Rabbiner und Imame radeln durch Berlin

Generalsekretär des Islamrats und Religionslehrer Burhan Kesici und Rabbiner Shlomo Afanasev stellv. Vorsitzender der Gemeinde Kahal Adass Jisroel (v.l.n.r). – Foto: Anette Kögel
Imame und Rabbiner radeln vereint als Tandem am Sonntagnachmittag durch die Hauptstadt. Die Aktion soll für mehr Toleranz sorgen. Die „Critical-Mass-Tour“-Radler wollen sich anschließen.


Von Anette Kögel|DER TAGESSPIEGEL

Die Leih-Tandemräder in Berlin aufzutreiben, war gar nicht so leicht. Einfacher war es da, die gemischten Fahrerteams aufzustellen: Jeweils ein Imam und ein Rabbiner wollten am späten Sonntagnachmittag gemeinsam gegen Islamfeindlichkeit und Antisemitismus in die Pedale treten. Weil auch die gesellschaftskritischen „Critical-Mass-Tour“-Radler sich der vom Verein Leadership Berlin veranstalteten Toleranz tour durch die Stadt anschließen, wurden insgesamt rund 1000 Radfahrer erwartet.

Begleitet von der Motorradstaffel der Berliner Polizei wollten die Radler für Respekt und Toleranz vom Brandenburger Tor aus an der Synagoge in der Oranienburger Straße und am Jüdischen Museum entlang zur Mevlana-Moschee und an der Sehitlik-Moschee vorbei fahren.

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Populismus: Größter Gegner der Protestparteien sind ihre Mitglieder

Zum Verdruss von Ukip-Chef Nigel Farage vergeht kaum ein Monat, in dem nicht ein Parteimitglied negativ auffällt. (Foto: REUTERS)
Ihr Erfolg scheint unaufhaltsam – bis sie echte politische Arbeit machen müssen. Dann stolpern Protestparteien wie Ukip mit Nigel Farage oder die AfD über allerlei schräge Vögel in den eigenen Reihen.


Von Christian Zaschke|Süddeutsche.de

Alles könnte so einfach sein für Nigel Farage, wenn seine Partei nicht wäre. Der Chef der EU-feindlichen UK Independence Party (Ukip) kann sich gute Hoffnungen darauf machen, bei der britischen Unterhauswahl im Mai erstmals ins Parlament in Westminster einzuziehen. Farages Popularitätswerte sind konstant hoch, und wenn er in jedem der 650 Wahlkreise persönlich antreten könnte, würde die Ukip vermutlich eine ernstzunehmende Fraktion werden.

Zu Farages Verdruss vergeht jedoch kaum ein Monat, in dem nicht ein Parteimitglied durch dämliche, rassistische oder sexistische Bemerkungen auffällt – oder, wie jüngst, durch finanzielle Unregelmäßigkeiten.

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Türkische Führung streitet über Kurden

Die Türkische Nationalversammlung "Der Souverän ist ausnahmslos das Volk" (Mustafa Kemal Atatürk) © meclishaber.gov.tr, bearb. MiG
Die Türkische Nationalversammlung „Der Souverän ist ausnahmslos das Volk“ (Mustafa Kemal Atatürk) © meclishaber.gov.tr, bearb. MiG
Historisches Friedensangebot des inhaftierten PKK-Gründers Abdullah Öcalan führt zu Spannungen zwischen Präsident und Regierung


derStandard.at

Er sei keine Schaufensterpuppe, polterte Tayyip Erdogan, als er am vergangenen Wochenende in Denizli im Westen der Türkei einen seiner Dauerwahlkampfauftritte absolvierte. Der türkische Staatspräsident, der landauf, landab für eine Verfassungsänderung und die Einführung eines Präsidialsystems wirbt, gab sich erbost. Erdogan kritisierte erneut Abmachungen, welche die Regierung mit der Kurden- und Linkspartei HDP getroffen hatte, als „undemokratisch“.

