„Grüner“ Straßenbelag soll Asphalt umweltfreundlicher machen

Bild: 4ever.eu
Bild: 4ever.eu
Ein Abfallprodukt der Papierherstellung könnte den Straßenasphalt umweltfreundlicher machen: Der Holzbestandteil soll den Einsatz von Bitumen reduzieren.


Von Jan Dönges|Spektrum.de

Jedes Jahr fallen weltweit rund 50 Millionen Tonnen Lignin an. Der Stoff wird bei der Papierproduktion aus dem Holz abgetrennt und dann meist zur Energiegewinnung verbrannt. Niederländische Forscher um Ted Slaghek von der Niederländischen Organisation für Angewandte Naturwissenschaftliche Forschung (TNO) experimentieren nun mit einer alternativen Verwendung für das Lignin: Sie schlagen vor, es dem Bitumen beizumischen, einem der Hauptbestandteile von Asphalt.

weiterlesen

Gedankenexperiment: Wie lange dauert ein Fall quer durch die Erde?

Antartika, Bild: apod.nasa.gov
Antartika, Bild: apod.nasa.gov
Wenn es einen Tunnel gäbe quer durch die Erde – wie lange würde der Fall bis zur anderen Seite dauern? 42 Minuten, lautet die gängige Antwort. Doch ein Physiker aus Kanada hat nachgerechnet und kommt auf eine kürzere Flugzeit.


SpON

Das Problem ist eine beliebte Testaufgabe für angehende Physiker: Ein Tunnel durchzieht die Erde – er reicht von einem Punkt der Oberfläche zum Erdmittelpunkt und endet genau auf der gegenüberliegenden Seite. Wie lange ist ein Apfel unterwegs, den man in diesen in den Tunnel fallen lässt? Der Luftwiderstand darf dabei vernachlässigt werden.

Wer Newtons Gravitationsgesetz und auch noch etwas Integralrechnung beherrscht, kommt relativ schnell auf das Ergebnis von 42 Minuten. Die Berechnung ist etwas komplizierter, weil sich die auf den Apfel wirkende Anziehungskraft der Erde während des Flugs ständig verändert.

weiterlesen

Eine Alternative zum konventionellen Stromnetz?

Das Stromnetz in Deutschland soll für die zukünftigen Anforderungen ausgerüstet werden. © Pixabay.com/Nikiko
Damit die zuverlässige Stromversorgung in Deutschland auch in Zukunft gewährleistet werden kann, ist ein Ausbau des Stromnetzes notwendig. Nur so gelangt der Strom, der zukünftig immer mehr aus erneuerbaren Energien gewonnen wird, selbst von den entlegensten Offshore-Windparks und Photovoltaik-Dächern zeitnah zu den Verbrauchern. Langfristig könnte sich allerdings auch noch die Möglichkeit der kabellosen Stromversorgung ergeben. Bisherige Forschungen dazu sind bereits sehr erfolgreich.


scinexx

In den vergangenen Jahren ist der Strom durch den für die Energiewende notwendigen Ausbau des deutschen Stromnetzes immer teurer geworden. Im Rahmen des geplanten Netzausbaus sollen bis 2023 gemäß dem Netzentwicklungsplan 2.650 Kilometer neue Stromtrassen verlegt und 2.800 Kilometer Trassen verbessert werden. Diese Maßnahmen für die zukünftige Stromversorgung kosten insgesamt 21 Milliarden Euro. Die EEG-Umlage trägt bis jetzt maßgeblich zu diesen erhöhten Strompreisen bei. So kostete die EEG-Umlage Anfang 2014 noch 6,240 Cent pro Kilowattstunde. 2015 soll sie erstmals nach langer Zeit immerhin um 0,07 Cent auf 6,17 Cent pro Kilowattstunde sinken.

