Ex-Innensenator Körting findet Kopftuchverbot inzwischen falsch


Ehrhart Körting (SPD), 72, war in Berlin erst Justiz- und dann bis 2011 Innensenator. Foto: DPA/Rainer Jensen
Ehrhart Körting hat als Berliner Innensenator ein Kopftuchverbot mitverfasst. Seine Meinung hat der Sozialdemokrat inzwischen geändert. Ein Kopftuchverbot behindert Integration, sagt der ehemalige Landesverfassungsrichter. Das Karlsruher Urteil sei ein Beitrag zur Willkommenskultur.


Von Jan Thomsen|Berliner Zeitung

Herr Körting, auch in Berlin sind religiöse Symbole bei Lehrern und anderen Berufsgruppen verboten. Sie haben dieses Gesetz damals als Innensenator mitverfasst. Muss es jetzt geändert werden, um das Kopftuch zu erlauben?
Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts gilt unmittelbar nur für Nordrhein-Westfalen. Aber alle anderen Bundesländer mit einer vergleichbaren Regelung werden ihre Gesetze nun zu überprüfen haben.

Also auch Berlin.
Das generelle Verbot, wie es im Berliner Gesetz steht, ist nicht mehr erlaubt. Das ist die klare Botschaft aus Karlsruhe. Die ich übrigens begrüße.

Haben Sie Ihre Meinung geändert?
Das Bundesverfassungsgericht hat sich ja auch selbst korrigiert – und sieht die Frage, ob staatliche Neutralität oder Glaubensfreiheit höher steht, heute anders. Wir wollten damals junge Schülerinnen schützen, die zu Hause zum Kopftuchtragen gezwungen werden. Sie sollten sich an der staatlichen Schule frei von religiösem Druck bewegen können – und eben nicht von Lehrerinnen mit Kopftuch beeinflusst werden. Das war ein emanzipatorischer Ansatz. Mir sind daran allerdings im Laufe der Jahre Zweifel gekommen.

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