrgeiz befriedigen: das Prinzip der Unantastbarkeit, das Prinzip der Äquivalenz und das Prinzip der Austauschbarkeit.

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IS: Israel erwägt Mauerbau an der Grenze zu Jordanien

Israel’s „Security Fence“, „West Bank Barrier“; Bild: Justin McIntosh/CC BY 2.0
Für eine halbe Milliarde Dollar soll das Gebiet um einen neuen Flughafen abgesichert werden. Als Gefahrenquellen werden IS-Dschihadisten genannt


Von Thomas Pany|TELEPOLIS

Als der britisch-israelische Historiker Avi Shlaim Ende der 1990er Jahre an seinem Buch „The Iron Wall“ (deutsch: „Hinter der eisernen Mauer“) schrieb, stand „Mauer“ metaphorisch für eine strategische Postion der militärischen Stärke, aus der heraus mit den arabischen Nachbarn verhandelt werden soll. Mittlerweile sichert das Land, das von arabischen Staaten umgeben ist, lange Abschnitte seiner Grenzen mit einer echten Mauer ab, den sogenannten Sperranlagen (vgl. Israel mauert sich ein).

Nur an der Grenze zu Jordanien sei noch keine Mauer gebaut, schreibt Ha’aretz und berichtet von Plänen, wonach im Verteidigungsministerium erwogen werde, für Kosten von knapp 500 Millionen Dollar eine etwa 30 Kilometer lange High-Tech-Mauer in der Timna-Region zu errichten. Dort, in unmittelbarer Nähe zu Jordanien, wird an einem neuen Flughafen gebaut, dem Ilan and Asaf Ramon Airport, konzipiert für internationale und nationale Flüge, der den Touristenverkehr nach Eilat fördern soll. 2017 ist als Inbetriebnahme anvisiert.

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Radikaler Islamismus: Berliner Salafist predigt in Bayern

Der Salafist Abul Baraa predigt immer wieder in Bayern. Foto: AZ Screenshot/Youtube
Der salafistische Prediger Abul Baara reist durch Bayern und hält Vorträge. Der Verfassungsschutz stuft den Mann aus Berlin als radikal ein. Seinen ersten Auftritt hat er diesen Freitagabend.


Abendzeitung München

Seine Videos auf Youtube sind echte Renner. Mit üppigem schwarzen Bart, Kopftuch und ausladenden Gesten predigt Abul Baraa im Netz seinen Anhängern. Jetzt hat der Salafist die virtuelle Welt verlassen und ist nach Bayern gekommen. Wie der Bayerische Rundfunk berichtet, tourt Baraa durch den Freistaat und hält Vorträge. Den ersten davon diesen Freitag in der Al-Rahman-Moschee in Regensburg. Nächste Stationen des radikalen Wanderpredigers sind Schwandorf, München und Weiden in der Oberpfalz.

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Rosetta-Mission: Eis am Hals des Kometen – in Farbe

© ESA/Rosetta/MPS for OSIRIS Team MPS/UPD/LAM/IAA/SSO/INTA/UPM/DASP/IDA
© ESA/Rosetta/MPS for OSIRIS Team MPS/UPD/LAM/IAA/SSO/INTA/UPM/DASP/IDA
Die bläuliche Färbung verrät es: Die Region Hapi auf Komet 67P/Tschurjumow-Gerasimenko besitzt gefrorenes Wasser.


Von Daniel Lingenhöhl|Spektrum.de

Für das menschliche Auge wirkt der Komet 67P/Tschurjumow-Gerasimenko einfach nur grau in grau. Doch Wissenschaftler des OSIRIS-Teams der Rosetta-Mission blickten nun mit Hilfe eines Farbfilters des Kamerasystems der Sonde auf das kosmische Geschoss – und bieten damit nicht nur völlig neue Nuancen bei der Betrachtung des Kometen: Sie entdeckten, dass in der Hapi genannten Region am Hals von 67P gefrorenes Wasser mit dem oberflächlichen Staub vermischt und nicht nur im Inneren des Brockens vorhanden ist. Hier reflektiert 67P rotes Licht deutlich schwächer als in anderen Bereichen, weshalb Hapi bläulich schimmert.

