Martin Buber: Ein Mittler zwischen verhärteten Fronten


Auch zu Lebzeiten geehrt: Der Philosoph Martin Buber. (dpa / picture alliance / ANP)
Martin Buber ist einer der großen Denker des Judentums gewesen. Zu seinem 50. Todestag erscheint die Biografie, die der Theologe Karl-Josef Kuschel verfasst hat. Und er würdigt Buber als jemanden, dem es gelungen sei, den interreligiösen Dialog neu zu entfachen.


Karl-Josef Kuschel im Gespräch mit Maike Albath|Deutschlandradio Kultur

Er sei einer der ganzen großen Denker des Judentums deutscher Sprache gewesen, der es gerade zu seinem 50. Todestag verdient habe, an sein Vermächtnis zu erinnern, so begründet es Karl-Josef Kuschel, dass er eine Biografie über Martin Buber geschrieben hat.

Der jüdische Religionsphilosoph wurde 1878 in Wien geboren und starb 1965 in Jerusalem – wuchs aber bei den Großeltern im galizischen Lemberg auf. Seine theologische Programmatik entwickelte er aus den Erzählungen der osteuropäischen Chassidim – und das zu einer Zeit, in der das Ostjudentum intellektuell verachtet worden war. Aus diesen Quellen habe er die Erneuerung des Judentums vorangetrieben, resümiert der Professor für katholische Theologie, der lange Jahre Ko-Direktor des Instituts für ökumenische und interreligiöse Forschung an der Universität Tübingen war.

Und Buber sei auch dadurch zu einer epochalen Figur geworden, weil im Verhältnis von Juden und Christen vorgedacht hätte, was heute noch das Niveau des Dialogs ausmache: einzigartige Versuche, die lange verhärteten Fronten des Antijudaismus wie der Polemik gegenüber dem Christentum zu überwinden. Dialog habe für den jüdischen Gelehrten auf Begegnung beruht, auf Tiefenerfahrungen, die existenziell verändern und geistig erweitern würden, nicht aber auf „Vergegnungen“, bei denen sich verschiedene Religionen träfen, sich aber nichts zu sagen hätten.

weiterlesen