Trauerfälle: Bestatter treten zunehmend an die Stelle von Geistlichen

todesspritzeIn Trauerfällen tritt der Bestatter zunehmend an die Stelle des Geistlichen. Diese Beobachtung schildert der Theologe Klaus Dirschauer (Bremen) im Deutschen Pfarrerblatt (Schifferstadt).


kath.net

Der Bestatter kümmere sich nicht mehr nur um den Leichnam, den Sarg und das Grab: „Der Bestatter ist nicht mehr bei seinem Spaten geblieben, er hat längst das Wort ergriffen.“ Er gehe einfühlsam auf die Angehörigen zu, sei im Beratungsgespräch an den ersten Schritten der Trauerarbeit beteiligt und stehe weiter als Ansprechpartner zur Verfügung. Der Bestatter habe längst begonnen, den bisher „dominierenden Geistlichen zu relativieren und gewissermaßen zu klerikalen Arbeitnehmern zu delegieren“. Der Bestatter mache den Tod bekannt, helfe dabei, die Anzeige zu erstellen und den Trauerbrief zu entwerfen. Wenn er nicht selbst die Traueransprache und mit ihr die ganze Bestattung übernehme, verständige er den zuständigen Pfarrer oder einen Trauerredner.

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Suche nach der Weltformel: Wie Physiker das Universum erklären wollen

Bild aus der Bauzeit des LHC. ©CERN
Bild aus der Bauzeit des LHC.
©CERN
Ein Teilchenbeschleuniger mit 27 Kilometer Umfang: Mit dem Large Hadron Collider am Forschungszentrum CERN in Genf begeben sich Tausende Physiker auf die Suche nach der Weltformel – und wollen so das Universum erklären.


Von Frank Grotelüschen|Deutschlandradio Kultur

Ein riesiger Teilchenbeschleuniger mit 27 Kilometer Umfang: mit dem Large Hadron Collider am Forschungszentrum CERN in Genf begeben sich Tausende Physiker auf die Suche nach der Weltformel – und wollen so das Universum erklären.

„In Wirklichkeit erkennen wir nichts; denn die Wahrheit liegt in der Tiefe.“

Griechenland, das Jahr 400 v. Chr.. Demokrit, einer der legendären Naturphilosophen der Antike, sinniert über die Grundfragen des Seins: Aus was ist die Welt gemacht? Wie sehen die Grundelemente des Universums aus?

„Nur scheinbar hat ein Ding eine Farbe, nur scheinbar ist es süß oder bitter. In Wirklichkeit gibt es nur Atome und leeren Raum.“

„Atomos“ – das Unteilbare. Demokrit denkt sich die Welt aufgebaut aus kleinsten Bausteinen – elementar, also nicht weiter teilbar. Ein Gedanke, der die Marschroute vorgeben soll für Generationen von Gelehrten und Forschern. Im Jahr 2012 n. Chr., hat der Marsch einen wichtigen Meilenstein erreicht.

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So liberal war die katholische Kirche früher

Sitzung des Konzils von Trient in "Tyrolischer Adler", Bd.IX von Matthias Burglechner ( Österreichisches Staatsarchiv Wien, Haus-, Hof- und Staatsarchiv Hs. W 231/9 ) Bild: wikimedia.org/PD
Sitzung des Konzils von Trient in „Tyrolischer Adler“, Bd.IX von Matthias Burglechner ( Österreichisches Staatsarchiv Wien, Haus-, Hof- und Staatsarchiv Hs. W 231/9 ) Bild: wikimedia.org/PD
Frauen, die Priestern vorgesetzt sind? Kardinäle, die den Papst kontrollieren? Der Münsteraner Historiker Hubert Wolf hat in alten Akten brisante Vorbilder für eine mögliche Kirchenreform entdeckt.


Von Lucas Wiegelmann|DIE WELT

Der Retro-Trend, also das Hören alt klingender Popmusik, das Tragen noch älterer Brillenmodelle oder das Anknipsen einer verbeulten Leselampe aus den Dreißigern, gilt als Erfindung der Postmoderne. Als letzter sinnvoller Stil in einer Zeit, in der wir die Welt nur noch als einzige große Zitatensammlung zu begreifen gewohnt sind, als unendliches Spiel mit den immer gleichen Bauklötzchen.