Nur wenige Stunden zuvor war in Diyarbakir, der inoffiziellen Hauptstadt der Kurden im Südosten der Türkei, ein Brief des inhaftierten PKK-Gründers Abdullah Öcalan verlesen worden. Der rief seine Untergrundbewegung zur Niederlegung der Waffen auf.

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Fifa-Boss: „Ich glaube an Gott – aber wir sind einflussreicher als jede Religion“

Fifa-Chef Sepp Blatter sieht großen Einfluss bei seinem Weltverband SID-IMAGES/SID-IMAGES/FIRO
Als John Lennon die Beatles in den 60er Jahren mit Jesus verglich, war die Empörung groß. Fifa-Chef Sepp Blatter nimmt es heute dagegen gleich mit allen Glaubensgemeinschaften und Staaten auf: Die Fifa sei einflussreicher als Länder und Religionen, meint der Schweizer.


FOCUS ONLINE

Der Fußball-Weltverband hat nach Ansicht von Fifa-Chef Sepp Blatter mehr gesellschaftlichen Einfluss als die Weltreligionen. „Die Fifa ist durch die positiven Emotionen, die der Fußball auslöst, einflussreicher als jedes Land der Erde und jede Religion“, sagte Blatter in einem Interview der Schweizer „Sonntags-Zeitung“. „Wir bewegen Massen. Das wollen wir nutzen, um mehr Frieden, Gerechtigkeit und Gesundheit auf der Welt zu schaffen.“

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Das Höllenloch von Jharia Kohlefeuer in Indien: Inferno vor der Haustür

Themenbild.
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Seit fast hundert Jahren brennt im indischen Jharia ein Feuer unter der Erde; langsam frisst es sich durch den Boden – eine ökologische Katastrophe. Reisejournalist Johnny Haglund dokumentiert das Leben der Menschen am Höllenschlund.


SpON

Jharia – Wie genau das Feuer entstand, wissen sie im indischen Jharia nicht mehr. Am wahrscheinlichsten ist, dass die Kohleminen nicht richtig verschlossen wurden, damals, 1916. Seither brennt in der Stadt im Westen Indiens das Feuer. Verschluckte Hunderte Gebäude, verkohlte die Erde, vertrieb Menschen aus ihren Häusern, fraß sich mit der Zeit durch 41 Millionen Tonnen Kohle.

In vielen Ländern brennt es unterirdisch, vor allem Indien, China, Indonesien, Südafrika und die USA sind betroffen. Meist haben sich Kohleflöze entzündet. Die Brände lassen sich nur sehr schwer löschen.

In Jharia brennen mittlerweile 70 Feuer, die Gegend sieht aus, wie der brennende Eingang zur Unterwelt, wie das fiktive Schattenreich Mordor aus „Der Herr der Ringe“. Die Menschen in Jharia haben gelernt, mit den Flammen zu leben – auch wenn sie schädlich sind.

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Udo Pollmer: Der Veganerfresser

Udo Pollmer, Bild: zdf.de
Früher war Udo Pollmer der Feind der Agrarindustrie, weil er Bücher über Hormonfleisch und Pestizid-Gemüse schrieb. Jetzt warnt er mit giftigem Humor vor Veganismus – und macht sich Greenpeace und Co zu Gegnern. Wer ist dieser Mann?


Von Jan Grossarth|Frankfurter Allgemeine

Als Udo Pollmer ein junger Mann war mit langem Bart, langen Haaren und antiautoritärem Herzen, machte ihn ein spontaner Erfolg zum Publizisten. Sein erstes Buch wurde zum Bestseller, Pollmer berühmt. Das war 1982. Pollmer und seine Koautorin und Lebensgefährtin Eva Kapfelsperger hatten sich etwas getraut: „Iß und stirb“ war der harte Titel ihres aufklärerischen Buchs über Hormone im Fleisch, Pestizide im Gemüse und andere Schrecken der industrialisierten Ernährungswirklichkeit. Die Industrie war sofort gegen Pollmer. „Nach dem Buch hätte ich als Lebensmittelchemiker keinen Job bekommen“, sagt er. Die Bürger aber applaudierten ihm damals.

