Die Frau im Judentum: Zwischen Prinzessin und Priesterin


Die Rabbinerin Elisa Klapheck ist eine von drei hauptberuflichen Rabbinerinnen in Deutschland. (Imago / epd)
Über die Stellung der Frau im Judentum wird seit Jahrtausenden debattiert – bis heute. „Frau und jüdisch. Zur Rolle und Bedeutung der Frau im Judentum“, hieß etwa eine Tagung im Februar in Frankfurt am Main.


Von Alice Lanzke|Deutschlandradio Kultur

„Was möchte sie dann?“

„Die Scheidung. Sie will einen Scheidebrief – den Get!“

„Wollen Sie in die Scheidung Ihrer Frau einwilligen?“

„Nein, Euer Ehren.“

In dem israelischen Film „Get“ kämpft Viviane Ansalem fünf Jahre um das Recht, sich von ihrem Mann scheiden zu lassen. Das Problem: Eine in Israel geschlossene Ehe gilt erst dann als geschieden, wenn der Mann seiner Frau einen Scheidebrief, den Get, aushändigt. Die Initiative muss also von ihm ausgehen. Willigt er nicht in die Scheidung ein, kann die Frau zwar das Rabbinatsgericht anrufen. Doch können so Jahre vergehen, auch abhängig von der Kooperationsbereitschaft des Mannes.

Der Film hat in Israel für breite Kontroversen gesorgt, wirft er doch ein beklemmendes Licht auf die Stellung der Frau. Bei seiner Vorführung auf der Tagung „Frau und jüdisch“, die von der Bildungsabteilung des Zentralrats der Juden organisiert wurde, zeigten sich die Zuschauerinnen erschrocken. Nur wenige konnten das Gesehene – die erzwungene Passivität von Viviane – mit ihrer eigenen Lebenswirklichkeit und ihrem Rollenverständnis als jüdische Frau in Verbindung bringen. Aber was bedeutet das eigentlich? Hat man als Jüdin automatisch eine bestimmte Rolle?

Rabbinerin Elisa Klapheck antwortet darauf:

„Ich glaube, es gibt keine Rolle heute. Es gibt nur freiwillig orthodoxe Frauen, die freiwillig diese Rolle nehmen und leben, aber auch sie könnten sich entscheiden, ob sie so oder anders leben wollen – das ist heute eine persönliche Entscheidung, wie man lebt. Es ist nicht so, dass vom Judentum her gesehen den Frauen diese Rolle gegeben wird.“

Frauen können sich also frei entscheiden, welchen Platz sie in der Ausübung ihres Glaubens einnehmen wollen – indem sie sich innerhalb des religiösen Spektrums verorten. Eine orthodoxe jüdische Frau ist dabei anders sichtbar als etwa eine Reformjüdin. Beide werden in ihrem Glauben unterschiedliche Rechte und Pflichten für sich sehen.

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