Aber das ist ein Irrtum. Kein Bundeswehrparka-tragender bärtiger Jungprogrammierer in Berlin-Neukölln kann in Sachen Vintage-Style mit, sagen wir, dem Papst konkurrieren.

Lange vor der Postmoderne, ach was, lange vor der Moderne, vorm Mittelalter, immer schon hatte die katholische Kirche ein besonderes Verhältnis zum Gestern, ja war regelrecht besessen von ihm, und versuchte es in das Heute zu integrieren. Wenn die Kirche in irgendwas Avantgarde war, dann im Retro-Trend.

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Dodo Jürgen Fliege verärgert Kirche mit Taufe in Wellness-Oase

newsletter_juergen_fliege_01Ärger für den ehemaligen TV-Talker. Jürgen Fliege plant eine Taufe in einem Schwimmbad – und verlangt Geld dafür. Die Kirche ist empört.


Hamburger Abendblatt

Comeback mit göttlichen Auftrag: Der aus dem Fernsehen bekannte evangelische Pfarrer Jürgen Fliege plant für Sonntag eine Taufe in der Toskana-Therme im hessischen Bad Orb. Gegen eine „Teilnahmegebühr“ von 39 Euro könnten Interessierte ab 8 Uhr an einer „ebenso neuen wie ursprünglichen Form des Taufgottesdienstes teilnehmen“, heißt es auf der Internetseite der Therme. Eine „Liquid-Sound-Anlage“ übertrage die Worte auch unter Wasser und ermögliche so eine „intensive Form des Zuhörens“. Das Schwimmbad hat Fliege für den Zeitraum von 7.30 bis 9.30 Uhr exklusiv reserviert.

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Die Torah und die Wissenschaft

Wissenschaft und Torah teilen die Auffassung, dass der menschliche Geist diese Ordnung auch rational wahrnehmen kann. (dpa / picture alliance / Daniel Bockwoldt)
Torah und Wissenschaft, Glaube und Wissen, das passe nicht zusammen – so meinen all jene, die von Judentum und Torah nicht viel verstehen. Denn tatsächlich haben beide Dinge gewisse Gemeinsamkeiten und Schnittmengen.


Von Yael Kornblum|Deutschlandradio Kultur

Es gab und gibt immer wieder Versuche, den Wahrheitsgehalt der Torah wissenschaftlich zu belegen. Doch hier soll es nicht um den Beleg des Urknalls oder der Evolution in der Torah gehen, sondern um die allgemeine Fragstellung: Was haben die Torah als religiöse und daher a priori irrationale Schrift und die Wissenschaft, per Definition rational, miteinander gemeinsam? Zwischen ihnen beiden existieren drei Parallelen.

Zunächst: Der Glaube an die Gesetzmäßigkeit der Natur. Wenn es keine Ordnung, keine Kausalität gibt, ist der menschliche Geist wie blockiert. Naturereignisse scheinen dann das Resultat eines Gottes auf Rachefeldzug gegen eine rivalisierende Gottheit. Chaos ist dann die Konsequenz völliger Willkür. Außerdem ist die individuelle Eigenverantwortung dann hinfällig, weil göttlicher Eigenwilligkeiten ausgesetzt. Die moderne Naturwissenschaft konnte nur deshalb entstehen, weil es Menschen gab, die intuitiv an die Gesetzmäßigkeit der Natur glaubten. Dieses intuitive Wissen manifestiert sich übrigens erstmalig in der Torah auf der Suche nach Gott: Abraham beobachtet das Himmelsgestirn und vermutet einen tieferen Sinn, eine Kausalität dahinter. „Die Tage der Erde soll immer währen. Säen und Ernte, Sommer und Winter, Tag und Nacht sollen nie enden.“ (Genesis 8,22). Der Glaube an und das Wissen um die Gesetzmäßigkeit der Natur – die erste große Gemeinsamkeit.