So einfach ist es heute nicht mehr. Kürzlich erhielt er Morddrohungen. Denn sein neues Buch ist eine Warnung vor dem Veganismus. Das Essen ohne Fleisch, Milch, Eier und Honig ist im Trend; teils aus Gründen der Gesundheit oder Tierliebe, teils auch aus politischen Gründen. Der alte Pollmer schmeckt manchem jungen Veganer nicht. Udo Pollmer lässt sich von bösen Texten auf Facebook und im E-Mail-Postfach aber nicht beirren. Er kontert mit Sätzen wie diesen: „Wir sind Säugetiere, das heißt, wir werden in anderen Säugetieren eher das finden, was unser Körper braucht, als in einer Staude am Wegesrand. Wenn Mütter sagen: Mein Kind bekommt weder Milch noch Fleisch, sondern Rohkost und Smoothies, dann frage ich mich, ob das Kind wohl von einer Gurke abstammt. Dann sind rohe Gurken sicher ein vollwertiges Lebensmittel.“

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Bistum Essen fordert katholische „Homo-Ehe“

gay_priests_ice_cream_adDas Bistum Essen fordert in einem Positionspapier Abkehr von der kirchlichen Diskriminierung Schwuler und spricht sich für eine eheähnliche Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften aus. Eine revolutionäre Forderung meint David Berger.


Von Dr. David Berger|Huffington Post

Im Herbst wird erneut die Vatikanische Familiensynode tagen, deren erste Sitzung zu herben Enttäuschungen für homosexuelle Menschen geführt hat. Nun prescht das Bistum Essen vor und wendet sich offensiv gegen eine Diskriminierung von Schwulen und Lesben. Ja, das Bistum will sogar eine Art Ehe-Sakramentale für homosexuelle Paare einführen. Dieser neue Kurs wird in einem eigens auf Anfrage des Vatikan erstellten, vor zwei Tagen der Öffentlichkeit zugänglich gemachten, achtseitigen Papier vertreten.

Dass Kinder in homosexuellen Partnerschaften leben, wird als selbstverständlich betrachtet

Dort heißt es, dass im Idealfall „homosexuelle Menschen wie heterosexuelle Menschen zu den kirchlichen Gemeinschaften gehören und weder Diskriminierung noch Ausschluss erleben.“ Sie engagierten sich sogar an vielen kirchlichen Stellen, wo ihre Homosexualität wie selbstverständlich hingenommen werde. Dies entspreche „dem Wunsch homosexueller Menschen, d. h. sie wollen nicht „andersartig“ behandelt werden“.

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Jeder Christ ein Evangelist

Derwin Gray (li.) war Profi-Footballer, jetzt ist er Pastor. Zum Glauben kam er, weil ihm ein Mannschaftskollege von Jesus erzählt hatte Foto: Willow Creek D/CH
Wer an Jesus glaubt, wird zum Evangelisten. Das sagte der Pastor Leo Bigger beim Willow-Creek-Kongress in Erfurt. Der ehemalige Profi-Footballer Derwin Gray, ist so zum Glauben gekommen.


pro Medienmagazin

Die Grundlage aller Theologie sei, dass Jesus die Menschen liebe, erklärte Leo Bigger, Leiter des International Christian Fellowship (ICF) in Zürich, am Samstag bei seinem Vortrag auf dem Jugendplus-Kongress von Willow Creek. Wer eine solche Liebe erfahre, beginne ganz automatisch, für den Glauben zu werben. „Leuchten“ nenne das die Bibel.