weiterlesen

Land Nordrhein-Westfalen unterstützt Katholiken- und Kirchentag

Bild: tilly
Bild: tilly
Nordrhein-Westfalen bezuschusst den Katholikentag 2018 in Münster und den Evangelischen Kirchentag 2019 in Dortmund. Das Land unterstützt den Katholikentag mit bis zu 1,6 Millionen Euro und den Kirchentag mit bis zu 3,5 Millionen Euro, wie die Staatskanzlei am Freitag nach Abfrage der Kabinettsmitglieder mitteilte. Es würden jeweils 18 Prozent der von Veranstaltern veranschlagten Gesamtkosten übernommen.


kathweb

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) erklärte, dass Katholiken- und Kirchentage mit ihren sozialen, kulturellen und ethischen Fragestellungen auch für die Gesellschaft als Ganzes von Bedeutung seien. „Deshalb möchte die Landesregierung beide Veranstaltungen unterstützen“, so die Regierungschefin. Sie sei erfreut, dass es im Land wieder einen Katholiken- und einen Kirchentag gebe. Zuletzt fanden in NRW 1986 ein Katholikentag in Aachen und 2007 ein Kirchentag in Köln statt.

Der Stadtrat von Münster hatte am Mittwochabend einen finanziellen Beitrag der Kommune zum Katholikentag 2018 abgelehnt. Eine Vorlage von Oberbürgermeister Markus Lewe (CDU), die einen Zuschuss von 1,2 Millionen Euro vorsah, fand keine Mehrheit. Mit den Stimmen von SPD, Grünen und Linkspartei wurde beschlossen, den Katholikentag nur durch Sachleistungen zu unterstützen.

weiterlesen

Genetik: Der Genschatz der Isländer

Island. Bild: ©Alex Akesson.
Island. Bild: ©Alex Akesson.
Island ist eine wahre Fundgrube für Genetiker: Eine homogene Gruppe, lange von der Außenwelt abgeschottet. Die Entschlüsselung des isländischen Genoms soll helfen, Risiken früh zu erkennen und neue Heilmethoden zu finden.


Moderator Dominik Schottner|DRadio Wissen

Die Isländer sind ein überschaubares Volk. Auf einer Fläche so groß wie Bayern, leben rund 300.000 Menschen. Nicht mehr als in Bielefeld, Augsburg oder Chemnitz. Rund sechs Jahrhunderte lang blieben die Isländer unter sich. Das führte dazu, dass die Menschen nah miteinander verwandt sind und der Genpool recht homogen ist.

„Es gab ein riesiges Experiment von Inzucht auf der Insel. Das hatte keine schlimmen Folgen, aber vergleichsweise sind die Isländer viel enger miteinander verwandt als hier in Deutschland.“

Michael Lange, Wissenschaftsjournalist

weiterlesen

Martin Heidegger: Deutsche Angst vor dem Geist der Schwarzen Hefte

Lieber nicht zu nahe rangehen an das philosophische Untier! Martin Heidegger bei einer Diskussion in Tübingen 1961 Foto: picture alliance / IMAGNO/Franz
Mit jedem nachgelassenen Tagebuch wird der Philosoph Martin Heidegger ein bisschen nationalsozialistischer. Nun soll sein Lehrstuhl abgeschafft werden. Ein Unsinn, gegen den Tausende protestieren.


Von Hannah Lühmann|DIE WELT

Manchmal ist es, als wäre Heidegger gar nicht gestorben, sondern heimlich hier geblieben, um den Leuten auf die Nerven zu gehen. Wahrscheinlich spukt sein grundsätzlich eher missgelaunter Geist in irgendeinem Existenzwinkel der Welt herum und freut sich bei jeder neuen Debatte heimlich darüber, dass ihm so viel Aufmerksamkeit zuteil wird. Er freut sich, wenn die Leute seine nachgelassenen Tagebücher, die sogenannten „Schwarzen Hefte“, auf Antisemitismus abklopfen, und er freut sich, wenn sie herauszufinden versuchen, ob seine Philosophie nun in ihrem Wesen nationalsozialistisch ist oder nicht.

