Reportage: Warum die Koexistenz in Jerusalem fragiler denn je ist


The Temple Mount in Jerusalem (photo credit: Miriam Alster/Flash90)
The Temple Mount in Jerusalem (photo credit: Miriam Alster/Flash90)
Jerusalem, Israels „ewig geeinte Hauptstadt“, ist heute geteilter denn je: zwischen Israelis und Palästinensern, zwischen Christen, Juden und Moslems, zwischen religiösen und säkularen Juden. profil besuchte Bewohner, die unter diesem Zustand leiden und ihn endlich ändern wollen.


Von Tessa Szyszkowitz|profil.at

Von König David, Jesus und Mohammed zu Jassir Arafat und Benjamin Netanjahu wandeln seit drei Jahrtausenden nahöstliche Superstars und ihre Gefolgsleute durch die engen Gassen der Stadt, die allen als heilig gilt, wenn auch aus verschiedenen Gründen. Ihr Name, auf Hebräisch „Jeruschalaim“, trägt das Wort für Frieden – „Schalom“ – in sich. Doch die fromme Hoffnung will sich nicht erfüllen. Seit jeher bestimmt Gewalt das Geschehen in der Stadt mit der weltweit höchsten Dichte an religiösen Stätten.

Der Hass ist immer politisch oder religiös motiviert, meistens beides. Im vergangenen Juli etwa wurde der 16-jährige Mohammed Abu Khdeir vor seinem Haus in Schuafat in Ostjerusalem von israelischen Rechtsextremisten entführt und bei lebendigem Leib verbrannt. Ende November drangen drei palästinensische Terroristen in eine Synagoge im Westjerusalemer Bezirk Har Nof ein und erschossen vier betende Juden. Auch in ruhigen Wochen kommt es immer wieder zu Messerstechereien in Westjerusalem oder in der Altstadt. Unlängst hat der israelische Bürgermeister der Stadt, Nir Barkat, eigenhändig einen palästinensischen Attentäter vor der Altstadtmauer niedergerungen. Der Mann stand messerschwingend mitten auf der Kreuzung vor dem Bürgermeisterbüro. Die ohnehin fragile Koexistenz in der Stadt, die auf Arabisch „al-Kuds“ (die Heilige), heißt, ist zusammengebrochen.

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