Racheakte nach IS-Rückzug aus Tikrit

Tikrit: Beerdigung von irakischen Soldaten, die von Kämpfern der Terrormiliz Islamischer Staat ermordet sein sollen. (Foto: dpa)
  • Nach der Rückeroberung der irakischen Stadt Tikrit aus der Gewalt der Extremistenmiliz Islamischer Staat ist es den Behörden zufolge zu schweren Plünderungen, Brandstiftungen und wohl auch zu Hinrichtungen gekommen.
  • Amnesty International prüft Racheakt-Vorwürfe gegen die irakische Armee.
  • Iraks Ministerpräsident Abadi wirbt für Unterstützung im Kampf gegen den IS.


Süddeutsche.de

Tikrit ist Geburtsort des legendären Jerusalem-Eroberers Saladin – und des irakischen Diktators Saddam Hussein. Noch vor einem Jahrzehnt lebten hier am Ufer des Tigris eine Viertelmillion Menschen. Heute sind es kaum noch mehr als 100.000. Trotz zweier Kriege, einem Bürgerkrieg und der Eroberung durch den „Islamischen Staat“ (IS) vor weniger als einem Jahr. Ende März wurde die sunnitische Stadt von irakischen Regierungssoldaten und schiitischen Milizen befreit, die US-geführte Militärallianz lieferte Luftunterstützung. Der bislang wohl größte Erfolg gegen die IS.

weiterlesen

Brennender Rassismus

Tröglitz im Burgenlandkreis (Bild: dpa)
Das Städtchen Tröglitz und sein ehemaliger Bürgermeister Markus Nierth wurden Anfang März 2015 bundesweit bekannt. Der Ortsbürgermeister hatte seinen Rücktritt erklärt, weil er von der NPD und einem Teil der Dorfbewohner heftig attackiert worden war, nachdem er für den geplanten Zuzug von Geflüchteten in den Ort eintrat. Auch nach seinem Rücktritt hatte Nierth einen Großteil der Bevölkerung in dem Ort verteidigt und betont, dass sie von der NPD instrumentalisiert worden seien.


Von Peter Nowak|TELEPOLIS

Ein Mitglied der antirassistischen Initiative „Halle gegen Rechts“ bestätigte im Interview mit der Jungle World, dass NPD-Funktionäre an der Hetze gegen den zurückgetretenen Bürgermeister beteiligt waren. Doch das sei nur möglich, weil ein Teil der Ortsbewohner deren rassistische Denkweise teile. Das zeigte sich auch nach dem Rücktritt von Nierth. Während dieser bundesweit als Kapitulation vor einem rechten Mob aufgefasst wurde, betonten Einwohner von Tröglitz, sie seien weiter gegen den Zuzug von Geflüchteten.

In der letzten Nacht fühlten sich bei einer solchen Stimmung einige berufen, diese Forderung umzusetzen. In der Nacht zum Samstag brannte das für die Geflüchteten vorgesehene Gebäude aus. Die Polizei Sachsen-Halle-Süd geht von einer vorsätzlichen schweren Brandstiftung aus, auch ein versuchtes Tötungsdelikt könne nicht ausgeschlossen werden. Bisher Unbekannte seien in das Gebäude eingebrochen und hätten in mehreren Stellen Feuer gelegt. Dabei seien mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Brandbeschleuniger zum Einsatz gekommen. Vor allem das Dach sei durch das Feuer stark beschädigt worden.

weiterlesen

Frankreich: Militärschüler sollen Moschee-Anschlag geplant haben

Montélimar, Bild: ladrometourisme.com
Gegen vier Schüler einer Militärschule wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung eröffnet. Ihr Motiv ist noch nicht bekannt.


Die Presse

Die französische Justiz ermittelt gegen vier Schüler einer Militärschule, die einen Angriff auf eine Moschee in der Stadt Montelimar im Südosten des Landes geplant haben sollen. Gegen die Schüler eines Gymnasiums der Luftwaffe bei Grenoble sei ein Ermittlungsverfahren wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung eröffnet worden, verlautete am Freitag aus Justizkreisen. Wie die Regionalzeitung „Le Dauphine Libere“ berichtete, werden die Schüler verdächtigt, einen „Sprengstoffanschlag“ auf die Moschee geplant zu haben. Ein Justizvertreter wollte dagegen nicht von einem Anschlag sprechen. Die genauen Pläne und das Motiv der Schüler müssten noch ermittelt werden.