Er freut sich, denn er steht immer noch im Mittelpunkt, und außerdem versteht sowieso niemand, was er verstanden hat, nämlich alles.

weiterlesen

Tote Bischöfe sind gute Bischöfe

Gerhard L. Müller links im Bild
Gerhard L. Müller links im Bild
Präfekt der Glaubenskongregation mahnt: «Wir müssen Bekennende im Glauben sein, gerade in Europa.» – «Das, was Gottes Recht ist, darf die Kirche nicht anrühren.»


kath.net

Bischöfe müssen nach den Worten von Kurienkardinal Gerhard Müller Märtyrer sein. Dabei sollten sie den Glauben nicht nur mit Worten, sondern nötigenfalls mit dem Leben bezeugen, «wie uns das Beispiel so vieler Christen, Priester und Bischöfe in verschiedenen Teilen der Welt zeigt», sagte der Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation dem französischen Magazin «Famille Chretienne» (Samstag). «Wir müssen Bekennende im Glauben sein, gerade in Europa.»

weiterlesen

Kirche: Grundlagenpapier zur Passion Christi

Die EKD legt mit „Für uns gestorben“ einen Grundlagentext zur Bedeutung von Leiden und Sterben Jesu Christi vor Foto: Pics money|Fotolia
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat am Donnerstag einen Grundlagentext zur Bedeutung von Leiden und Sterben Jesu Christi vorgelegt. Er ist nicht allein an Christen adressiert. Die Kirche beantwortet darin wichtige Fragen zum Sinn von Jesu Tod.


pro Medienmagazin

Der gefolterte Jesus hängt am Kreuz von Golgatha. Durch seinen Tod am Kreuz sind die Sünden der Menschen vergeben. Diese Bild kennzeichnet die Basis des christlichen Glaubens. Die Kammer für Theologie der EKD hat einen Grundlagentext zur Bedeutung von Leiden und Sterben Jesu Christi erarbeitet. Sie hat sich mit Fragen auseinander gesetzt wie: „Was heißt es, dass Gott uns liebt?“ oder „Was heißt es, dass er sich in Jesus Christus für uns ans Kreuz schlagen ließ?“

Der Text „Für uns gestorben. Die Bedeutung von Leiden und Sterben Jesu Christi“ soll Zugänge zu diesem Glauben eröffnen. Er sei eine Orientierungshilfe und ganz bewusst für breitere Kreise geschrieben worden, teilt die EKD mit. Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm schreibt im Geleitwort: „Dieses Buch ist nicht nur an Christinnen und Christen in der Evangelischen Kirche adressiert, sondern ist ein Gesprächsangebot an alle, die nach Bedeutung und Sinngehalt des christlichen Glaubens fragen, auch dann, wenn sie diesen nicht teilen oder ihm sogar ablehnend gegenüberstehen.“ Ein theologisches Memorandum für Experten möchte die Schrift nicht sein.

weiterlesen

Hindu-Fest in Bangladesch: Mindestens zehn Tote bei Massenpanik

Astami Snan, Themenbild.
Hunderttausende versammelten sich in Bangladesch, um das Hindu-Fest Astami Snan zu feiern. Doch dann brach Panik unter den Pilgern aus. Zehn Menschen starben, mindestens 50 wurden verletzt.


SpON

Bei einem Hindu-Fest in Bangladesch sind am Freitag mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen. Laut Polizei kam es bei Rajghat, einer rituellen Badestelle im Fluss Brahmaputra etwa 25 Kilometer südlich von Dhaka, zu dem Unglück. Augenzeugen zufolge wurden mindestens 50 weitere Menschen verletzt.

Anlässlich der Astami-Snan-Feiern hatten sich Hunderttausende Hindu-Pilger versammelt. Offenbar brach am Ufer schließlich wegen Überfüllung Panik aus. Die genaue Ursache für das Unglück werde untersucht, sagte ein Polizeisprecher.

Jährlich reisen zu den Feiern rund eine Million Pilger an den Brahmaputra; in diesem Jahr dürften es nach Behördenangaben jedoch noch mehr sein, weil die Feiern in die Ferien zum Nationalfeiertag des asiatischen Landes fallen.

Freiwillig Kopftuch – Eine Leipzigerin tritt zum Islam über

Themenbild
Themenbild
So wie sich andere schminken, bindet sich Steffi Mahdi das Kopftuch. Früher trug sie ihr langes Haar offen, heute verlässt sie nie ohne Kopf-Bedeckung das Haus. Doch die Vorbehalte sind groß, die Konsequenzen auch.


