Das Judentum und Jesus von Nazareth: Jesus als Mensch und nicht als Messias


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Fast allen Leben-Jesu-Forschern sei klar: „Jesus ist unschuldig“. Er habe sich nie wirklich konkret als Messias erklärt, sagte der jüdische Publizist Günther Bernd Ginzel im DLF. Paulus werde verantwortlich gemacht für die Entstehung eines sich dann anti-jüdisch gebenden Christentums. „Von daher ist es sehr viel leichter mit Juden über Jesus zu diskutieren als über Paulus zu diskutieren.“


Günther Bernd Ginzel im Gespräch mit Rüdiger Achenbach|Deutschlandfunk

Rüdiger Achenbach: Im christlichen Abendland waren die Juden ja mal weniger, mal mehr geduldet. Aber war in dieser Zeit – sagen wir mal ein Zeitraum von über tausend Jahren – Jesus überhaupt noch ein Thema innerhalb des Judentums?

Günther Ginzel: Er war insofern in den ersten Jahrhunderten. Das Judentum war ja durchaus in der römischen Welt noch immer anerkannt und auch gar nicht so diskriminiert, wie wir das später, als die Kirche wirklich stark geworden ist, kennen. Natürlich in der anti-jesuanischen Polemik. Das heißt, die jüdischen Gelehrten beantworteten die anti-jüdische Polemik, die zahllosen Vorwürfe der Kirchenvertreter mit einer Gegen-Polemik. Die haben über Jesus genauso viel und genauso wenig gewusst – über den historischen Jesus, wie wir ihn heute nennen – wie die Kirchenvertreter. Aber sei es drum, wenn die gesagt haben, so ist das, dann haben sie eine – wie wir heute auch durchaus zugeben müssen – hämische Interpretation dagegengesetzt.

Genau wie die Kirche – die Kirche hat gesagt, wir berufen uns auf die Evangelien, die Evangelien sind zeitgenössische historische Dokumente – haben sie dann Jahrhunderte später geschrieben, haben gesagt, das haben wir schon damals gesagt, das ist das uneheliche Kind von einem römischen Söldner mit einer nicht ganz keusch lebenden jüdischen Frau. Das war das eine so bös wie das andere. Diese Polemiken gab es. Was aber viel wichtiger ist, Herr Achenbach, etwas, wo wir jetzt erst forschen, was dann im Grunde genommen 2000 Jahre später, also in der Neuzeit, dann eine sich zunehmend wandelnde Christenheit verwundert entdeckte und plötzlich sagte, in den rabbinischen Schriften erleben wir ein Judentum, dass uns in einem Ausmaß den Juden Jesus verständlich macht, wie er in der Kirche verloren gegangen war.

„Und nun beginnen Juden neugierig zu sein“

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