Alkoholsteuer: „Wir leben in einer Phase des Asketismus“


Whisky on the rocks – wenn das EU-Parlament eine Erhöhung der Alkoholsteuer beschließt, könnte das bald ein teures Vergnügen werden. (imago/McPHOTO)
Die EU will die Bürger deutlich mehr für Wein und Whisky bezahlen lassen. Schon im späten Mittelalter sollte der Alkoholkonsum durch Steuererhöhungen gesenkt werden, sagt der Soziologe Hasso Spode. Er prophezeit, dass die derzeitige Konjunktur der Askese noch 30 Jahre anhalten werde.


Hasso Spode im Gespräch mit Dieter Kassel|Deutschlandradio Kultur

Im EU-Parlament wird gerade über eine Erhöhung der Alkoholsteuer diskutiert. Freunde eines guten Tropfens werden nicht begeistert sein, wenn ihr Lieblingswein oder -whisky im Supermarkt plötzlich deutlich teurer wird. Doch durch Steuern oder andere Restriktionen Einfluss auf den Alkoholkonsum der Bürger nehmen zu wollen, ist eigentlich ein alter Hut – sagt Hasso Spode, Soziologe und Professor der an der Technischen Universität Berlin.

Spätestens seit Martin Luthers Zeiten habe es immer wieder Kampagnen und Verbote gegen die „vom Saufteufel besessenen“ Bürger gegeben. Als die letzten kompromisslosen Hedonisten, die sich dem hemmungslosen Qualmen und Saufen hingegeben hätten – auch am hellen Tag vor der Kamera –, macht Spode die 68er aus. Das habe sich spätestens seit den 90er-Jahren grundlegend geändert:

„Wir leben jetzt in einer Phase grundsätzlichen Asketismus, was unter anderem auch damit zu tun hat, dass diese Mittelschichten nicht mehr so bequem und sozial gesichert sind – und was machen die dann? Die werden asketisch. Das hatten wir immer wieder, weil sie dann durch die Askese ihr besseres Menschsein demonstrieren können, ob das jetzt die Veganer sind oder sonst was. Und das betrifft Sexualität übrigens auch, das betrifft das Rauchen, das betrifft das Trinken.“

weiterlesen