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Wenn Bibel-Fundis sich streiten – „Erzfeinde“

Der Vorsitzende der Theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz, Prof. Thomas Schirrmacher. Foto: PR
Der Vorsitzende der Theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA), Prof. Thomas Schirrmacher (Bonn), hat die scharfe Kritik des baptistischen Konfessionskundlers Prof. Erich Geldbach (Marburg) an dem evangelikalen Dachverband zurückgewiesen.


idea.de

Geldbach hatte am 14. März auf einer Tagung zum Thema „Pietismus – Neupietismus – Evangelikalismus“ in Marburg gesprochen. Nach seinen Worten ist das Glaubensbekenntnis der WEA so eng gefasst, dass es keinen Spielraum für die Erforschung der Heiligen Schrift lasse, wenn es heiße, dass die Bibel „göttlich inspiriert“, „unfehlbar“ und „vollkommen vertrauenswürdig“ sei. Zugleich bezweifelt der Konfessionskundler, dass der evangelikale Dachverband von Christen in 129 Nationen und 100 internationalen Organisationen für alle Mitglieder sprechen könne. Für wichtiger als die WEA hält Geldbach den Weltkirchenrat. Er stehe für die Einheit der Kirche Jesu Christi. In einem am 21. März veröffentlichten Offenen Brief schreibt Schirrmacher, Geldbach habe auf der Tagung einen tiefen Graben zwischen Evangelikalen und anderen Christen ausmachen oder sogar aufreißen wollen. Er verwende das Wort „Erzfeinde“ für andersdenkende globale Strömungen der Christenheit. Schirrmacher: „Ich glaube, dass diese Art der Auseinandersetzung sicher im 20. Jahrhundert verbreitet war, aber nicht mehr zu den weltweiten Beziehungen der großen Ströme der Christenheit im 21. Jahrhundert passt.“

Säureopfer in Indien: Schaut sie an

Rupa wurde als 15-Jährige Opfer eines Säureanschlags: Heute entwirft sie Mode. Bild:  Rahul Saharan Rupa wurde als 15-Jährige Opfer eines Säureanschlags: Heute entwirft sie Mode bearb.:bb
Rupa wurde als 15-Jährige Opfer eines Säureanschlags: Heute entwirft sie Mode. Bild:Rahul Saharan bearb.:bb
Die Säure zerstört ihre Haut, entstellt ihr Gesicht, macht sie blind: Hunderte Frauen werden in Indien jährlich durch Attentate mit ätzenden Flüssigkeiten verletzt. Fünf Frauen, fünf Geschichten.


Von Ulrike Putz|SpON

„Ich bin so stark wie mein Kaffee.“ Das handgeschriebene Schild hängt hinter dem Tresen an der Wand und wirft Fragen auf: Soll es den Frauen Mut machen, die im „Sheroes“-Café in Agra arbeiten? Oder richtet es sich an ihre Gäste, die neben Kaffee auch einen Einblick in die brutale Realität Indiens serviert bekommen?

Das Café wurde im Dezember 2014 eröffnet und liegt nur 400 Meter vom Taj Mahal entfernt. Die fünf Frauen, die hier Getränke bringen und Sandwiches toasten, sind alle furchtbar gezeichnet: Säureattentate haben ihre Gesichter entstellt. Den Frauen in die Augen zu schauen ist nicht leicht.

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Papst prangert in Neapel Korruption und Ungerechtigkeit an

Bild: hiphop 'n'more
Bild: hiphop ’n’more
Emotionaler Appell gegen organisiertes Verbrechen und Ausbeutung – Unterbezahlte Arbeit und Schwarzarbeit sind „Sklaverei“


kath.net

Mit einem emotionalen Appell gegen soziale Ungerechtigkeit und eine korrupte Gesellschaft hat Papst Franziskus seinen Besuch in Neapel begonnen. Arbeitslosigkeit raube den Menschen die Würde, sagte er am Samstagvormittag im Armenviertel Scampia unter dem Applaus Zehntausender Menschen. Unterbezahlte Arbeit und Schwarzarbeit bezeichnete er darüber hinaus als Ausbeutung und „Sklaverei“. Franziskus wandte sich in der Camorra-Hochburg Scampia auch gegen das organisierte Verbrechen. „Wer freiwillig den Weg des Bösen geht, raubt ein Stück Hoffnung“, sagte er. Solche Menschen beraubten die Ehrlichen und Fleißigen und das Gemeinwohl Neapels.

Energisch prangerte Franziskus die Korruption in der Gesellschaft an. „Die Korruption stinkt, eine korrupte Gesellschaft stinkt, und ein Christ, der die Korruption bei sich zulässt, ist kein Christ, er stinkt“, so der Papst. Seine Rede beendete er mit dem Appell an die Zuhörer, die eigene Seele, die Stadt und die Gesellschaft von diesem Übel zu reinigen.