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ARD-Doku: Die „dunkle Seite“ der Katholischen Kirche

Stephan Ackermann ist als Bischof federführend für die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der Katholischen Kirche verantwortlich Foto: Eigenes Werk / Wikipedia | CC BY-SA 3.0
Klarheit und Transparenz über die „dunkle Seite in unserer Kirche“ hatte der katholische Bischof Stefan Ackermann bei der Aufarbeitung des Kindesmissbrauchs gefordert. Die Dokumentation „Das Schweigen der Männer – Die katholische Kirche und der Kindesmissbrauch“, die am Montag in der ARD gesendet wird, beleuchtet dieses Thema.


pro Medienmagazin

Die Autoren Sebastian Bellwinkel und Birgit Wärnke setzen sich mit der Aufarbeitung der Vorfälle intensiv auseinander. Laut Ankündigung des Senders schauen sie dabei hinter die Mauer des Schweigens. Sie fragen danach, wie ehrlich es die katholische Kirche mit der Aufarbeitung meint und wie frei die Wissenschaftler, die sich um die Aufarbeitung der Fälle kümmern, wirklich forschen können.

Vor lästigen Fragen schützen

Zu Wort kommen bekannte Katholiken, die auch die Verbindung von Priesteramt und Pflicht-Zölibat hinterfragen, aber auch Opfer. Der Berliner Sexualpsychologe Christoph Ahlers bilanziert, dass es in der Katholischen Kirche auffällig viele Geistliche mit „problematischer Sexualpräferenz“ gebe, auch weil das „Sexualitätsverbot“ eine Anziehungskraft auf Pädophile ausübe, die sich mit einer Kirchenkarriere vor lästigen Fragen schützen wollten. Selbst bei psychisch gesunden Priestern könne dies zu einer „seelischen Unterernährung“ führen.

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Florida verbietet Klimawandel

usa

Die Umweltbehörde des Bundeslandes gab Sprachregelungen aus, die den Mitarbeitern Begriffe wie „Kliamwandel“ und „globale Erwärmung“ verbieten


Von Wolfgang Pomrehn|TELEPOLIS

Während auf dem Polarmeer der jährliche Höhepunkt der Vereisung derzeit so gering wie selten zuvor ausfällt und Wissenschaftler sinnieren, wie genau sie das Antropozän, das Zeitalter der Menschen, datieren sollen, hat man im US-Bundesstaat Florida offensichtlich ganz andere Sorgen.

Dort ließ der von einem republikanische Gouverneur eingesetzte Leiter der Umweltbehörde (Department of Environmental Protetction, DEP) seinen Mitarbeitern verbieten, von Klimawandel, globaler Erwärmung oder Nachhaltigkeit zu sprechen. Das geht aus den Aussagen ehemaliger DEP-Angehöriger hervor, die von der US-amerikanische Nachrichtenagentur UPI zitiert werden. Die Weisungen seien 2011 überall im Bundesstaat mündlich gegeben worden. Die Behörde dementierte auf Nachfrage von Journalisten. Auch das Büro des Gouverneurs will nichts von dem Verbot gewusst haben.

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Rheinmetall will Geld von Gabriel — 120 Millionen Euro Steuergelder

Wirtschaftsminister Gabriel hatte Rheinmetall die Errichtung eines Gefechtsübungszentrums in Russland verboten – nun will der Konzern Entschädigung. (Foto: Achim Scheidemann/dpa)
  • Wirtschaftsminister Gabriel hat im vergangenen Jahr die Errichtung eines Gefechtsübungszentrums von Rheinmetall in Russland und die Lieferung der dazu nötigen Anlagen verboten.
  • Der Grund: Putin hatte zuvor die Krim annektiert.