Manche Christen seien wie Flutlichter, ihr Glaube sei kaum zu übersehen. Andere seien wie Kühlschränke. Ihr Glaube sei auf den ersten Blick nicht zu erkennen, erst wenn sie sich öffneten, würden andere ihr Licht sehen. Schließlich könne Gott auch kirchenferne Menschen in Kontakt mit Christen bringen, selbst wenn diese keine Lust hätten, für den Glauben zu werben. Bigger nannte diese Menschen Wunderlampen: „Man weiß nie, wann sie leuchten.“ Die Zuhörer rief er dazu auf, ihren eigenen Stil zu entdecken, wie sie anderen von ihrem Glauben erzählen könnten.

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Das Kreuz mit dem Glauben

Foto: brightsblog
Foto: brightsblog
Konservative Christen sehen sich zunehmend in die rechte Ecke gestellt – Ein innerkirchlicher Kulturkampf


Von Michael Lehner|schwäbische.de

Gestritten wird in den christlichen Kirchen immer schon und immer wieder. Aber in der Internet-Anonymität kursieren immer härtere Töne, oft unter der Gürtellinie. Während die Masse der Gläubigen die erbitterten Flügelkämpfe allenfalls am Rande registriert, beklagen vor allem die Wortführer eines konservativen Glaubens Rufmord. Von Hexenjagd und gezielten Medienkampagnen gegen konservative Christen ist die Rede. Der anhaltende Kulturkampf in beiden großen Kirchen kreist um Geschlechterrollen, um Homosexualität, auch um den Islam, um Abtreibung natürlich und letztlich um die Deutungshoheit in Glaubensfragen. Gekämpft wird mit harten Bandagen. Bis hin zu Versuchen, den Verfassungsschutz für den konservativen Flügel der Gläubigen zu interessieren.

Manches wirkt auf den ersten Blick eher erheiternd. Beispielsweise der erbitterte Streit, der sich daran entfacht hat, dass sich die Ratsmehrheit im niederbayerisch-katholischen Essenbach dem Vorschlag verweigerte, den neuen Kinderhort „St. Josef“ zu nennen – weil das „nicht mehr zeitgemäß“ sei. „Man wollte halt keinen Namen, der vielleicht die religiösen Gefühle anderer verletzt“, kommentiert der Bürgermeister bedauernd. Und nicht nur bei bayerischen Josefsvereinen, sondern auch unter Katholiken ist die Enttäuschung über so viel Distanz zum biblischen Ziehvater des Gottessohnes groß. Wo Josef doch früher sogar einen eigenen Feiertag hatte im Freistaat.

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Die ehrenwerten braunen Herren

Mit seinem Buch „Braune Flecken auf dem Priesterrock“ hat sich Robert Werner an drei Regensburger Persönlichkeiten gewagt, über deren braune Vergangenheit man in Regensburg nur ungern spricht: Josef Engert, Bischof Rudolf Graber und Domkapellmeister Theobald Schrems. Schon im Vorfeld des Erscheinens haben Werners Recherchen Reaktionen ausgelöst…


Von Stefan Aigner|haGalil.com

Eine ehrliche Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte? Das ist in Regensburg auch fast 70 Jahre nach Kriegsende nicht en vogue.

An ein Außenlager des KZ Flossenbürg mitten in der Stadt – das Colosseum in Stadtamhof – wird bis heute nicht angemessen erinnert. Der Rüstungsindustrielle Willy Messerschmitt, dem Regensburg seinen wirtschaftlichen Aufstieg, das NS-Regime die Verlängerung seines Vernichtungskriegs und tausende Zwangsarbeiter Gefangenschaft und Tod verdanken, gilt laut einer städtischen Bewerbungsschrift für das Museum der bayerischen Geschichte als beispielhaft für wirtschaftlichen „Fortschritt, politisch demokratische Stabilität und kulturelle Identität“.

Ein Nazi-Bürgermeister, Hans Herrmann, der maßgeblich für die „Arisierung“ jüdischen Eigentums verantwortlich und wichtigste Stütze des Nazi-Oberbürgermeisters Otto Schottenheim war, galt bis vor kurzem als hervorragend geeigneter Namenspatron einer Grund- und Mittelschule. Erst vor kurzem wurde die Schule umbenannt. Zwei Historiker, Stadtheimatpfleger Werner Chrobak und Professor Bernhard Löffler, waren sich im Zuge der Diskussion um die Umbenennung nicht zu schade, eine manipulative Stellungnahme zu veröffentlichen, die einem „Persilschein“ für Herrmann gleichkam.

