„Euer Vater war ein Säufer.“ Grabredner sind die neuen Humanisten!


Foto: David Sorich | Flickr | CC BY-SA 2.0
In einer perfekten Welt wäre jeder glücklich. Die Griechen hätten keine Schulden mehr, Reiner Calmund könnte essen, ohne dicker zu werden, und ich müsste nicht sterben. Und wenn doch, dann nur selbstbestimmt und erfüllt im Alter von 95 Jahren, nachdem ich alles aufgesogen habe, was die Welt meinem Leben an Herrlichkeit zu bieten hatte.


Von Paul Garbulski|Vice.com

An mein Grab würden Familie und Freunde zu Hunderten kommen, nicht weil sie sich erhoffen, ein Stück von meinem Milliardenerbe abzubekommen, sondern weil sie mich als den großartigen Menschen—der ich schlichtweg wäre—verehren. In dieser weit entfernten Zukunft würde die Hologrammtechnik derart gut entwickelt sein, dass ich bei der Beerdigung meine eigene Trauerrede halte, aufgenommen noch zu Lebzeiten. Sie würde—wie ich—großartig sein und nachdem die Anwesenden ihre Tränen der Rührung weggewischt hätten, ginge ich mit ihnen allen noch einen saufen.

Bei dieser feucht-fröhlichen Angelegenheit würde mein holographisches Ich das Testament verlesen, wonach jeder einzelne meiner Angehörigen genau Nichts bekäme, weil alles Geld in den Bau eines goldenen Mausoleums floss. Aber das wäre OK, wer bräuchte schon Geld, wo er doch im Herzen reich von mir beschenkt wurde. So viel zur Utopie.

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