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Meinung: Mars One – ein Alptraum für die Raumfahrt

Bild: Les Bossinas, NASA Lewis Research Center (public domain)
Bild: Les Bossinas, NASA Lewis Research Center (public domain)
Das Projekt, das Amateur-Astronauten zum Mars aber nie wieder zurück bringen will, beginnt sich aufzulösen. Der unnötige Schaden für das Ansehen der Wissenschaft ist dabei das eigentliche Drama, meint Philipp Hummel.


Von Philipp Hummel|Spektrum.de

Joseph Roche wollte nie wirklich zum Mars. Neugier war der Hauptgrund für seine Bewerbung bei Mars One, einem privat finanzierten Raumfahrt-Projekt, mit dem eine holländische Organisation bis 2025 die ersten Menschen zum Roten Planeten bringen will. Roche wollte außerdem für die Raumfahrt werben, ihr mehr Aufmerksamkeit verschaffen. Der promovierte Astrophysiker war Forscher bei der NASA, mittlerweile ist er Junior-Professor am Trinity College in Dublin. Seine Bewerbung hat er nie sonderlich ernst genommen, sagt er. Das hat sich nun radikal geändert. Denn Roche wurde im Februar in die Runde der letzten 100 Kandidaten gewählt.

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Ercan Karakoyun: „Die Trennung von Staat und Religion ist erforderlich“

Karakoyun vertritt „Hizmet“ in Deutschland.Foto: privat/StZ
Die Muslime müssten mehr Verantwortung übernehmen, fordert Ercan Karakoyun, der Chef der Stiftung Dialog und Bildung, im Interview. Dazu zähle auch, sich intensiver damit auseinanderzusetzen, dass viele Muslime aus Deutschland nach Syrien reisen, um dort in den Reihen des „Islamischen Staates“ Krieg zu führen.


Von Knut Krohn|Stuttgarter Zeitung.de

Wohl keine islamische Bewegung wird in Deutschland so gegensätzlich beurteilt wie „Hizmet“ (Der Dienst). Sie beruft sich auf den türkischen Prediger Fethullah Gülen und ist die am schnellsten wachsende Strömung unter Bürgern mit türkischen Wurzeln. Rund 300 Vereine betreiben 24 staatlich anerkannte Privatschulen und etwa 150 außerschulische Nachhilfeeinrichtungen. Offiziell gibt es in keiner dieser Einrichtungen eine islamische Unterweisung. Die Absolventen dieser Schulen bilden eine neue, in sozialmoralischer Hinsicht konservative Bildungselite, die den Kontakt zur Politik, zur Verwaltung und zur Öffentlichkeit sucht. Dazu wurde die Stiftung Bildung und Dialog ins Leben gerufen.

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Ruhrbistum kritisiert Vatikan scharf

Papst Franziskus während einer Synode zum Thema Familie© Max Rossi/Reuters/Bearb.BB
Papst Franziskus während einer Synode zum Thema Familie© Max Rossi/Reuters/Bearb.BB
Scheidung, Pille, Homosexualität – die Kirche soll sich in Familienfragen bewegen, steht in der siebenseitigen Stellungnahme des Ruhrbistums. Der Vatikan versucht, mit einem Fragebogen die Haltung der katholischen Basis zu ergründen. Allerdings haben nur 14 Gläubige den Bogen ausgefüllt.


Von Walter Bau|WAZ

46 Fragen umfasst der Fragenkatalog des Vatikans, mit denen der Papst und die Kurie die Haltung der katholischen Basis zum Familienbild erkunden will. Dass im Ruhrbistum Essen nur 14 Gläubige den ins Internet gestellten Bogen ausfüllten – für die Bistums-Oberen ist das keine Überraschung. Denn: „Leider hat ein schwer verständlicher Sprachstil und die Komplexität der Fragestellungen die Beantwortung nicht nur erschwert, sondern selbst bei wohlmeinenden Katholiken z.T. die Vermutung aufkommen lassen, die gute Absicht einer breiten Befragung sei eigentlich doch nicht gewollt.“

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Staatsanwaltschaft weist Vorwürfe des Erzbistums Köln zurück

Bild: WAZ
Bild: WAZ
Weil die Staatsanwaltschaft bei Vorwürfen von sexuellem Missbrauch nicht ermittelt, legte die Erzdiözese Beschwerde bei der Kölner Generalstaatsanwaltschaft ein. Das Landesjugendamt und das örtliche Jugendamt teilen die Einschätzung der Erzdiözese


kath.net

Die Staatsanwaltschaft Köln weist Vorwürfe des Erzbistums Köln zurück, im Fall einer nach Missbrauchsvorwürfen entlassenen Erzieherin nicht zu ermitteln. Es gebe bislang keine tragfähigen Anhaltspunkte, die Ermittlungen rechtfertigen würden, sagte der Sprecher, Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer, am Freitag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Er verwies darauf, dass auch keine Strafanzeigen von Eltern vorlägen.

