Dodo Müller: „Glaubenssinn des Volkes“ nicht umfrageabhängig


Gerhard L. Müller links im Bild
Gerhard L. Müller links im Bild
«Der Boden katholischer Theologie» werde verlassen, wo «rein menschliche Überlegungen oder die Macht des Faktischen gleichwertig neben Schrift und Tradition gestellt werden».


kathweb

Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller hat sich gegen Überlegungen gewandt, den katholischen Offenbarungsbegriff theologisch zu erweitern. „Lebenswirklichkeit“ sei etwa ein soziologischer Begriff, der kein Urteilsmaßstab für die Offenbarung sein könne, sagte Müller der Würzburger Zeitung „Tagespost“ (Samstag). Ebenso werde „der Boden katholischer Theologie verlassen“, wo „rein menschliche Überlegungen oder die Macht des Faktischen gleichwertig neben Schrift und Tradition gestellt werden“. So könne man „die frivole Lebenswirklichkeit eines Ausbeuters, Drogenhändlers oder Kriegsgewinnlers“ nicht als „unabänderliches Faktum ansehen, an das sich die moralischen Grundsätze anzupassen haben“.

Der Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation warnte auch vor Missverständnissen im Zusammenhang mit dem sogenannten Glaubenssinn der Getauften. Dieser „Sensus fidei“ sei ebenfalls keine Quelle der Offenbarung, sondern diene dazu, das Wort Gottes „von den vielen Worten und Meinungen der Menschen“ zu unterscheiden. „Der Glaubenssinn des Volkes Gottes hat daher nichts mit Umfrageergebnissen zu tun oder einem Plebiszit, mit dem die ‚Basis‘ der dem Leben entrückten ‚Hierarchie‘ endlich einmal die Augen öffnen könnte“, so Müller im Blick auf Interpretationen der Fragebogen-Aktionen vieler Diözesen im Vorgeld der Weltbischofssynode zur Thema Ehe/Familie.

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