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‚Du sollst nicht töten‘ gilt auch für das eigene Leben

Bild: letzte-hilfe.de
Bild: letzte-hilfe.de
„Sterbehilfe als Angebot schafft auch Nachfrage. Wir wollen keine Tür öffnen, durch die am Ende Menschen geschoben werden, die nicht sterben wollen“, warnt der Bischof der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK).


kath.net

Vor einer Verklärung der Selbsttötung als Akt menschlicher Selbstbestimmung hat der Bischof der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), Hans-Jörg Voigt (Hannover), gewarnt. Er sprach in Selsingen auf einer Veranstaltung des Evangelischen Arbeitskreises der CDU (EAK) im Kreis Rotenburg/Wümme zum Thema Sterbehilfe. Gottes Gebot „Du sollst nicht töten“ gelte auch für das eigene Leben, so wichtig die Selbstbestimmung auch sei, sagte der Bischof. Er sprach sich gegen eine Lockerung der gesetzlichen Bestimmungen zur Tötung auf Verlangen und zum assistierten Suizid aus: „Sterbehilfe als Angebot schafft auch Nachfrage. Wir wollen keine Tür öffnen, durch die am Ende Menschen geschoben werden, die nicht sterben wollen.“ Aus Sicht der christlichen Ethik vertretbar sei aber etwa eine indirekte Sterbehilfe etwa durch Schmerzlinderung mit lebensverkürzender Wirkung als Nebenfolge. Auch eine passive Sterbehilfe – etwa durch Verzicht auf lebensverlängernde Maßnahmen gemäß dem Patientenwillen – entspreche den Grundzügen christlicher Ethik. Hingegen sei eine Tötung auf Verlangen nicht zu rechtfertigen. Die SELK, der Voigt vorsteht, ist eine Freikirche mit rund 34.000 Mitgliedern.

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EKD-Chef Bedford-Strohm: „Angst zu verbreiten wäre ein Triumph für Terroristen“

Bild: wikimedia.org/CC-BY-SA 3.0/MichaelLucan
Krieg in der Ukraine, IS-Terror, Warnungen vor Anschlägen in Deutschland: Viele Christen sorgen sich um ihre Sicherheit. EKD-Chef Heinrich Bedford-Strohm erklärt, warum Angst kein guter Ratgeber ist.


Ein Interview von Annette Langer|SpON

SPIEGEL ONLINE: Die Mörder des „Islamischen Staates“ töten Unschuldige, sie kreuzigen Kinder und begraben sie bei lebendigem Leibe. Viele Christen gehören zu den Opfern. Hat Gott diese Menschen verlassen?

Bedford-Strohm: Ich bekomme täglich Berichte über verschleppte oder getötete Familien im Irak und in Syrien, ich lese von Enthauptungen und schrecklichen Gewaltexzessen. Das geht mir sehr nah und, ja, man könnte verzweifeln. Aber ich glaube an Jesus Christus, Gottes Sohn, der selbst verfolgt, gefoltert und ans Kreuz geschlagen wurde – doch dann auferstanden ist. Nein, Gott lässt uns nicht allein. Trotz dieser Verbrechen habe ich die Hoffnung, dass die Gewalt überwunden wird und letztlich das Leben siegt.

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„The German Übermacht“

Bild: heise.de
Der Spiegel wollte die deutsche Befindlichkeit darstellen, hat aber nicht ganz geklappt.
Der Spiegel wollte mal wieder einen Aufreißer landen. Auf dem Cover der aktuellen Ausgabe wurde eine bunte, also zeitgemäße Kanzlerin in ein Schwarz-Weiß-Foto aus dem Jahr 1941 überdeutlich sichtbar eingebaut. Hier ist Generalfeldmarschall Walther von Brauchitsch mit anderen Wehrmachtsoffizieren vor der Akropolis in Athen zu sehen.