Luftwaffe „schockiert“ über Schüler

Ein Armeesprecher sagte, die Luftwaffe sei „schockiert“ über das Verhalten der Schüler, die bereits vom Unterricht ausgeschlossen wurden. Ihre Absichten seien mit den Werten der Luftwaffe und ihrer Schule nicht zu vereinbaren.

EKD: Keine Gesetzesänderung bei assistiertem Suizid

sterben

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) lehnt eine Gesetzesänderung beim assistierten Suizid ab. In einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Samstag) sagte der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm: „Der assistierte Suizid ist der falsche Weg.“ Wenn sich Ärzte und Angehörige in bestimmten Situationen am Lebensende in einem Dilemma befänden, müsse das Gewissen leitend sein. „Dazu braucht es keine neuen Gesetze.“


kathweb

Bedford-Strohm bekräftigte seine Forderung nach einem Verbot der organisierten und kommerziellen Sterbehilfe. „Es ist die falsche Botschaft, dass Menschen öffentlich dafür werben, dass sie alle Mittel zur Verfügung stellen, damit sich Menschen umbringen können.“

Der Theologe kritisierte auch die Verwendung des Begriffs Selbstbestimmung, um eine Erleichterung der Beihilfe zur Selbsttötung zu fordern. „Das wäre eine völlige Verarmung des Begriffs.“ Wer für sich öffentlich Selbstbestimmung einfordere, spreche nie allein über sich selbst. Dies wirke sich auch auf andere aus. Schon jetzt könnten Menschen selbstbestimmt am Lebensende sein, wenn sie durch Patientenverfügungen sicherstellten, dass es keine lebensverlängernden Maßnahmen gebe.

Kognitive Dissonanzen: „Gebildeter Glaube schützt vor Fundamentalismus“

Heinrich Bedford-Strohm (2011), Bild: wikimedia.org/CC-BY-SA 3.0/ Michael Lucan,
In der Auseinandersetzung mit islamistischen Strömungen in Deutschland setzt die evangelische Kirche auf die Vermittlung aufklärerischer Werte.


evangelisch.de

„Unsere Aufgabe muss es sein, die religiösen Vertreter des Islam zu ermutigen, die eigenen Quellen orientiert an Demokratie und Menschenrechten zu interpretieren“, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, dem „Spiegel“.

Eine wichtige Rolle komme dem Religionsunterricht in den Schulen zu, erklärte der bayerische Landesbischof. „Gebildeter Glaube schützt vor Fundamentalismus“, unterstrich er. Schüler müssten lernen, die eigene Religion selbstkritisch zu hinterfragen, und sie müssten verstehen, was anderen an ihrer Religion wichtig ist.

Die Millionen Muslime, die in Deutschland leben, gehörten „mit ihren Traditionen zu uns“, betonte der Ratsvorsitzende. Gleichzeitig sei die europäische Kultur sehr viel stärker von der jüdischen und der christlichen Religion geprägt – „und eben vom Zeitalter der Aufklärung“, stellte er klar.

Westliche Werte: Kulturgeschichte als Geschichte des Antijudaismus

Schon die frühesten Christen verunglimpften die Juden, schreibt Nirenberg. (dpa / picture alliance Alfredo Aldai)
Der Antijudaismus durchzieht das abendländische Denken, immer wieder mündete er in offenem Antisemistismus, das ist die These von David Nirenberg. Sein Anspruch: Einen Bogen über die Jahrtausende zu schlagen, um die älteste Pathologie des Denkens zu entlarven.


Von Yael Kupferberg|Deutschlandradio Kultur

Seine These trägt David Nirenberg klar und ungeschminkt vor. Die europäische Ideen- und Kulturgeschichte sei eine Geschichte des Antijudaismus. An „Juden“ und „Judentum“ arbeite sich das westliche Denken kontinuierlich ab. Darin ist das „Jüdische“ also nicht Gegenstand der Erkenntnis, sondern, so David Nirenberg, es übernehme eine Funktion:

„Der Antijudaismus ist keine archaische oder irrationale Kammer im weiten Gebäude des westlichen Denkens, sondern eines der grundlegenden Werkzeuge beim Bau dieses Gebäudes.“

Sein Blick umfasst Jahrtausende. Das ist auch für den anspruchsvollen Historiker ein ungewöhnlich weiter Bogen.