MDR Kultur

Sie ist blond, Sportlehrerin und Muslima. Für Steffi Mahdi kein Widerspruch. Die Haare verhüllt sie inzwischen unter einem Kopftuch.  Als Deutsche zum Islam zu konvertieren, war für sie normal. Für ihr Umfeld dagegen überhaupt nicht.

Die Eltern finden es schwierig, der Kontakt ist schlecht. Feiertage wie Weihnachten und Geburtstage werden zur Zerreißprobe, denn für Steffi Mahdi sind sie kein Thema mehr. Ihre Arbeit als Sporttherapeutin hat sie verloren …

Heiße Debatte nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes

Seit dem 13. März ist das Tragen eines muslimischen Kopftuches wieder ein großes Thema: An diesem Tag entschied das Bundesverfassungsgericht, dass es gegen die Religionsfreiheit verstößt, wenn der Staat muslimischen Lehrerinnen pauschal verbietet, das Tuch während der Arbeit zu tragen. Es sei denn, der Schulfrieden oder die staatliche Neutralität sei dadurch nachweislich beeinträchtigt. Die Karlsruher Richter korrigierten damit eine Entscheidung aus dem Jahr 2003, nach der ein Kopftuch-Verbot prinzipiell zulässig war, wenn in den Ländern entsprechende Gesetze existierten. Viele ergänzten ihre Schulgesetze daraufhin um ein Kopftuchverbot. Auf die Novelle können sich nun muslimische Lehrerinnen landesweit berufen.

weiterlesen

Sekten-Info NRW: «Geistheiler werden immer dreister und gefährlicher»

Bild: svz.de
Bild: svz.de
Sekten-Info NRW bietet Hilfe für Betroffene und Angehörige an, die im Konflikt mit Glaubensgemeinschaften stehen. Falsche Geistheiler beispielsweise hielten Patienten von wichtigen Arztbesuchen ab, warnen die Experten.


Westfälische Nachrichten

Nach den Erfahrungen von Sektenexperten sind in den vergangenen Jahren immer mehr Menschen Opfer falscher Versprechungen von Geistheilern geworden. Mit dem Erfolg der Esoterikwelle seien auch die Methoden der Wunderheiler dreister geworden, sagte die Leiterin von Sekten-Info NRW in Essen, Sabine Riede. Die Beratungsstelle stellt heute ihren Jahresbericht 2014 mit aktuellen Fällen vor.

Nach den Worten von Riede behaupten beispielsweise Esoterik-Heiler ohne medizinische Ausbildung, bei Krankheiten helfen zu können und halten so Patienten von einem wichtigen Arztbesuch ab. Die Zeugen Jehovas und Scientology seien immer noch gefährlich, warnte die Expertin. Die Anzahl an Beratungsfällen habe sich zwar nicht groß verändert, es gebe es aber inzwischen mehr Menschen, die aus solchen Gruppierungen ausstiegen.

Studie: Das Vertrauen in Geistliche nimmt ab

jesus_schaukelSeelsorger liegen jetzt unter 24 Berufsgruppen auf dem 15. Rang, direkt vor Journalisten (26 Prozent)


