Martin Heidegger: Deutsche Angst vor dem Geist der Schwarzen Hefte


Lieber nicht zu nahe rangehen an das philosophische Untier! Martin Heidegger bei einer Diskussion in Tübingen 1961 Foto: picture alliance / IMAGNO/Franz
Mit jedem nachgelassenen Tagebuch wird der Philosoph Martin Heidegger ein bisschen nationalsozialistischer. Nun soll sein Lehrstuhl abgeschafft werden. Ein Unsinn, gegen den Tausende protestieren.


Von Hannah Lühmann|DIE WELT

Manchmal ist es, als wäre Heidegger gar nicht gestorben, sondern heimlich hier geblieben, um den Leuten auf die Nerven zu gehen. Wahrscheinlich spukt sein grundsätzlich eher missgelaunter Geist in irgendeinem Existenzwinkel der Welt herum und freut sich bei jeder neuen Debatte heimlich darüber, dass ihm so viel Aufmerksamkeit zuteil wird. Er freut sich, wenn die Leute seine nachgelassenen Tagebücher, die sogenannten „Schwarzen Hefte“, auf Antisemitismus abklopfen, und er freut sich, wenn sie herauszufinden versuchen, ob seine Philosophie nun in ihrem Wesen nationalsozialistisch ist oder nicht.

Er freut sich, denn er steht immer noch im Mittelpunkt, und außerdem versteht sowieso niemand, was er verstanden hat, nämlich alles.

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