„Meine Geschichte des Denkens mit dem und über das Judentum ist von der Überzeugung getragen, dass eine Beziehung zwischen Vergangenheit und Gegenwart existiert. Das bedeutet sicher nicht, dass die Beziehung eine von Verantwortlichkeit, Kausalität oder Notwendigkeit ist. Ich sage zum Beispiel nicht, die Evangelien hätten den Völkermord verursacht oder Paulus sei verantwortlich für die vielgestaltige Zukunft seiner Worte ‚Der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig‘.“

Wohl überlegt zieht er Vergangenes heran, um es mit Gegenwärtigem zu vergleichen, und lässt das Ergebnis wirken, ohne sich festzulegen, ob der einzelne Faden, den er aufgreift und durch das westliche Narrativ verfolgt, am Ende wirklich rot ist oder lediglich bemerkenswert.

weiterlesen

Atheismus-Verein in Istanbul: Allein unter Grauen Wölfen

Atatürk als laizistisches Symbol am Haus: Kadıköy ist das Viertel der Atheisten und Kemalisten (Foto: Archiv 2. Juni)
Das Vereinslokal liegt in einem Häuserkomplex im Stadtteil Kadıköy auf der asiatischen Seite Istanbuls. Vom Anleger, an dem von der europäischen Seite kommende Fahrgäste der Bosporus-Fähren auf einem weiten Platz von fliegenden Händlern willkommen geheißen werden, sind es fünf Minuten zu Fuß. Kleine Ladenlokale umgeben den Sitz des »Atheismus-Vereins«. Onur Romano, der Medienbeauftragte des Vereins, sitzt mit einer Gruppe Mitglieder an einem langen Tisch, der das Vereinslokal fast ausfüllt.


Von Sabine Küper-Büsch|Jungle World

Der Atheismus-Verein wurde am 16. April 2014 im Istanbuler Vereinsamt registriert. Er hat 200 Mitglieder, die sich keiner Religion zugehörig fühlen, auch wenn sie sich in ihrem Verständnis von Atheismus oft grundlegend voneinander unterscheiden. Pantheisten, Agnostiker und jegliche Gottesvorstellungen ablehnende Istanbuler treffen sich regelmäßig in Kadıköy, dem Viertel der Laizisten. In der Stadtverwaltung sitzt die Republikanische Volkspartei (CHP), viele ehemalige Mitglieder der Streitkräfte oder der kemalistischen Staatsbürokratie leben hier, aber auch viele Studenten und Künstler haben sich hier niedergelassen. »Ich kenne alle Ladenbesitzer hier auf dieser Etage«, sagt Onur Romano. »Hier fühlen wir uns sicher.« Es ist nicht ungefährlich, sich in der Türkei zum Atheismus zu bekennen. »Viele sogenannte Muslime, die meist wenig über ihre Religion wissen, glauben, es sei eine Todsünde, dem Islam zu entsagen«, erzählt Onur Romano. Der 31jährige hat selbst schon harte Konsequenzen aufgrund seiner Überzeugungen hinnehmen müssen. Anfang April wurde er gezwungen, seine Stelle an der Istanbuler Bilgi-Universität zu kündigen. Er hatte dort internationale Beziehungen unterrichtet. Romano war bereits zweimal abgemahnt worden. »Eine dritte Abmahnung konnte ich nicht riskieren, ich wäre dann fristlos entlassen worden und dürfte meine Lehrtätigkeit dort dann nicht einmal mehr in meinem Lebenslauf erwähnen«, erzählt er betrübt. Die Bilgi-Universität ist eine angesehene Privathochschule, die ein Joint Venture mit dem amerikanischen Bildungsträger »Laureate Education« betreibt. Viele internationale Konferenzen finden dort statt, das deutsche Orient-Institut, das ZKM in Karlsruhe und die Universität München sind nur einige der vielen internationalen Partner. Umso ungewöhnlicher sind die Gründe für Onur Romanos Abmahnungen an seiner früheren Arbeitsstelle. »Ich wurde beschuldigt, antireligiöse Propaganda zu machen, dabei hatte ich nur zugegeben, Atheist zu sein, als mich einer meiner Studenten danach fragte«, erzählt er. Eine oder einer der Studierenden muss den Hochschullehrer bei der Verwaltung angeschwärzt haben, vermutet er: »Wir haben viele religiöse Studentinnen, die auf dem Campus Kopftuch tragen dürfen. Da die Erlaubnis dafür im Ermessen der Hochschulleitung liegt, bevorzugen viele ihr Haar bedeckende Studentinnen Privathochschulen. Ich glaube, eine aus diesem Kreis hat mich verraten.«