kath.net

Geistliche haben in Deutschland deutlich an Vertrauen verloren. Das geht aus Studien des Verlages Reader´s Digest (Stuttgart) hervor. Laut der Untersuchung „Trusted Brands 2015“ vertrauen 39 Prozent der Bürger Pfarrern. Vor fünf Jahren war es noch die Hälfte der Befragten (51 Prozent). Damit liegen die Seelsorger jetzt unter 24 Berufsgruppen auf dem 15. Rang – direkt vor Journalisten (26 Prozent) und hinter Offizieren (42 Prozent). Die Daten für die Studie wurden in sieben Ländern erhoben. Mehr Vertrauen als in Deutschland genießen Geistliche demnach in Finnland (69 Prozent), Russland (56 Prozent), der Schweiz (47 Prozent), Österreich und Rumänien (jeweils 46 Prozent) sowie Portugal (44 Prozent). Am vertrauenswürdigsten sind für Bundesbürger Feuerwehrleute (92 Prozent), Krankenschwestern (88 Prozent), Apotheker und Piloten (jeweils 82 Prozent) sowie Ärzte (81 Prozent). Am schlechtesten schneiden ab: Finanzberater (15 Prozent), Politiker (12 Prozent), Autoverkäufer (10 Prozent), Immobilienmakler (6 Prozent) und Mitarbeiter in Telefonberatungs- und Verkaufszentren (5 Prozent). Die Studie „European Trusted Brands“ wird seit 2001 durchgeführt. Dabei geht es auch um die Vertrauenswürdigkeit von Firmenmarken. In Deutschland lag die Zahl der Befragten für die aktuelle Untersuchung bei 6.232.

Über die Schwierigkeit, Ethik naturwissenschaftlich zu begründen

Gemälde «Moses und die Zehn Gebote» von Philippe de Champaigne (1648). Foto: Wikimedia
In diesem Blog wurde die Religion als Basis für eine Ethik schon oft kritisiert. Dabei haben diese Kritiken unterschiedliche Stossrichtungen: dass Religion zwar eine Ethik biete, diese aber selber ethisch fragwürdig sei; dass sich religiöse Personen nicht an die eigene Ethik hielten; oder dass, weil Religion erkenntnismässig unhaltbar sei, auch jede darauf basierende Ethik zwangsläufig unhaltbar sein müsse.


Von Marcel Mertz|Hugo Stamm-Blog

Diese dritte Kritik soll im Folgenden der Ausgangspunkt dieser Abhandlung darstellen. Als Alternative zu einer religiösen Ethik wird im Blog oft ein Naturalismus angeboten: die Auffassung, dass es nur natürliche, keine übernatürlichen Dinge gibt (sog. ontologische Annahme), dass vor allem die Naturwissenschaften, wenigstens die empirischen Wissenschaften, diejenigen Instanzen sind, die bestimmen können, was es wie gibt (sog. erkenntnistheoretische Annahme) und dass es einen gangbaren Weg von empirischer Erkenntnis zu normativer Begründung gibt – also der Begründung von dem, was wir tun sollen, woran wir uns halten oder orientieren sollen usw. (sog. methodologische Annahme).

weiterlesen

Kopftuchurteil: Nur die Neutralität schafft Freiheit

Themenbild
Themenbild
Sollen Lehrer als Bannerträger für Weltanschauungen und Religionen herhalten? Dann lebten wir wirklich in einem Obrigkeitsstaat. Davon aber gibt es anderswo schon genug.


Von Reinhard Müller|Frankfurter Allgemeine

Die Kopftuch-Erlaubnis des Bundesverfassungsgerichts dient weder der Integration noch der offenen Gesellschaft. Vor allem aber missachtet sie den Gesetzgeber und die Schule. Sie hilft noch nicht einmal muslimischen Lehrerinnen, die aus religiösen Gründen ein Kopftuch tragen. Denn Karlsruhe redet ihnen eine Rolle ein, die kein Lehrer in der Schule hat – Lehrer sind Staatsdiener.

Schon Angestellte in Privatunternehmen müssen sich einiges gefallen lassen: In manchen Firmen herrscht Duz-Zwang, in anderen muss man dunkle Anzüge tragen. In besonders kreativen Branchen herrscht Krawattenverbot, ist ein Bart Pflicht. Auch der Staat als Arbeitgeber macht Vorschriften: Polizisten dürfen nicht sichtbar tätowiert sein und nicht zu viel Metall im Gesicht herumtragen. Da geht es auch um Sicherheit, vor allem aber darum, dass jeder Beamte und auch jeder Angestellte im öffentlichen Dienst den Staat verkörpert. So tritt er dem Bürger gegenüber. Das gilt auch für Lehrer.

weiterlesen

Nach „Beckmann“-Sendung: Online-Petition will „Astro TV“ verbieten

Gegen Astro TV liegt eine Online-Petition vor. Foto: Screenshot
Am Montag ging es in der Reportage-Reihe „Beckmann“ um Abzocke bei vermeintlichen Heilsbringern und Wahrsagern, wie sie etwa beim TV-Sender „Astro TV“ zu sehen sind. Jetzt laufen viele Menschen Sturm gegen den Sender und möchten sogar, dass er aufgelöst wird.