Von Florian Rötzer|TELEPOLIS

Auf den ersten unbedarften Blick sagt das Bild mit der Überschrift „The German Übermacht“, dass die Griechen auf Merkel die Nazi-Vergangenheit projizieren, aber dass die Kanzlerin doch gar nicht militant und völlig harmlos ist. Übermacht, um Gottes Willen. Deutschland wolle zwar eine wirtschaftliche Macht sein, heißt es im Spiegel, der damit zum Regierungsblatt wird, mit Geopolitik oder militärischer Macht habe man aber nichts am Hut: „Schon deshalb sind die Bezüge zur Nazi-Zeit so daneben.“ Meint der Spiegel.

Die Süddeutsche stellte sich gleichwohl dumm und versucht, aus dem Cover einen Skandal zu machen. So funktioniert heute die Medienkonkurrenz: „Spiegel“ stellt Merkel in eine Reihe mit Nazis. Die dünne Titelei konnte der Spiegel nicht auf sich sitzen lassen, was die SZ natürlich freute.

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USA müssen Misshandlungsfotos aus Armeegefängnissen freigeben

Abu Ghraib: Hier wurden Gefangene misshandelt / Bild: (c) EPA (Nabil Mounzer)
Ein Gerichtsbeschluss nach einem jahrelangem Rechtsstreit zwingt die US-Regierung, Fotos von Misshandlungen Gefangener im Irak und in Afghanistan zu veröffentlichen.


Die Presse

Ein US-Gericht hat die Regierung in Washington nach jahrelangem Rechtsstreit angewiesen, Fotos von Misshandlungen Gefangener im Irak und in Afghanistan freizugeben. Die US-Regierung habe 2009 nicht zufriedenstellend begründet, warum die Bilder nicht veröffentlicht werden dürften, begründete der New Yorker Richter Alvin Hellerstein seine Entscheidung, wie am Samstag bekannt wurde.

Der US-Kongress hatte vor sechs Jahren ein Gesetz beschlossen, das dem Verteidigungsministerium das Zurückhalten der Fotos erlaubt. Zur Begründung hieß es, die Veröffentlichung könne US-Bürger oder US-Militärpersonal in Gefahr bringen.

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Freunde der Dummheit: 2400 Teilnehmer bei Demo für Alle in Stuttgart!

Themenbild.
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Polizei setzte mehrere hundert Beamte gegen linksextreme Störer ein – Etwa 200 Linksextreme versuchten, diese Veranstaltung zu stören und Teilnehmer zu provozieren.


kath.net

Gegner und Befürworter des baden-württembergischen Aktionsplans zur speziellen Förderung sexueller Minderheiten haben am 21. März in Stuttgart demonstriert. An der Kundgebung „Elternrecht wahren! Stoppt Gender-Ideologie und Sexualisierung unserer Kinder“ sowie am anschließenden Demonstrationszug durch die Innenstadt nahmen nach Angaben der Koordinatorin, Hedwig von Beverfoerde (Berlin), rund 2.400 besorgte Bürger teil. Die Polizei sprach von 1.500 Personen. Etwa 200 Linksextreme versuchten, diese Veranstaltung zu stören und Teilnehmer zu provozieren. Sie riefen Parolen wie „Nazis raus“ und „Hoch die Internationale“.

Die Polizei, die mehrere hundert Beamte eingesetzt hatte, beschlagnahmte Vermummungsmaterial, Pfefferspray und ein Taschenmesser. Drei Personen wurden angezeigt, unter anderem wegen Beamtenbeleidigung. An der gleichzeitigen Veranstaltung eines Bündnis „Stuttgart ist und bleibt bunt – Gegen Rassismus, Sexismus und Homophobie“ beteiligten sich laut Polizeibericht etwa 500 Personen.

