So liberal war die katholische Kirche früher


Sitzung des Konzils von Trient in "Tyrolischer Adler", Bd.IX von Matthias Burglechner ( Österreichisches Staatsarchiv Wien, Haus-, Hof- und Staatsarchiv Hs. W 231/9 ) Bild: wikimedia.org/PD
Sitzung des Konzils von Trient in „Tyrolischer Adler“, Bd.IX von Matthias Burglechner ( Österreichisches Staatsarchiv Wien, Haus-, Hof- und Staatsarchiv Hs. W 231/9 ) Bild: wikimedia.org/PD
Frauen, die Priestern vorgesetzt sind? Kardinäle, die den Papst kontrollieren? Der Münsteraner Historiker Hubert Wolf hat in alten Akten brisante Vorbilder für eine mögliche Kirchenreform entdeckt.


Von Lucas Wiegelmann|DIE WELT

Der Retro-Trend, also das Hören alt klingender Popmusik, das Tragen noch älterer Brillenmodelle oder das Anknipsen einer verbeulten Leselampe aus den Dreißigern, gilt als Erfindung der Postmoderne. Als letzter sinnvoller Stil in einer Zeit, in der wir die Welt nur noch als einzige große Zitatensammlung zu begreifen gewohnt sind, als unendliches Spiel mit den immer gleichen Bauklötzchen.

Aber das ist ein Irrtum. Kein Bundeswehrparka-tragender bärtiger Jungprogrammierer in Berlin-Neukölln kann in Sachen Vintage-Style mit, sagen wir, dem Papst konkurrieren.

Lange vor der Postmoderne, ach was, lange vor der Moderne, vorm Mittelalter, immer schon hatte die katholische Kirche ein besonderes Verhältnis zum Gestern, ja war regelrecht besessen von ihm, und versuchte es in das Heute zu integrieren. Wenn die Kirche in irgendwas Avantgarde war, dann im Retro-Trend.

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