Berliner Kurier

Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg hat bis Donnerstagabend rund 100 Beschwerden über den Sender bekommen. „Die Beschwerden zielen auf eine Überprüfung der Sendelizenz und auf einen möglichen Lizenzentzug für AstroTV ab“, sagt eine Sprecherin der Medienanstalt.

Falschaussagen für den Umsatz

In der Sendung kam unter anderem eine ehemalige AstroTV-“Lebensberaterin” zu Wort, die die verantwortliche Produktionsfirma Adviqo AG kritisiert. Sie habe während ihrer Zeit bei dem Sender den Druck verspürt, immer mehr Umsatz zu generieren, weshalb sie Anrufern Dinge gesagt hätte, nur damit weiterhin bei ihr anrufen würden.

weiterlesen

„Boko Haram zeigt Scheitern des postkolonialen Staats“

boko_haram

Islamwissenschafter Lohlker ortet ein massives Versäumnis der nigerianischen Regierung im Kampf gegen die Islamisten


Interview Judith Moser|derStandard.at

Der Feldzug der IS-Terrormiliz im Irak und in Syrien steht medial im Mittelpunkt. Islamistische Strömungen in Afrika sind hingegen meist nur Randthema. derStandard.at sprach anlässlich der Wahlen in Nigeria mit dem Islamwissenschafter Rüdiger Lohlker über die Ursprünge und Rolle der radikalislamischen Organisation Boko Haram.

derStandard.at: Boko Haram erlangte in Europa spätestens mit der Massenentführung von rund 300 Schülerinnen in Chibok im April 2014 traurige Bekanntheit. Zuletzt sollen diese Woche wieder rund 500 Frauen und Mädchen entführt worden sein. Die Gruppierung existiert jedoch schon bedeutend länger. Welche Faktoren haben zur Entstehung Boko Harams beigetragen?

Lohlker: Letztendlich geht Boko Haram auf die Kolonialzeit zurück, die die Bedingungen für die Attraktivität einer solchen Gruppierung geschaffen hat. Die Briten haben gewisse Regionen wie Nordkamerun oder den Nordosten von Nigeria vernachlässigt. In diesen Regionen gibt es nach wie vor großen Nachholbedarf in der Entwicklung, was in Perspektivlosigkeit resultiert. Natürlich kann man sagen, dass bereits in den 1960er-Jahren Radikalisierungstendenzen unter nigerianischen Muslimen festzustellen waren. Ich bin jedoch etwas bescheidener und sage, dass diese Tendenzen in Nigeria erst in den 1980ern durch transnationale Entwicklungen und das Scheitern der nationalen nigerianischen Politik verstärkt worden sind. Ohne massive Fehler der nigerianischen Regierung wäre Boko Haram vielleicht eine Sekte geblieben und nicht zu dem geworden, was es heute ist. Boko Haram ist für mich Ausdruck des Scheiterns des postkolonialen Staates.

weiterlesen

Kindesmissbrauch: Setzt sich Gewalt in der Familie fort

Bild: WAZ
Bild: WAZ
Werden geprügelte Kinder später selbst oft zu prügelnden Eltern und misshandeln den eigenen Nachwuchs? Jein, sagen nun Forscher, die Betroffene 30 Jahre lang begleitet haben.


