Religiöse Eifersüchtelein um Kreuz und Kopftuch


Ist das Karlsruher Kopftuch-Urteil eine Benachteiligung des christlichen Kreuzes gegenüber islamischen Symbolen? Diese Ansicht vertritt das Kirchenrechtliche Institut der Evangelischen Kirche Foto: Getty Images,pa/dpa
Das Kopftuch-Urteil des Verfassungsgerichts löst in der evangelischen Kirche Kritik aus: Gegen das Kruzifix an der Wand dürften Schüler vorgehen – aber gegen muslimische Kopfbedeckungen nicht.


Von Matthias Kamann|DIE WELT

Was können Schüler machen, wenn sie sich am Kruzifix im Klassenzimmer stören? Sie können sich auf ein Grundrecht berufen, auf ihre negative Religionsfreiheit: Man darf nicht gezwungen werden, sich einem religiösen Symbol auszusetzen. Daher können religionsallergische Schüler oder ihre Eltern, so bestimmte es das Bundesverfassungsgericht 1995, unter Bezug auf ein Grundrecht gegen das Kruzifix in der Klasse vorgehen.

Was aber können Schüler machen, wenn sie sich an der islamischen Glaubensbekundung einer Lehrerin mit Kopftuch stören? Sie können sich nicht auf ihre negative Religionsfreiheit berufen. Das hat in der vergangenen Woche der Erste Senat des Verfassungsgerichts im neuen Kopftuch-Urteil entschieden. Demnach kann der Lehrerin das Kopftuch nur dann verboten werden, wenn der „Schulfrieden“ gefährdet ist.

Auf Unverständnis stößt diese Unterscheidung zwischen Kreuz und Kopftuch bei einem führenden evangelischen Juristen. Es handelt sich um Hans Michael Heinig, Leiter des Kirchenrechtlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

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