Das Erzbistum hatte eine Erzieherin an einer katholischen Kindertagesstätte in Elsdorf im Rhein-Erft-Kreis entpflichtet. Ihr wirft die Erzdiözese sexuellen Missbrauch in mindestens zwei Fällen vor. Weil die Staatsanwaltschaft nicht ermittelt, legte die Erzdiözese Beschwerde bei der Generalstaatsanwaltschaft in Köln ein.

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„Euer Vater war ein Säufer.“ Grabredner sind die neuen Humanisten!

Foto: David Sorich | Flickr | CC BY-SA 2.0
In einer perfekten Welt wäre jeder glücklich. Die Griechen hätten keine Schulden mehr, Reiner Calmund könnte essen, ohne dicker zu werden, und ich müsste nicht sterben. Und wenn doch, dann nur selbstbestimmt und erfüllt im Alter von 95 Jahren, nachdem ich alles aufgesogen habe, was die Welt meinem Leben an Herrlichkeit zu bieten hatte.


Von Paul Garbulski|Vice.com

An mein Grab würden Familie und Freunde zu Hunderten kommen, nicht weil sie sich erhoffen, ein Stück von meinem Milliardenerbe abzubekommen, sondern weil sie mich als den großartigen Menschen—der ich schlichtweg wäre—verehren. In dieser weit entfernten Zukunft würde die Hologrammtechnik derart gut entwickelt sein, dass ich bei der Beerdigung meine eigene Trauerrede halte, aufgenommen noch zu Lebzeiten. Sie würde—wie ich—großartig sein und nachdem die Anwesenden ihre Tränen der Rührung weggewischt hätten, ginge ich mit ihnen allen noch einen saufen.

Bei dieser feucht-fröhlichen Angelegenheit würde mein holographisches Ich das Testament verlesen, wonach jeder einzelne meiner Angehörigen genau Nichts bekäme, weil alles Geld in den Bau eines goldenen Mausoleums floss. Aber das wäre OK, wer bräuchte schon Geld, wo er doch im Herzen reich von mir beschenkt wurde. So viel zur Utopie.

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Holocaust-Leugner Williamson abermals exkommuniziert

Bischof Richard Williamson by J. Capaldi, on Flickr (CC BY 2.0)
Bischof Richard Williamson by J. Capaldi, on Flickr (CC BY 2.0)
Der wegen Volksverhetzung verurteilte Geistliche Richard Williamson ist aus der katholischen Kirche ausgeschlossen worden. Er soll mit einer unerlaubten Bischofsweihe gegen Kirchenrecht verstoßen haben.


Frankfurter Allgemeine

Der britische Holocaust-Leugner und erzkonservative katholische Geistliche Richard Williamson ist abermals aus der katholischen Kirche ausgeschlossen worden. Er soll in Brasilien unerlaubt eine Bischofsweihe vollzogen und so automatisch die Kirchenstrafe der Exkommunikation auf sich gezogen haben, teilte die Diözese in Nova Friburgo, rund 140 Kilometer von Rio entfernt, am Freitag auf ihrer Internetseite mit. Offenbar wolle der 75 Jahre alte Geistliche im Kloster „Mosteiro da Santa Cruz“ eine weitere Weihe vollziehen. Dies sei ein „illegitimer Akt“.

Die Exkommunikation gelte nach kanonischem Recht auch für den zum Bischof geweihten Priester, hieß es. Der Diözesanbischof von Novo Friburgo Edney Gouvêa Mattoso reagierte mit „großer Traurigkeit“ auf die Nachricht der „illegitimen Ordinierung“.