weiterlesen

Die Schule und die Religion

Ein Junge liest an einer Bonner Schule während des islamischen Religionsunterrichtes in einem Schulbuch. Der Ruf nach einem Islamunterricht an öffentlichen Schulen für muslimische Kinder ist auch in Thüringen bereits laut geworden. Foto: Oliver Berg/dpa
Der Jenaer Theologe Michael Wermke über die Rolle von Religion und Ethik im Unterricht und warum beide Fächer gestärkt werden sollten.


Thüringer Allgemeine

Professor Wermke, die Verfassung trennt aus guten Gründen Staat und Kirche. Gleichzeitig schreibt sie Religionsunterricht als ordentliches Fach vor. Warum wird dieses Trennungsgebot ausgerechnet an Schulen gebrochen?

Wir haben in Bereichen wie der Krankenhausseelsorge, in der Altenpflege, bei Kindergärten verschiedene Formen von Kooperation. Staat und Kirche kooperieren miteinander, das ist nicht ungewöhnlich. Ungewöhnlich ist, dass die Kooperation auch für die Schule gilt. Man müsste also fragen, warum Staat und Kirche auch in der Schule zusammenarbeiten.

Ihre Antwort?

Weil es im gesellschaftlichen Interesse liegt. Unser Staat beruht auf dem demokratischen Konsens der Gesamtgesellschaft, über die der Staat schützend wacht, den er aber nicht dirigierend beeinflusst. Der demokratische Staat lebt also von Voraussetzungen, die er mit seinen Mitteln allein nicht garantieren kann, sondern nur durch ein Zusammenwirken der gesellschaftlichen Kräfte, zu denen auch die Kirchen gehören. Im Religionsunterricht wird die Inanspruchnahme der Meinungs-und Glaubensfreiheit erlernt und gesichert.

weiterlesen

Islam und Gewalt: „Koran ist kein Handbuch für Krieg oder Frieden“

Die Islamwissenschaftlerin Gudrun Krämer (imago/TriAss)
Mit den Aussagen im Koran ließe sich sowohl ein pazifistisches als auch ein militantes Vorgehen begründen, sagte die Islamwissenschaftlerin Gudrun Krämer im DLF. Es sei an den Menschen, diese Vielstimmigkeit zu begreifen und zu akzeptieren. In der öffentlichen Debatte komme es darauf an, den Islam nicht ständig als Gewaltreligion zu bezeichnen.


Gudrun Krämer im Gespräch mit Kathrin Hondl|Deutschlandfunk

Der Koran sei genauso vielfältig, ambivalent und widersprüchlich wie die Bibel, sagte die Islamwissenschaftlerin im DLF-Interview. Das Problem liege darin, dass der Koran nach islamischem Verständnis Gottes Wort ist. Das führe dazu, dass die Interpretation oder gar Relativierung von Aussagen schnell auf Widerstand stoße. Dabei müssten sich Muslime und andere Menschen mit der Tatsache auseinandersetzen, dass der Koran kein Handbuch für Krieg oder Frieden sei, so Krämer.

„Das macht Muslime ganz verrückt“

Da sich an der Widersprüchlichkeit des Textes nichts ändern lasse, sei eine kritische Auseinandersetzung mit dem Koran wichtig.

weiterlesen

Raif Badawi: 1000 Peitschenhiebe für Texte der Aufklärung

Das religiöse Denken hingegen strebt danach, unser Leben bis in alle Einzelheiten hinein zu kontrollieren: Raif Badawi klagt den gesellschaftlichen Druck der Religion in Saudi-Arabien an. Kleidungsvorschriften für Frauen sind eines der sichtbarsten Zeichen dieser Unterdrückung Foto: picture alliance/dpa
Der Blogger Raif Badawi ist der berühmteste Gefängnisinsasse Saudi-Arabiens: Zehn Jahre ins Gefängnis, weil er die Religion kritisiert hat. Jetzt ist eine Sammlung seiner Texte erschienen.


