Assyrische Kirche: Leiden wie Christus


© FACELLY/SIPA Karakosch: Ein Gottesdienst, bevor die irakische Stadt im August 2014 vom „Islamischen Staat“ erobert wurde. Karakosch ist heute eine Geisterstadt.
Einst hatte die assyrische Kirche Mesopotamiens eine größere Verbreitung als andere christliche Kirchen. Den langen Exodus beschleunigt nun der Terror des IS.


Von Rainer Hermann|Frankfurter Allgemeine

Am Donnerstag vor Palmsonntag verstarb das Oberhaupt der Assyrischen Kirche des Ostens, Katholikos-Patriarch Mar Dinkha IV. Die Kirche, die ihre Blüte in Mesopotamien erlebt hatte, ist eine der drei großen Kirchentraditionen; sie hatte in der Frühzeit des Christentums von allen die größte Verbreitung. Zu Beginn der drei Traditionen stehen große Namen: Paulus, der Evangelist Markus und der Apostel Thomas. Paulus hatte seine Missionsreisen in Antiochien begonnen, sie führten ihn nach Kleinasien und bis nach Rom. Der Evangelist Markus brachte das Christentum nach Alexandrien und Nordafrika. Der Apostel Thomas hingegen reiste nach Osten, nach Mesopotamien und von dort weiter nach Indien, wo er im Jahr 72 den Märtyrertod starb.

Zwei dieser drei Kirchentraditionen hielten sich über zwei Jahrtausende. Bestand hat, was auf Paulus zurückgeht: Rom ist unverändert Sitz der katholischen Kirche. In der Nachfolge des Evangelisten Markus ist der koptische Papst weiter der Patriarch von Alexandrien, auch wenn er seinen Sitz nilaufwärts nach Kairo verlegt hat. Im Osten aber ging die Zahl der Christen immer weiter zurück, so dass sie heute vor dem Ende stehen.

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