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Wohin mit den Tieren – „Man hätte besser 80.000 statt 80 Russen umgebracht“

Eine sauerländische Mutter zieht, ihre Kinder schützend, an dem am 3.5.1945 nahe Suttrop entdeckten Massengrab der ermordeten 57 Frauen und Männer vorbei. Bild: United States Holocaust Memorial Museum, courtesy of National Archives and Records Administration, College Park
Die Leiden der sowjetischen und polnischen Arbeitssklaven im NS-Regime sind für das deutsche Geschichtsgedächtnis bis heute kein nennenswertes Thema.


Von Peter Bürger|TELEPOLIS

Im „Großdeutschen Reich“ standen Ulrich Herbert zufolge von 1939 bis 1945 schätzungsweise 8,5 Millionen zivile und 4,6 Millionen kriegsgefangene Ausländer – mit großer Mehrheit zwangsweise – im Arbeitseinsatz für die Kriegswirtschaft (hinzu kamen die Arbeitssklaven aus KZs). Im August 1944 machten diese Menschen laut Melderegister nahezu 30 Prozent der im „Reich“ Beschäftigten aus! Das während des 2. Weltkrieges im deutschen Alltag – bis in die kleinen Dörfer hinein – allgegenwärtige System der Zwangsarbeit gehörte zur Massenmordapparatur des von Deutschland geführten Eroberungs- und Rassekrieges.

Nach Kriegsende wollte freilich niemand etwas von den Misshandlungen der zur Zwangsarbeit ins Land geholten bzw. verschleppten Menschen wissen, auch nichts vom Widerstand der sogenannten Ostarbeiter und von den Massenmorden an ausländischen Arbeitssklaven kurz vor Kriegsende. Vielmehr setzte sich – sehr bald auch in der regionalen Geschichtsschreibung – die leitende Überschrift „Russenplage“ durch.

Die deutsche Bevölkerung, die doch mit großer Mehrheit dem NS-Sklavenhalterstaat Loyalität oder stillschweigende Duldung gewährt hatte, fühlte sich auch an dieser Stelle nicht als Teil der Täterseite, sondern als Opfer. Im Kalten Krieg durfte man dann gen Osten weiterhin ungeniert zum Besten geben, was man unter Adolf Hitler verinnerlicht hatte.

Zwangsarbeit und Rassismus: Tiervergleich für die Menschen Russlands

Noch vergleichsweise (!) „zivil“ fiel während des Krieges etwa die Behandlung französischer Gefangenenarbeiter aus. Der Einsatz von ca. zwei Millionen polnischen Arbeitssklaven, die in nennenswertem Umfang über regelrechte Menschenjagden rekrutiert worden waren und als Erkennungszeichen ein „P“ auf der Kleidung trugen, galt hingegen schon als große Gefahr für die „Rasse-Reinheit im Arier-Staat“ und ging entsprechend mit einem bis ins letzte Detail ausgearbeiteten Repressionsinstrumentarium einher. Auf Beischlaf mit deutschen Partnern stand die Todesstrafe.

An einen Zwangsarbeitseinsatz von Menschen aus der Sowjetunion war zunächst – unter dem Vorzeichen einer „optimistischen“ Kriegsverlaufsprognose – ganz und gar nicht gedacht. Den am Massenmordfeldzug im Osten beteiligten Soldaten vermittelte man, in der Sowjetunion stoße man auf „Untermenschen“ und „Bestien“. Nicht anders fiel im Zuge der „antibolschewistischen“ Dauerberieselung die Betrachtungsweise an der Heimatfront aus. So hieß es z.B. noch in SD-„Meldungen“ vom 17.8.1942 über Stimmungen im Reich, die durch die Wochenschaubeiträge über den Krieg in der Sowjetunion weiter verstärkt worden waren:

Es würde mit Sorge gefragt, was wir mit diesen „Tieren“ in Zukunft anfangen wollten. Viele Volksgenossen stellen sich vor, dass sie radikal ausgerottet werden müssten. Zusammen mit den Gewalttaten entflohener russischer Kriegsgefangener bildete sich eine gewisse Angst davor heraus, dass diese Gestalten und Typen in größerer Zahl in das Reichsgebiet kommen könnten und gar als Arbeitskräfte Verwendung finden sollten.