von Eva Marie Kogel|DIE WELT

Auch 50 Peitschenhiebe konnten ihm den Humor nicht austreiben. „Letztens ging ich auf die Toilette. Sah einen Haufen schmutziges Klopapier“, schreibt Raif Badawi aus dem Gefängnis. „Während ich mir konzentriert die Hunderte von Kritzeleien auf den klebrigen Toilettenwänden unserer Sammelzelle durchlas, sprang mir ein Schriftzug ins Auge: „Der Säkularismus ist die Lösung!“ Diesen Satz zu lesen sei ihm vorgekommen wie eine Szene in einem Nachtlokal, „wo all die hässlichen käuflichen Mädchen zusammenkommen und plötzlich um Mitternacht eine bildschöne Liebesdienerin den Raum betritt“.

Raif Badawi ist der berühmteste Gefängnisinsasse Saudi-Arabiens. Das liegt an den Gründen seiner Verurteilung: Badawi hat nicht gestohlen, er hat niemanden überfallen, und er hat niemanden verletzt. Trotzdem ist das saudische Regime der Ansicht, dass Badawi gefährlich für den öffentlichen Frieden ist. Denn der 31-Jährige findet, dass der Islam in Saudi-Arabien eine zu große Rolle spielt. Das hat er geschrieben, immer wieder.

weiterlesen

Foto: Ulstein Verlag Raif Badawi: „1000 Peitschenhiebe: Weil ich sage, was ich denke“ aus dem Arabischen von Sandra Hetzl. Ullstein, Berlin. 64 Seiten, 4,99 Euro

Experte kritisiert Dominanz von konservativen Islamverbänden

Gebet-islamDie große Mehrheit der Muslime in Deutschland wird nach Ansicht der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen nicht von den vier Islamverbänden vertreten.


evangelisch.de

Politik und Kirchen dürften sich deshalb nicht so auf die konservativen Verbände fixieren, sagte der Islamexperte der Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, Friedmann Eißler, in Berlin dem Evangelischen Pressedienst (epd).

„Wir müssen wegkommen von dem starren Blick auf die Islamverbände, die nur plus minus 20 Prozent der Muslime in Deutschland vertreten.“ Die im Koordinationsrat der Muslime zusammengeschlossen Verbände würden „ein konservatives Islamverständnis vertreten, das tatsächlich in wichtigen Punkten einer neuen Ausrichtung im Kontext unserer Gesellschaft bedarf“. Der Koordinationsrat besteht aus Vertretern des Zentralrates der Muslime, des Islamrates, des Verbandes der Islamischen Kulturzentren und der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib).

Mit Blick auf innerislamische Reformdiskussionen sagte Eißler, es gebe viele Künstler, Intellektuelle, Unternehmer und Politiker muslimischen Glaubens, die an einer Diskussion über den Islam im 21. Jahrhundert teilnehmen. Zudem drängten gerade jüngere Muslime in Deutschland auf die Studienplätze der vier Zentren für islamische Theologie.

Dodo Marx: Blödsinn zum Atheismus – katholischer Masochismus

Quelle: www.bgland24.de
Quelle: http://www.bgland24.de
Kardinal Marx widersprach in Karfreitagspredigt heftig einem Atheismus, der angesichts der Erfahrung von Leid und Tod in der Welt die Existenz Gottes abstreitet und der christliche Symbole wie das Kreuz aus dem öffentlichen Leben drängt.


kath.net

Einem Atheismus, der angesichts der Erfahrung von Leid und Tod in der Welt die Existenz Gottes abstreitet und der christliche Symbole wie das Kreuz aus dem öffentlichen Leben drängt, hat Reinhard Kardinal Marx in seiner Karfreitagspredigt heftig widersprochen. „Der Atheismus baut auf das Leiden, um Gott verschwinden zu lassen. Aber für uns Christen ist das Leiden der Fels des Glaubens, der Fels von Golgotha“, sagte der Erzbischof von München und Freising am Freitag, 3. April, im voll besetzten Liebfrauendom. Auf dem Hügel von Golgotha, auf dem das Kreuz Jesu stand, versammle sich das ganze Leid der Welt, so Marx: „alle Bilder der letzten Wochen, vom Flugzeugabsturz, von den trauernden Angehörigen, von den 70 jungen getöteten Christen in der Universität in Kenia und auch viele andere Bilder, die sich in der globalisierten Welt in unsere Seele einprägen“.

