Israel: „Weint nicht, wenn eure Kinder demnächst sterben“


Screengrab Times of Israel
Screengrab Times of Israel
Benjamin Netanjahus deutlicher Wahlsieg hat nicht nur Medien wie Meinungsforscher überrumpelt, er hat auch das Volk gespalten. Der Wahlkampf geht einfach weiter – mit Hetzkampagnen und Beleidigungen.


Von Gil Yaron|DIE WELT

Auch knapp eine Woche nach den Wahlen haben viele in Israel sich noch immer nicht von Benjamin Netanjahus überraschendem Wahlsieg erholt. Bis zur letzten Minute waren Meinungsforscher, Journalisten und viele Politiker des gesamten politischen Spektrums sich sicher, dass dem Land ein Regierungswechsel bevorsteht. Wählerbefragungen sprachen am Wahlabend noch von einem Kopf an Kopf rennen. Das echte Wahlergebnis strafte sie alle Lügen: Netanjahu hatte haushoch gewonnen.

Doch viele Israelis sprechen nicht mehr von einem politischen, sondern einem gesellschaftlichen Kampf: dem jahrzehntealtem Ringen zwischen Aschkenasim, also Juden, deren Vorfahren aus Europa oder Nordamerika stammen, und Misrahim, deren Vorfahren aus arabischen Staaten nach Israel einwanderten. Während Aschkenasim als die alte Elite gelten, die wirtschaftlich gut situiert ist, in den Chefetagen großer Konzerne, der akademischen Welt und den Medien das Sagen hat und links wählt, gelten die Misrahim als Underdogs, die mit ihrer Stimme für rechte Parteien für ihre Gleichberechtigung kämpfen.

weiterlesen