Schöpfung Teil 2


TheCreation_399Forscher bauen künstliche DNA und Bakterien mit maßgeschneiderten Eigenschaften. Und das ist erst der Anfang der Synthetischen Biologie


Von Norbert Lossau|DIE WELT

Die Erschaffung künstlicher Menschen ist seit mindestens zwei Jahrtausenden eine Idee, die sich in den Köpfen von Naturforschern, Philosophen, Künstlern und Alchemisten festgesetzt hat. Der Homunkulus in Goethes „Faust“ ist ein Klassiker: „Es leuchtet! Seht! – Nun lässt sich wirklich hoffen, dass, wenn wir aus viel hundert Stoffen durch Mischung – denn auf Mischung kommt es an – den Menschenstoff gemächlich komponieren …“

Goethe war beileibe nicht der Erste mit dieser Idee. Aus der Zeit um 250 n. Chr. stammen Berichte, in denen die Herstellung künstlicher Menschen beschrieben wird – aus Luft, Wasser und Blut. Schmunzeln lässt uns auch die in der Schrift „De natura rerum“ aus dem Jahre 1538 überlieferte Anleitung von Paracelsus zur Kreation von Homunkuli. Demnach müsse man menschliches Sperma zusammen mit Pferdemist 40 Tage in einem Gefäß agieren lassen. Später entdeckten die Alchemisten das Thema und schließlich auch Hollywood. „Frankenstein“ ist hier wohl das bekannteste Beispiel.

So abwegig der Gedanke eines Kunstmenschen klingen mag, die Fortschritte der modernen Biologie geben dieser Idee neue Nahrung. Dass sich mithilfe der Gentechnik bestimmte Eigenschaften von Organismen gezielt verändern und Lebewesen klonen lassen, ist längst Stand der Technik. Gentechnisch optimierter Reis oder Mais stehen in vielen Ländern bereits auf dem Speiseplan. Über genetisch identische Kopien von Schafen oder Pferden staunt kaum jemand mehr.

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