weiterlesen

Dial 911 for Murder

Polizei in Ferguson am 22. September bei Protesten nach den tödlichen Schüssen auf den unbewaffneten Michael Brown. Bild: Loavesofbread/CC-BY-SA-4.0
„Der Skandal fängt an, wenn die Polizei ihm ein Ende bereitet“, schrieb Karl Kraus. Die Polizeikräfte der USA bereiten leider vielen Menschenleben ein Ende – und hier beginnt der Skandal: Allein im März 2015 wurden 115 Menschen, die meisten unschuldig, von US-Polizisten getötet. Diese Zahlen veröffentlichte der Watchblog „Killed By Police“, der sich größtenteils auf Medienberichte beruft.


Von Patrick Spät|TELEPOLIS

Andere Internetseiten wie das Cato Institute oder Gun Violence Archive kommen auf ähnliche Daten. Offizielle Zahlen vonseiten der US-Behörden gibt es nicht. Das FBI kommt in einer verkürzten Statistik auf durchschnittlich 400 Todesopfer pro Jahr. Genannt werden jedoch nur diejenigen Opfer, deren Tötung durch Polizeibeamte aus Sicht der Behörde „legitimiert und gerechtfertigt“ sei („Justifiable Homicide“). Zudem werden in der FBI-Statistik beispielsweise Bundespolizisten, FBI-Agenten und Beamte der DEA (Drug Enforcement Administration) ausgeklammert.

Laut dem Watchblog „Killed By Police“ waren im Jahr 2013 in den USA 767 Menschen Opfer von tödlicher Polizeigewalt; im Jahr 2014 betrug die Zahl der Todesopfer 1.099 Menschen. Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 wurden in den USA über 5.000 Menschen von Polizisten getötet, was geradezu wie ein Krieg gegen die eigene Bevölkerung anmutet.

Zum Vergleich: 2013 kamen in Deutschland 9 Menschen durch Polizeigewalt ums Leben. Was freilich nicht heißt, dass die Polizei in Deutschland harmlos wäre. Im Gegenteil: Auch hierzulande ist Polizeigewalt ein großes Problem.

weiterlesen

Kenia: Aus dem Koran zitieren oder sterben

Al Shabaab militia in Somalia. Bild: karizmwangi.wordpress.com
  • Bei einem Angriff somalischer Islamisten auf die Universität in der kenianischen Stadt Garissa kamen mindestens 147 Menschen ums Leben.
  • Der Anschlag von Garissa ist der 17. von al-Shabaab in Kenia seit 2012. Fast 500 Menschen wurden dabei getötet.
  • Die somalische Terrormiliz macht immer wieder gezielt Jagd auf Christen.


Süddeutsche.de

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit startete die kenianische Armee ihren Angriff auf das Wohnheim der Universität Garissa. Zwölf Stunden nachdem vier Terroristen der islamistischen al-Shabaab-Miliz zunächst ein Massaker auf dem Campus angerichtet und sich anschließend mit Geiseln verschanzt hatten. Ihr einziges Ziel: So viele Menschen wie möglich umzubringen.

Als das nationale Katastrophenschutzzentrum weitere vier Stunden später das Ende des Angriffs bekannt gibt, bietet sich den Sicherheitskräften, die den Campus sichern, ein Bild des Grauens. Mehr und mehr Leichen zählen sie, als sie die einzelnen Häuser der Universität sichern. 147 Tote werden es am Ende sein.

weiterlesen

Georg Ratzinger: Mein Bruder ist kein Gegenpapst

Bild: Religion Poisons Everything
Bild: Religion Poisons Everything
Bruder von Benedikt XVI. verteidigte Papst Franziskus gegen Kritiker. Zwar sei der Stil von Franziskus «etwas ungewöhnlich». Aber es sei «seine Überzeugung, und es ist im Einklang mit seiner Aufgabe». Diese Meinung teile auch Benedikt XVI.


