Katholische Kirche in Polen: Rückwärts in die Zukunft


Monumentale Statue von Johannes Paul II. im polnischen Czestochowa. Foto: rtr
Der Tod von Johannes Paul II. jährte sich am 2. April zum zehnten Mal. Die katholische Kirche in Polen verliert seither an Anhängern, auch weil sie nicht im Sinne von Papst Franziskus agiert.


Von Jan Opielka|Frankfurter Rundschau

Es ist bereits die siebte Messe an diesem Tag in der Kirche zur Kreuzerhebung im polnischen Gliwice. Es ist Palmsonntag, früher Abend, doch auch an normalen Sonntagen ist diese Zahl der Gottesdienste die Regel. Nicht nur in dieser Kirche, und nicht nur in dieser Stadt Polens. Heute ist das Gotteshaus zwar nicht berstend voll, aber alle Bänke sind besetzt. Während zwei Geistliche am Altar den Kreuzweg Jesu nacherzählen, warten im hinteren Teil der Kirche Gläubige vor zwei Beichtstühlen auf die leise lösenden Worte der Priester. Als einer der beiden zum Ende der Messe den Beichtstuhl verlässt, schließt er leise dessen Tür, schaut sich um und geht dann auf eine ein paar Meter entfernt stehende junge Frau zu. „Wollen sie auch?“, scheint er zu fragen, während er auf den Beichtstuhl weist. Die Frau schüttelt den Kopf.

Die polnische Religiosität ist fast schon sprichwörtlich, sie ist deutlich ausgeprägter als in Deutschland – und nimmt dennoch recht rapide ab. In den letzten, beinahe vier Jahrzehnten maßgeblich befördert und geprägt hat sie Papst Johannes Paul II. Als der weltweit wohl bekannteste Pole am 2. April 2005 starb, schien in den Folgetagen das Leben im Land stillzustehen.

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