Utah: Von der „sauberen“ Giftspritze zurück zum blutigen Erschießungskommando


Im Bundesstaat kann wieder die Todesstrafe durch Erschießen vollzogen werden, sie gilt als weniger grausam als die Giftspritze und andere Hinrichtungsarten
Die Supermacht, die weiterhin darauf besteht, dass die Todesstrafe als Abschreckung praktiziert wird, hat bekanntlich Schwierigkeiten, die Todeskandidaten auf „humane“ Weise ums Leben zu bringen. Seit den 1980er Jahren ist die Todesgiftspritze die häufigste Hinrichtungsart in den 32 Bundesstaaten, in denen die Todesstrafe nach der Abschaffung wieder eingeführt wurde. Aber nachdem die EU 2011 Sondergenehmigungen für den Export entsprechender chemischer Substanzen verlangt, um zu verhindern, dass sie zur Todesstrafe verwendet werden, die in der EU gegen die Menschenrechte verstößt, kamen die Gefängnisse in den USA in Schwierigkeiten, den Giftmix zu erhalten.


Von Florian Rötzer|TELEPOLIS

Das Barbiturat Thiopental wurde bis 2010 in den USA bei der Hinrichtung in einer Dreierkombination als Anästhetikum eingesetzt, getötet wurde hingegen mit Kaliumchlorid. Die US-Firma, die Thiopental herstellte, lieferte aufgrund des internationalen Drucks nicht mehr. Stattdessen wurde Pentobarbital verwendet. Seit 2010 haben mehrere Bundesstaaten, weil die Todesmittel knapp wurden, auf die Injektion nur eines Mittels umgestellt, meist Pentobarbital, das mittlerweile in 14 Bundesstaaten alleine oder in Kombination eingesetzt wird, aber auch Midazolam. Da die dänische Firma Lundbeck aufgrund der EU-Exportbeschränkungen Thiopental nicht mehr in die USA verkaufte, kam es zu Engpässen und wurde der Giftmix teilweise aus Apotheken bezogen, ohne dass er getestet worden war und ohne dass die chemischen Substanzen bekannt waren.

Im Januar 2014 ist der verurteilte Mörder Dennis McGuire einen qualvollen Tod gestorben, 15 oder 25 Minuten lang soll es gedauert haben. Ausprobiert wurde an ihm eine neue, nicht getestete Giftmischung aus Midazolam und Hydromorphon. Im Februar starb Clayton Lockett erst 40 Minuten nach Verabreichung der Injektion. Seitdem wurden einige Exekutionen verschoben, bis geeignete Mittel gefunden werden. Die Bundestaaten beschlossen unterschiedliche Mischungen und Mengen, Tennessee und sechs weitere Bundesstaaten führten 2014 den elektrischen Stuhl als Alternative ein, falls der Todeskandidat lieber elektrisch als chemisch umkommen will. Im Juli 2014 wurde in Arizona dem Todeskandidaten Joseph Wood erneut Midazolam und Hydromorphon verabreicht, der erneut einen qualvollen Tod starb. Dieses Mal dauerte es an die zwei Stunden.

weiterlesen