kath.net

Der Bruder des emeritierten Papstes Benedikt XVI., Georg Ratzinger, hat Papst Franziskus gegen Kritiker verteidigt. Zwar sei der Stil «etwas ungewöhnlich», sagte der 91-Jährige der «Passauer Neuen Presse» (Samstag). Aber es sei «seine Überzeugung, und es ist im Einklang mit seiner Aufgabe». Diese Meinung teile auch Benedikt XVI. Das Verhältnis zwischen seinem Bruder und Franziskus sei «sehr freundlich, kollegial und priesterlich.»

weiterlesen

Österreich: Für 68 Prozent hat die Kirche keine Glaubwürdigkeit mehr

Bild: standard.at
Nur vier von zehn Österreichern bezeichnen sich selbst als gläubig, knapp gleich viele glauben an die Osterbotschaft von Tod und Auferstehung Jesu Christi.


Von Conrad Seidl|derStandard.at

Gibt es einen Himmel? Kommt man dorthin, wenn man fromm ist und Gutes tut? Nein, daran mögen 60 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher nicht glauben – wobei die ablehndende Haltung in allen Bevölkerungs- und Bildungsschichten ähnlich ausgeprägt ist. Die Zustimmung ist etwas stärker differenziert, jüngere Befragte glauben dreimal so stark an den Himmel wie Menschen über 50. Aber insgesamt ist der Glaube an die Existenz eines himmlischen Jenseits mit 14 Prozent sehr bescheiden ausgeprägt.

Umgekehrt: Kommt, wer Böses tut, in die Hölle? Diese Idee wird sogar von 70 Prozent verworfen. Nur jeder zehnte Befragte in der aktuellen STANDARD-Umfrage des Linzer Market-Instituts unter 419 repräsentativ ausgewählten Wahlberechtigten glaubt an die Hölle. Wiederum sind es am ehesten die Jüngeren, die eine Vorstellung von der Hölle haben.

weiterlesen

Adulte Stammzellen heilen Blinde

Epithel der Hornhaut aus Stammzellen. Bild:Holostem
Stammzellen aus dem Auge sollen Eintrübungen der Hornhaut beseitigen und die Sehkraft wieder herstellen. Damit hat die europäische Gesundheitsbehörde erstmals eine Stammzelltherapie zugelassen, die von einem kommerziellen Anbieter entwickelt wurde. Vorerst ist die Therapie nur für eine kleine Zahl von Menschen gedacht, die ihr Augenlicht durch Verbrennungen oder Verätzungen verloren haben. Grundsätzlich könnten Stammzellen erheblich mehr Blinden helfen – doch hohe Kosten werden dem wohl vorerst im Wege stehen.


Von Volker Henn|TELEPOLIS

Dieser Erfolg hätte weltweit Schlagzeilen gemacht – wenn er einem amerikanischen Biotech-Unternehmen geglückt wäre. Doch die erste kommerzielle Stammzelltherapie Europas wurde von einer kleinen italienischen Firma entwickelt, und deren Pressemitteilung zeugte von europäischer Zurückhaltung. Die Meldung wurde folglich weitgehend ignoriert. Dabei könnte die Behandlung von Blinden – zumindest langfristig – zur nächsten großen Erfolgsgeschichte der adulten Stammzelltherapie werden.

Die Entwicklung dauerte fast 25 Jahre. Bereits 1990 begannen italienische Forscher um Graziella Pellegrini und Michele de Luca, sich für Stammzellen im Auge zu interessieren. Eine geringe Zahl dieser Zellen findet sich im sogenannten Limbus, einem kleinen Areal zwischen der durchsichtigen Hornhaut und dem umgebenden Bindegewebe. Die Forscher fanden einen Weg, diese limbalen Stammzellen im Labor zu vermehren – und dann aus ihnen eine neue Hornhaut zu züchten.

weiterlesen

Wie der Geist entsteht

Bild: BB
Bild: BB
Das Geheimnis des Bewusstseins gilt vielen als das größte Rätsel überhaupt – als äußerste Grenze menschlichen Strebens nach Erkenntnis. Hirnforscher, Psychologen und Philosophen versuchen trotzdem, sich ihm zu nähern.


