Geisterflüsterin Lotte Ingrisch: „Mit Esoterik hab ich nichts am Hut“


Bild: (c) Die Presse – Clemens Fabry
Im Krimi der 84-Jährigen geht es um Killer und Geister. Ein Gespräch über Störfelder und Kraftorte, amputierte Gehirnhälften und Quantenphysik.


Von Christine Imlinger|Die Presse

Bevor sich Lotte Ingrisch an den Tisch setzt, beobachtet sie ihren kleinen Finger. An dessen Bewegungen – der Finger sei, sagt sie, wie ein Pendel quasi ein Verstärker, der Wahrnehmungen sichtbar macht – erkennt sie, ob ein Platz gestört ist oder nicht. In ihrer Wohnung in der Hofburg lebt sie zwischen Kraftorten und Störfeldern – das intensivste Störfeld, sagt sie, sei das Fenster, das unter die Michaelerkuppel hinausgeht. Sitzt sie dort, hat sie starke übersinnliche Erfahrungen – beim Fernsehen sei da schon ein „blauer Mann“ durchs Zimmer gelaufen.

Das Übersinnliche, die Geister, der Tod und das Danach, das sind die großen Themen der 84-jährigen Autorin. Auch im neuen Buch: Darin stirbt ein Auftragskiller, ersteht als Geist wieder auf und verliebt sich in die Frau, die er töten sollte. Um sie zu retten, braucht er die Hilfe einer liebenswerten, verrückten alten Dame in der Hofburg, die als Einzige mit dem Geist kommunizieren kann. Und die ihm erklärt, dass das Sterben ganz anders ist, als er sich das vorgestellt hätte. Der Tod als Reich unbegrenzter Möglichkeiten.

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