Einkreisungsängste in Riad


Kingdom Centre, Riad, Saudi-Arabien, 2007. Foto: BroadArrow/CC BY-SA 3.0
Mit Pakistan, Ägypten und der Türkei versucht Saudi-Arabien eine sunnitische Allianz gegen Iran aufzubauen. Probelauf ist die Allianz gegen die jemenitischen Houthi-Rebellen


Von Martin Hoffmann|TELEPOLIS

Im saudischen Königshaus hat man sich schon seit Monaten auf eine Einigung in den Atomverhandlungen zwischen den westlichen Mächten und dem Iran vorbereitet – und hinter den Kulisse an einer Achse zur Eindämmung des Rivalen gearbeitet. Doch die Allianz mehrheitlich sunnitischer Staaten droht nicht nur den Jemen in einen offenen Bürgerkrieg zu stürzen, sondern auch die konfessionelle Polarisierung der Region noch weiter zu verschärfen.

Aus der Perspektive des saudischen Königshauses war die Machtübernahme der Houthi-Rebellen im Jemen nur die Spitze des Eisberges. Schon seit geraumer Zeit sieht sich das saudische Königshaus von wachsendem iranischen Einfluss umzingelt. Im nördlichen Nachbarland Irak unterhält die schiitisch dominierte Regierung trotz der Kooperation mit der internationalen Koalition gegen IS auch gute Beziehungen nach Teheran. Einheiten der iranischen revolutionären Garden kämpfen dort aufseiten der schiitisch dominierten irakischen Armee gegen die Milizen des IS (Irak: „Erst Tikrit, dann Mosul und Falludscha“) – und werden dadurch indirekt zu Verbündeten des Westens.

Aus saudischer Perspektive ist dabei keinesfalls gegeben, wer von beiden das kleinere Übel ist. Auch wenn die Dschihadisten auch die Monarchien am Golf auf ihrer Feindesliste führen, scheint der wachsende Einfluss des Irans die Herrscher in Riad stärker zu verunsichern als die visuell aufbereiteten Blutorgien des IS.

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