Von Hartmut Wewetzer|DER TAGESSPIEGEL

Fledermäuse beginnen in der Dämmerung ihren Flatterflug. Und Sie sind dabei. Sie sind eine Fledermaus. Sie steigen in den Himmel auf und kreisen über den Häusern, um ihre Beute zu orten. Nein, Sie sind nicht Batman. Sie sind eine echte Fledermaus. Sie haben ein Fledertier-Bewusstsein und ein Bio-Echolot, mit dem Sie Ihre Beute orten, Fliegen und andere Insekten, die durch die Abendluft treiben. Die Nacht werden Sie in Ihrem Versteck verbringen, kopfüber von der Gemäuerdecke hinabhängend.

Natürlich werden wir Menschen uns niemals wirklich in eine Fledermaus hinein versetzen können. Aber ein reizvolles Gedankenexperiment ist es trotzdem.

Es stammt von dem amerikanischen Philosophen Thomas Nagel. 1974 veröffentlichte er den Aufsatz „Wie ist es, eine Fledermaus zu sein?“. Der Essay sollte die aufstrebende Gilde der Hirnforscher provozieren. Schickte die sich doch an, seelische Prozesse mit den Mitteln der Naturwissenschaft aufzuklären. Dabei machten sie sich sogar daran, dem Bewusstsein selbst sein Geheimnis zu entreißen.

weiterlesen

Religiotie: Traditionelle Kreuzigungen auf Philippinen

Bild: (c) APA/EPA/RITCHIE B. TONGO (RITCHIE B. TONGO)
Sie lassen sich ans Kreuz nageln und geißeln sich selbst – dutzende Gläubige begingen auf den Philippinen die traditionellen Karfreitagsfeierlichkeiten. Die katholische Kirche kritisiert das alljährliche Ritual.


Die Presse

In einem schmerzhaften Ritual haben sich auf den erzkatholischen Philippinen am Karfreitag wieder einige Dutzend Männer und mindestens eine Frau an Kreuze nageln lassen. Sie wollen damit an die Leiden Jesu erinnern, für Sünden büßen und sich Gottes Hilfe bei Krankheiten oder Problemen in der Familie sichern.

„Ich tue es für mein Land“, meinte Ruben Enaje (54), der in San Pedro rund 70 Kilometer nördlich der Hauptstadt Manila zum 29. Mal dabei war. „Ich bete auch, dass der Taifun, der sich nähert, nicht zu viele Schäden anrichtet.“ Taifun „Maysak“ tobt vor der Ostküste und sollte Sonntag früh an Land kommen.

weiterlesen

Mit „Das Leben des Brian“ gegen die Kirche

Jeder ein Kreuz.
Jeder ein Kreuz.
Am Karfreitag sind in Deutschland Partys, Konzerte und Sportwettkämpfe verboten. Auch Vorstellungen des Monty-Python-Klassikers „Das Leben des Brian“. Eine Bochumer Initiative will das ändern.


Von Ellen Ivits|stern.de

Am Karfreitag wird in Bochum der Film „Das Leben des Brian“ aufgeführt – ungeachtet des Feiertagsgesetzes, das genau dies untersagt. Wie schon 2013 und 2014 zeigt die Initiative „Religionsfrei im Revier“ den Monty-Python-Klassiker – eine bewusste Provokation, wie der Gründer der Initiative, Martin Budich, offen sagt. „Die Feiertagsgesetze tragen die Merkmale eines fundamentalistisches, klerikalen Staates, der seine Traditionen anderen aufzwingt“, so Budich gegenüber dem stern.

Die so genannten „stillen Feiertage“ wie der Karfreitag sind ihm ein Dorn im Auge. An diesem Tag herrscht in Deutschland nicht nur weitgehend ein Tanzverbot, auch einige Filme unterliegen einer Aufführungsbeschränkung. Verstöße werden mit Ordnungsstrafen geahndet. „Das sind vollkommen überkommene Kirchenprivilegien. Tausende Menschen, die nichts mit dem christlichen Glauben verbindet, werden damit gezwungen, sich an die Regeln der Kirche zu halten“, sagte Budich. Wer gegen diese Regeln verstoße, werde bestraft. „Ich finde es zwar schön, dass ich nicht dafür gesteinigt werde, aber das Prinzip ist dasselbe“, so Budich weiter. „Wieso darf an diesem Tag niemand fröhlich sein?“, wundert er sich.

weiterlesen