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Die weltweite Kopftuch-Frage

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Auch außerhalb Deutschlands wird darüber diskutiert, ob religiöse Symbole in staatlichen Einrichtungen gezeigt werden dürfen. Das Stück Stoff, das die Haare bedeckt, die Kippa auf dem Haupt oder das Kreuz an der Halskette.


DIE WELT

Durch seine besonders klare Trennung von Religion und Staat sticht Frankreich heraus. In dem laizistischen Land hat der islamistische Anschlag auf die Redaktion des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ der Debatte um religiöse Symbole neue Brisanz verliehen. Die Angst vor einer Islamisierung ist in der Bevölkerung groß. Paris hat, basierend auf dem Gesetz zur Trennung von Kirche und Staat von 1905, vor mehr als zehn Jahren das Kopftuchverbot für Lehrerinnen auf Schülerinnen ausgeweitet. Für Dozenten an französischen Universitäten sind auffällige Kreuze, Kippa oder Kopftuch ebenfalls tabu. Aktuell wird über eine weitere Verschärfung der Trennung von Staat und Kirche debattiert. Zur Diskussion steht ein Vorschlag der Staatssekretärin für Frauenrechte, die religiöse Symbole ganz aus den Universitäten verbannen will – auch für Studenten würde das Verbot dann gelten. 78 Prozent unterstützen laut einer Umfrage diesen Vorstoß.

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Boko Haram droht eine vernichtende Niederlage

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Vor Kurzem beherrschte Boko Haram in Nigeria ein Gebiet der Fläche Belgiens. Nun schlagen vor allem Truppen der Nachbarländer die Islamisten zurück. Die Terrormiliz beging einen entscheidenden Fehler.


Von Christian Putsch|DIE WELT

Graffiti mit dem schwarz-weißen Boko-Haram-Logo sind alles, was von der Terrororganisation in Damasak übrig geblieben ist. Die Stadt im Nordosten Nigerias gehört zu den Orten, die von Streitkräften aus dem Tschad und Niger befreit werden konnten. Auf Bildern der Nachrichtenagentur Reuters sind Spuren der Verwüstung zu sehen: Nach fünf Monaten unter der Kontrolle der Islamisten sind die meisten Bewohner tot – oder geflüchtet.

Für Nigerias Regierung ist Damasak wenige Tage vor der Präsidenten- und Parlamentswahl am 28. März zum Prestigebegriff geworden; die Rückeroberung eines der wichtigsten Planungszentren Boko Harams gilt als offenkundiger Beleg für den sich vermeintlich anbahnenden Sieg gegen die Terrororganisation. Präsident Goodluck Jonathan verkündete in einem BBC-Interview: „Ich bin voller Hoffnung, dass es nicht länger als einen Monat dauern wird, das Territorium zurückzuerobern.“ Boko Haram werde jeden Tag schwächer.

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Klima: Schwindsüchtiges Meereis

Abweichung der Durchschnittsemperatur für Dezember bis Februar von den langjährigen entsprechenden lokalen Mittelwerten.
Das Eis auf dem Arktischen Ozean und den benachbarten Meeren scheint in diesem Winter sein Maximum bereits am 28. Februar erreicht zu haben, berichtet das US-amerikanische National Snow and Ice Data Center. Das wäre nicht nur außerordentlich früh – normaler Weise wird der Höhepunkt irgendwann Mitte März oder in dessen zweiter Hälfte erreicht. Die Ausdehnung des Meereises ist auch so niedrig wie nie zuvor zu dieser Jahreszeit seit Beginn der regelmäßigen Satellitenmessungen Ende der 1970er Jahre.


Von Wolfgang Pomrehn|TELEPOLIS

Zur Zeit ist die Eisfläche fast 1,2 Millionen Quadratkilometer kleiner als der Mittelwert der Jahre 1979 bis 2008 für diese Zeit. Besonders in den Randmeeren gibt es viel zu wenig Eis. In der östlichen Ostsee zum Beispiel, wo sich das Eis in den letzten Jahren oft rar gemacht hat. Bei der NASA gibt es hier anschauliche Grafiken, die zeigen, wie wenig Eis zum Beispiel südlich der Beringstraße oder im Ochotskischen Meer zwischen Kamtschatka und Sibirien auf dem Wasser schwimmt. Damit startet das Meereis heuer vermutlich von einem sehr niedrigen Niveau in die jährliche Schmelzsaison, aber derzeit könnte ein größerer Kälteeinbruch in den entsprechenden Regionen das Eis noch einmal wachsen lassen.