Von Daniela Zeibig|Spektrum.de

Dass Kinder, die daheim regelmäßig Opfer von häuslicher Gewalt werden, später zu Eltern heranwachsen, die ihren eigenen Nachwuchs ebenfalls häufiger misshandeln, ist eine weit verbreitete Annahme. Tatsächlich ist bisher aber unklar, wie groß der Einfluss solcher bedrückenden Kindheitserfahrungen tatsächlich ist. Während manche Forschungsarbeiten darauf hinweisen, dass Gewalt von Generation zu Generation weitergegeben wird, fanden andere keinen Effekt. Ein neues Licht auf dieses Thema wirft nun eine Studie, die Wissenschaftler um Cathy Widom von der City University of New York im Fachmagazin „Science“ veröffentlichten. Ihre aufwändige Langzeituntersuchung demonstriert: Die Antwort auf die Frage, ob Opfer später tatsächlich häufiger selbst zu Tätern werden, hängt vermutlich auch entscheidend davon ab, wen man fragt.

weiterlesen

Ukraine: als Kampffeld erwünscht

Der ukrainische Präsident Poroschenko am Mittwoch beim Empfang der ersten Lieferung von Humvees, also noch von so genannten „nichttödlichen“ Waffen. Bild: president.gov.ua
Mit satter Mehrheit von Demokraten wie Republikanern hat das Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten dazu aufgerufen, an die ukrainische Regierung auch „tödliche Waffen“ zu liefern. Die US-amerikanischen Oberkommandierenden der NATO verlangen längst danach; im Terrain der westlichen Nachbarn der Ukraine und Russlands baut das transatlantische Bündnis eine zweite Front auf. Das Minsker Abkommen Nr. 2 wird dabei kaum ernst genommen.


Von Arno Klönne|TELEPOLIS

In der US-amerikanischen politischen Klasse dominiert der Drang, beim „hybriden“ Krieg um die Ukraine die militärische Komponente zu stärken und so auch die geopolitische Konfrontation mit Russland zu verschärfen. Mit einem „großen“ oder gar atomaren militärischen Konflikt zwischen Moskau und Washington wird offenbar nicht kalkuliert, wohl aber mit einer Fortdauer der Gewalt in der Ukraine und weiteren Sanktionen gegen die russische Ökonomie. Dass so Differenzen zwischen der US-amerikanischen Russlandpolitik und der etlicher EU-Staaten, vor allem auch der Bundesrepublik, sich verfestigen, beunruhigt die Supermacht nicht; einen Dämpfer für europäische Eigenwilligkeiten hat sie offenbar einkalkuliert. Weshalb denken US-Politiker so?

weiterlesen

Stadt Münster gibt keinen Zuschuss zum Katholikentag

Bild: tilly
Bild: tilly
Die Gesamtkosten für den Katholikentag belaufen sich nach aktuellen Planungen auf 9,3 Millionen Euro.


kath.net

Die Stadt Münster wird keinen Zuschuss zum dortigen Katholikentag im Jahr 2018 geben. Der Stadtrat lehnte am Mittwochabend eine Vorlage von Oberbürgermeister Markus Lewe (CDU) ab, die einen Zuschuss von 1,2 Millionen Euro vorsieht. Mit den Stimmen von SPD, Grünen und Linkspartei wurde beschlossen, den Katholikentag nur durch Sachleistungen zu unterstützen.

In einer teils sehr kontroversen Debatte betonten die Kritiker einer Bezuschussung, die Kassenlage der Stadt lasse keine Zahlungen für das Laientreffen zu. Es sei nicht einzusehen, dass die Stadt dafür Schulden aufnehme. Dagegen hob Lewe hervor, der beantragte Zuschuss umfasse lediglich ein Promille des Haushaltes.

weiterlesen

Vorsitzende des Ethikrats warnt vor Überregulierung der Sterbehilfe

Bild: Deutscher Ethikrat
Bild: Deutscher Ethikrat
Woopen: In Gewissensentscheidung weder gesetzlich noch standesrechtlich eingreifen


Cicero

Die Entscheidung über ärztlich assistierten Suizid soll nach Ansicht der Vorsitzenden des Ethikrats, Christiane Woopen, dem behandelnden Mediziner überlassen werden. „Nicht nur der Gesetzgeber sollte sich zurückhalten, auch die ärztliche Berufsordnung“, sagte sie dem Magazin Cicero (Aprilausgabe). „Eine Gewissensentscheidung sollte weder per Gesetz reguliert noch standesrechtlich verboten, sondern einfach nur akzeptiert werden.“

weiterlesen