Lagebericht des Sicherheitsdienstes des Reichsführers-SS (SD-Meldung)[1]

Der Tiervergleich gelangte sogar in antibolschewistische Predigten des katholischen Militärbischofs Franz Justus Rarkowski und seines einstigen Untergegebenen Erzbischof Lorenz Jaeger (Paderborn). NS-Obrigkeit, Volk und Militär schienen sich einig zu sein: Ausrottung war angesagt. Bis Ende 1941 fielen 3,5 Millionen sowjetische Kriegsgefangene in die Hand der Wehrmacht. Man ließ mehr als die Hälfte von ihnen durch Hunger, Kälte, Erschöpfung, verweigerte medizinische Hilfe oder direkten Mord mit der Waffe krepieren.

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Hanau: Stadt kannte Sekten-Vorwürfe

Bild: WAZ
Bild: WAZ
Eine religiöse Gruppierung in Hanau soll Kinder misshandelt haben. Das Hanauer Jugendamt hat nach Recherchen keine Anhaltspunkte gefunden, um eingreifen zu können. Der Behörde fehlen Zeugen und Beweise.


Von Gregor Haschnik und Wiebke Rannenberg|Frankfurter Rundschau

Im Fall der religiösen Gruppierung in Hanau hat jetzt das Jugendamt Stellung bezogen: 1991 habe ein volljähriger Informant dem Amt berichtet, dass er „in einer Sekte“ aufgewachsen sei, die von einer Frau und deren Ehemann geführt werde. In der Gruppe, in der auch minderjährige Kinder leben würden, sei ein Junge zu Tode gekommen, so der Informant. Neue Mitglieder müssten Geld für eine Firma geben, die mit der Gruppe verflochten sei. Den Kindern gehe es nicht gut, so der Informant damals.

„Wir haben die Aussagen sehr ernst genommen und den Informanten als glaubwürdig betrachtet“, sagt Andrea Knips-Profeld, Leiterin des Amts für soziale Prävention. Deshalb habe das Jugendamt im Umfeld der Familie informell recherchiert, bei Polizei, Justiz und Kirche. Dabei habe das Amt zwar gehört, dass es „eine Schieflage“ geben könnte. Doch es habe keine Anhaltspunkte gegeben, um eingreifen zu können. Zudem habe das Jugendamt den Informanten nicht davon überzeugen können, Anzeige zu erstatten. Er habe dann den Kontakt zum Amt abgebrochen.

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Umstritten: Webcam-Abtreibung in den USA

Webcam statt Wartezimmer? In entlegenen Gegenden der USA können Patienten per Videokonferenz mit Ärzten sprechen, wofür sie sonst weite Strecken zurücklegen müssten. Auch Abtreibungspillen werden so verabreicht Foto: USDA | flickr | CC BY-ND 2.0
Abtreibung via Webcam: Der Arzt verordnet Abtreibungspillen, ist aber nur per Videokonferenz zugeschaltet. Mediziner und Lebensschützer warnen vor den Folgen.


pro Medienmagazin

Per Liveschaltung über das Internet ist die Frau mit dem Arzt verbunden. Seine Patientin sieht er nur auf dem Bildschirm. Er drückt auf einen Knopf, dann öffnet sich für die Frau eine Schublade mit zwei Medikamenten. Das eine nimmt sie sofort, das andere 24 bis 48 Stunden später zu Hause. Wahrscheinlich sieht der Arzt die Frau nie wieder. Eine sogenannte Webcam-Abtreibung ist unkompliziert.

Nach Angaben von Planned Parenthood, einer US-amerikanischen Beratungsorganisation für Sexualmedizin und Familienplanung, haben seit Einführung der Methode 2008 im dünn besiedelten US-Bundesstaat Iowa 6.400 Frauen per Telemedizin abgetrieben. Frauen seien dankbar, durch die Einnahme des Medikamentes früher abtreiben zu können, ohne erst einen weit entfernten Arzt aufsuchen zu müssen, sagte Jennifer Aulwes, eine Sprecherin von Planned Parenthood, gegenüber dem amerikanischen Magazin The Atlantic. Der frühere Zeitpunkt erlaube es ihnen zudem, die medikamentöse Abtreibung zu wählen anstelle eines klinischen Eingriffs.

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Einigung vor Gericht: Polnische Kirche zahlt erstmals Entschädigung an Missbrauchsopfer

kirche_polenAls Zwölfjähriger wurde er von einem Priester missbraucht, nun bekommt er Entschädigung: In Polen hat ein Mann sich vor Gericht mit der Amtskirche geeinigt. Die hatte Zahlungen an Missbrauchsopfer bisher stets abgelehnt.