Das Meereis in den Polarregionen unterliegt regelmäßigen Schwankungen. Auf den offenen Ozeanen der Südhalbkugel verschwindet es im dortigen Sommer meist nahezu vollständig, auf dem arktischen Ozean im hohen Norden überstehen hingegen bisher einige Millionen Quadratkilometer die rund um die Sommersonnenwende für einige Monate nicht untergehende Sonne. In den letzten Jahrzehnten – besonders ab Beginn des Jahrtausends – hat das mehrjährige Eis jedoch erheblich abgenommen und der Trend zeigt eindeutig weiter nach untern.

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Sexuelle Gewalt bei Kriegsende 1945: „Viele Frauen schwiegen aus Scham oder Angst“

Amerikanische GIs und deutsche Frauen. (Foto: Getty Images)
Auch westalliierte Soldaten vergewaltigten nach Kriegsende 1945 deutsche Frauen. Historikerin Miriam Gebhardt schildert, warum die Verbrechen lange ein Tabu waren – und wie drakonisch Täter bestraft wurden.


Interview von Oliver Das Gupta|Süddeutsche.de

Miriam Gebhardt, Jahrgang 1962, ist Journalistin und Historikerin. Sie lehrt als außerplanmäßige Professorin an der Universität Konstanz. Anfang März erschien ihr Buch „Als die Soldaten kamen. Die Vergewaltigung deutscher Frauen am Ende des Zweiten Weltkrieges“ (DVA, München 2015). Im Interview erläutert Gebhardt, wie sie die Übergriffe alliierter Soldaten mit historischen Aufzeichnungen dokumentiert hat.

SZ.de: Am Ende des Zweiten Weltkrieges kam es zu zahlreichen Vergewaltigungen durch alliierte Soldaten. Wie viele deutsche Frauen erlitten damals sexuelle Gewalt?

Miriam Gebhardt: Bislang hieß es, dass bei zwischen einer und zwei Millionen Frauen und Mädchen von Rotarmisten vergewaltigt worden sind. Meines Erachtens waren es weniger Fälle. Ich gehe von etwa 860.000 betroffenen Frauen und Mädchen aus. Das ist eine Gesamtzahl, also inklusive der Opfer westalliierter Soldaten. 190 000 Vergewaltigungen könnten von US-Soldaten verübt worden sein.

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Springflut am Mont-Saint-Michel: Tausende bestaunen Jahrhundert-Naturschauspiel

Der Klosterberg Mont-Saint-Michel© Damien Meyer/AFP
Am Mont-Saint-Michel in Frankreich beobachten Tausende Touristen die sogenannte Jahrhundert-Flut. Der Klosterberg ist vom Wasser umringt. Grund des Spektakels ist eine besondere Gestirn-Konstellation.


Von Hanns-Jochen Kaffsack|stern.de

Die Bahnen und Kräfte von Sonne und Mond sorgen derzeit für ein Naturereignis nach dem anderen: Am Tag nach der von Millionen Menschen bewunderten Sonnenfinsternis strömten die Massen in Nordfrankreich zu dem weltweit bekannten Klosterberg Mont-Saint-Michel, um das Schauspiel einer „Jahrhundert-Tide“ zu bestaunen. Sie kamen bereits am frühen Samstagmorgen auf ihre Kosten: Die Flut schnitt den hoch aus dem Meerwasser ragenden Felsen ganz vom Festland ab, zeigten TV-Bilder. Stehen Sonne, Mond und Erde in einer Linie, verstärken sich die Gezeiten.

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