Von Klaus Ott|Süddeutsche.de

Für Russland-Exporte, die von den Sanktionen der EU gegen Wladimir Putins Reich betroffen sein könnten, haben die deutschen Behörden eine sogenannte „Hotline“ eingerichtet. Unter der Nummer 06196/908-1237 erteilt das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) im hessischen Eschborn Auskunft, was erlaubt ist und was nicht.

Den Anruf dort kann sich Armin Papperger, Vorstandschef des Rüstungskonzerns Rheinmetall AG mit Stammsitz in Düsseldorf, sparen. In seinem Fall kommt alles zu spät. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hat im vergangenen Jahr die Errichtung eines Gefechtsübungszentrums von Rheinmetall in Russland und die Lieferung der dazu nötigen Anlagen verboten, nachdem Putin die Krim annektiert hatte.

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Junger Türke muss wegen Majestäts-Beleidigung ins Gefängnis

erdogan-sultanDer Student hatte den türkischen Präsidenten wärend der Gezi-Unruhen einen Diktator genannt.


Die Presse

In der Türkei muss ein Student ins Gefängnis, weil er Präsident Recep Tayyip Erdogan einen „Diktator“ genannt hat. Wie die Online-Ausgabe der Zeitung „Hürriyet“ am Freitag meldete, beläuft sich die Strafe gegen den angehenden Ingenieur Aykutalp Avsar auf 14 Monate Haft. Demnach wurde Avsar am Donnerstagabend im zentralanatolischen Kayseri verhaftet.

Avsar hatte während der regierungsfeindlichen Gezi-Unruhen im Jahr 2013 bei einer Protestveranstaltung in Kayseri den damaligen Ministerpräsidenten Erdogan einen „Diktator“ genannt, wie der Fernsehsender IMC meldete. Daraufhin wurde der Student verurteilt und am Donnerstag schließlich verhaftet. Avsars Anwalt will gegen die Haftanordnung Beschwerde einlegen.

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The Scientist Making (and Destroying) Military-Grade Foam in Brooklyn

Let’s talk about foam for minute—or rather, syntactic foam. Unlike its soft padded equivalent, syntactic foam may be the material key to protecting ourselves in the future.


By Lara Heintz|MOTHERBOARD

At least that’s what Nikhil Gupta, an Associate Professor of Mechanical and Aerospace Engineering at NYU, is hoping. As we race into the future of space travel, electric cars, and high impact sports, some of our biggest challenges are not actually how we design our future modes of transportation but what we actually build them with.

Today we’re hurtling ourselves over the Earth’s surface at faster speeds and higher altitudes while still trying to reduce our energy consumption. It’s a brave new world, and with a new world, we need new materials.

Gupta’s syntactic foams start with the assumption that in order to meet our increasing needs for energy efficiency, our materials need to be lightweight. But in order to protect us—many of Gupta’s materials are used by the military for building planes and ships—they must also be strong.

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Ein Kopftuch ist kein Kreuz

Religion in der Schule sorgt immer wieder für Debatten. Gerade deshalb muss die Gleichbehandlung verschiedener Gläubiger gewahrt sein Foto: Fotolia/jasmin Merdan
Lehrerinnen an deutschen Schulen dürfen Kopftücher tragen. Christliche Kreuze aber werden in Klassenräumen abgehangen, wenn Eltern das verlangen. Ein Widerspruch ist das nicht.


Von Anna Lutz|pro Medienmagazin

Kaum ist das Urteil des Bundesverfassungsgerichts, nachdem ein Kopftuchverbot von Lehrerinnen verfassungswidrig ist, gefallen, macht sich hier und da Empörung breit. „In jedem Fall werden wir in Bayern alle gesetzlichen Möglichkeiten ausschöpfen, damit das Christentum bei uns in Bayern privilegiert bleibt und weiterhin das prägende Wertefundament für unsere Gesellschaft ist“, erklärte CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer am Freitag. Kommentatoren im Netz warnten vor einer schleichenden Islamisierung, andere verglichen das jüngste Kopftuch-Urteil mit dem Kruzifixurteil des Bundesverfassungsgerichts von 1995.

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