SpON

Erstmals hat sich in Polen ein Bistum verpflichtet, einen Mann finanziell zu entschädigen, der in seiner Jugend von einem Priester sexuell missbraucht worden war. Mit dieser Einigung endete im westpolnischen Koszalin der erste Zivilprozess gegen Vertreter der Amtskirche, wie die polnische Nachrichtenagentur PAP berichtete.

Bisher lehnte die polnische Amtskirche Entschädigungen an Missbrauchsopfer ab und verwies auf individuelle Entschädigung durch die Täter. Die Helsinki-Stiftung für Menschenrechte, die die Klage unterstützt hatte, sprach in einer Stellungnahme von einem wegweisenden Verfahren auch für andere Opfer.

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Astrid Korten: Autorin als „Feind Allahs“ beschimpft und verprügelt

Thriller sind ihre Spezialität: Schriftstellerin Astrid Korten Bild:DIE WELT
Astrid Korten schreibt Kriminalromane, in einem davon geht es um einen „Ehrenmord“. Nach einer Lesung wird die 53-Jährige von jungen Männern überfallen, geschlagen und als „Feind Allahs“ beschimpft.


Von Florian Kinast|DIE WELT

Die körperlichen Schmerzen, gerade am Magen, die nehmen allmählich ab, das wird schon wieder. Astrid Korten nimmt Schmerzmittel, die helfen ganz gut. Viel schlimmer ist im Moment noch die seelische und mentale Aufarbeitung. Der Schock, das Entsetzen darüber, was ihr vor zehn Tagen widerfahren ist. Das Verdauen des Erlebten. Als die Schriftstellerin in Leipzig am Vorabend der Buchmesse von zwei Männern überfallen wurde, attackiert und getreten – kurz nachdem sie aus ihrem neuen Buch eine Passage gelesen hatte, in der es um einen „Ehrenmord“ geht.

Bei dem Angriff beschimpfte sie einer der beiden Männer als „Feind Allahs“.

Mehr als eine Woche lang hatte Astrid Korten still gehalten. Nichts gesagt darüber. „Ich wollte den Übergriff zunächst tot schweigen“, erklärt sie, „um mich und andere zu schützen.“ Nun aber entschied sie sich nach langem Überlegen, nach Tagen des Zweifels, doch an die Öffentlichkeit zu gehen und darüber zu sprechen. „Ich lasse mich nicht mundtot machen“, sagt sie. Deswegen hat sie ihr Schweigen gebrochen und erzählt hier zum allerersten Mal von den Vorfällen des 11. März.

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Katholische Verbände wollen Sexualmoral neu diskutieren

hailmary

Die Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände (AKV) spricht sich dafür aus, dass bei der kommenden Familiensynode im Oktober im Vatikan auch offen über Reformen der katholische Sexualmoral diskutiert wird. „Die AKV sieht die rigorose Beschränkung der Sexualität auf die strenge Haltung von ‚Humanae Vitae‘ nach mehr als 50 Jahren Erfahrung als problematisch und nicht mehr zeitgemäß an“, so AKV-Präsident Helmut Kukacka in einer Aussendung am Freitag. Er berief sich dabei auf eine Resolution, die die AKV-Generalversammlung am 18. März einstimmig beschlossen hatte.


kathweb

Wie Kukacka feststellte, mache die medizinische Entwicklung und die veränderte Einstellung der Gesellschaft, aber auch der Gläubigen, eine Präzisierung erforderlich. Denn die von der Kirche empfohlenen sogenannten „natürlichen Methoden“ der Verhütung würden heute nur noch wenig berücksichtigt und verstanden.

Die AKV trete nachdrücklich dafür ein, sehr viel klarer zwischen jenen Methoden und Mitteln zu unterscheiden, die eine Empfängnis verhindern (z.B. Antibabypille) und jenen, die zur Beendigung bereits empfangenen Lebens führen. Hier seien besonders die verschiedenen Versionen der sogenannten „Pille danach“ zu nennen. Kukacka: „Wir lehnen daher alle lebensbeendenden Mittel und Methoden strikt ab, hingegen sollte eine vom geprüften Gewissen getragene Verwendung künstlicher Methoden oder medikamentöser Mittel zur Verhütung akzeptiert werden“.

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