„Mein gelobtes Land“: Wer Israel verstehen will, muss dieses Buch lesen


Foto: C.Bertelsmann Verlag Ari Shavit: „Mein gelobtes Land“. Triumph und Tragödie Israels. A.d. Engl. v. Michael Müller u. Susanne Kuhlmann-Krieg. C. Bertelsmann, München. 512 Seiten, 24,99 Euro.
Selbstbefragung eines linken Zionisten: Der israelische Journalist Ari Shavit hat mit „Mein gelobtes Land“ eine brillante Geschichte über „Triumph und Tragik“ des jüdischen Staates geschrieben.


Von Richard Kämmerlings|DIE WELT

Nehmen wir Lydda zum Beispiel. Die arabische Kleinstadt im gleichnamigen Tal, ein strategisch wichtiger Eisenbahnknotenpunkt zwischen Tel Aviv und Jerusalem, gehört zu den ersten Zielen der israelischen Armee im Unabhängigkeitskrieg. Am 11. Juli 1948 dringen Soldaten des 89. Regiments, befehligt von Moshe Dayan, und des 3. Regiments in die Stadt ein, wobei es zu zahlreichen Opfern unter der Zivilbevölkerung kommt.

Am folgenden Tag glaubt man, ein Angriff der jordanischen Armee stünde unmittelbar bevor. Als die Soldaten beschossen werden, erwidern sie das Feuer und werfen Handgranaten. Ein Soldat feuert eine panzerbrechende Granate auf eine Moschee, in der sich viele Menschen aufhalten. Mehr als 200 Zivilisten werden getötet. Am folgenden Tag kommt es zur Massenevakuierung der Palästinenser aus der Stadt.

Ari Shavit könnte es sich einfach machen. Und tatsächlich nennt er die Dinge klar beim Namen. Was in Lydda geschah, war ein „Massaker“, seine Folge die „Auslöschung“ einer arabischen Stadt. Doch Shavits Buch gehört deswegen zu den wichtigsten über die Geschichte Israels, weil die Rekonstruktion der Ereignisse und ihre unbeschönigte Bewertung nur der Anfang sind für ein Fragen und Suchen und Wissenwollen.

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