„Rolling Stone“ zieht Artikel über Uni-Vergewaltigung zurück

Gebäude der Universität von Virginia: Hier sei eine Studentin vergewaltigt worden, berichtete der „Rolling Stone“. Das Magazin musste die Story nun zurückziehen.© Jay Paul/Getty Images/AFP
Im November berichtete der „Rolling Stone“ von einer Gruppenvergewaltigung an der Universität in Virginia. Der Aufschrei war groß. Doch offenbar wurden Fehler gemacht – das Magazin zieht Konsequenzen.


stern.de

Mit einem Artikel über eine brutale Gruppenvergewaltigung an einer Uni in Virginia hatte das renommierte US-Musikmagazin „Rolling Stone“ im November für einen Aufschrei gesorgt – doch kamen schnell Zweifel an der Richtigkeit des Berichts auf.

Ein halbes Jahr später hat das Magazin nun auf seiner Homepage eine unabhängige Untersuchung veröffentlicht, die der ganzen „Rolling Stone“-Redaktion „vermeidbare“ Fehler und die Verletzung grundlegender journalistischer Standards vorwirft. Das Magazin entschuldigte sich für die Berichterstattung und zog den Artikel offiziell zurück.

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Paris subway firm under fire over Christian ad censorship

Image: Raw Story
The firm operating the Paris subway has come under fire for apparently pushing France’s beloved secularity too far with its refusal to display an ad with the mention “Christians of the East.”


Agence France-Presse/Raw Story

French music group “The Priests” had planned to advertise their upcoming June concert in Paris with a poster sporting a banner that said proceeds would go towards the cause of Christians persecuted in places such as Iraq and Syria.

But the state-owned RATP firm that operates the subway and its advertising agency Metrobus ordered the group’s producers to take off the banner, pointing in a statement issued last week to the public service’s requirement for neutrality “in the context of an armed conflict abroad.”

But Jean-Michel Di Falco Leandri, the bishop who created “The Priests”, told AFP that Metrobus had previously explained the ban on the banner was due to “the religious nature of the mention ‘Christians of the East’,” and the ad was published without it.

France is a deeply secular country where the state and religion are strictly separated.

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Erwachsenentaufe: Sie wollte, dass Gott sie segnet

Bild: wikimedia.org/CC-BY-SA-3.0
Mit 33 ließ sich Julia taufen. Davor hatte sie lange gesucht. In leeren Kirchen und esoterischen Ratgebern. Es war schmerzhaft, in den Glauben zu wachsen.


Von Wibke Becker|Frankfurter Allgemeine

Die Taufe war für Julia eine Befreiung. An diesem Tag hat sie die Fesseln der anderen abgeschlagen, die sich immer und immer weiter um sie geschlungen hatten. Die bestimmten, was sie zu glauben hatte. Und auf welche Weise. Welcher Gedanke richtig war, welches Verhalten angemessen. Julia wollte unabhängig von diesen anderen sein, sie wollte selbst spüren und entscheiden. Vor der Taufe fühlte sie, dass der liebe Gott sich auf sie freute. Ja, da war auch noch die Angst in ihrer Brust, sie hatte so lange dort gesessen. Die Angst ließ sich nicht einfach abschlagen. Sie flüsterte: Du machst Fehler, du hast keine Ahnung. Du kennst die Regeln nicht.

Du gehörst nicht dazu.

Aber als dann das Taufwasser Julias Stirn berührte und die Menschen in der Kapelle gemeinsam sangen, da fiel die Angst mit einem Mal von ihr. Freudentränen liefen ihre Wangen herunter. Mit 33 Jahren wurde sie katholisch. Sie sagt, es war der schönste Tag in ihrem Leben.

Eine Erwachsenentaufe ist eine Zäsur. Sie bedeutet ein neues Leben. Aber nur das alte führt dorthin. Und anders als bei jungen Täuflingen ist das alte Leben oft ein einziger Kampf. Es ist schmerzhaft, in den Glauben hineinzuwachsen.

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Hans Joas: Westen hat kein Monopol auf Menschenrechtsidee

Hans Joas, 2014, Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0
Wesentliche Autoren der UN-Grundrechtecharta von 1948 seien ein Chinese und ein christlicher Araber gewesen, erinnert der Freiburger Religionssoziologe Joas im Deutschlandfunk-Interview


kathweb

Der deutsche Sozialphilosoph Hans Joas will dem Westen nicht das Exklusivrecht auf die Entwicklung der Menschenrechte zubilligen. Wesentliche Autoren der UN-Grundrechtecharta von 1948 seien ein Chinese und ein christlicher Araber gewesen, sagte der Freiburger Religionssoziologe am Montag im Deutschlandfunk. Der Text sollte nach den Vorstellungen der Autoren gerade nicht Produkt einer westlichen Tradition sein. Joas kritisierte zugleich, dass viele Menschen zu Abstrichen bei den Menschenrechten bereit seien, wenn es zu Konflikten etwa mit der nationalen Sicherheit komme.

Bei der Entstehung von philosophischen, religiösen und ethischen Vorstellungen über die Menschheit könne der Westen keine Monopolstellung beanspruchen, sagte Joas. Auch im Buddhismus und Konfuzianismus gebe es solche Ideen. Der Philosoph wandte sich auch gegen Vorstellungen, es gebe eine klare Linie des Denkens in dieser Frage von der griechischen und römischen Antike über Juden- und Christentum bis zu den internationalen Menschenrechtsabkommen im 20. Jahrhundert: Zwar habe im 18. Jahrhundert in Europa und Nordamerika eine Transformation religiöser und philosophischer Ethiken in staatsbürgerliche Rechte und erste Menschenrechtserklärungen stattgefunden, erläuterte er. Im westlichen Verständnis im 18. Jahrhundert sei die Verankerung von Menschenrechten aber ohne Weiteres mit der Institution der Sklaverei vereinbar gewesen.

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Über die Sehnsucht nach moralischer Überlegenheit

© Fengel
Von Zeit zu Zeit erreichen mich solche Briefe, die Autoren verzichten in der Regel auf eine Anrede.


Von Harald Martenstein|ZEIT ONLINE

„Ich glaube, du bist ein Faschist. Diese soup question aus der sich deine erbärmliche Existenz speist, wie du es schaffst mit deinem Gefasel selbst die ZEIT zu infiltrieren in der so respektable Persönlichkeiten wie Fischer und v. Randow relevante Beiträge zur gesellschaftlichen Entwicklung publizieren, da generierst du Mittel aus Beiträgen, derer sich selbst Bild schämen müsste. Warum kehrst du nicht den Hof, vielleicht kannst du wenigstens das und ersparst uns deine vermeintlich philosophischen Ergüsse. Ich meine es nur gut, jeder dort, wo er hingehört.“

Lieber Harald S., zuerst möchte ich Ihnen gratulieren, weil Sie diesen Brief unter Ihrem echten Namen abgesandt haben. Nicht jeder Ihrer Gesinnungsgefährten hat so viel Mumm. Ich habe mir Ihr Profil im Internet angeschaut. Sie sind, unser gemeinsamer Vorname deutet ja darauf hin, nicht mehr der Jüngste. Wir haben beide die gleiche Frisur. Sie mögen, wie ich, coole Sonnenbrillen. Würden wir uns sympathisch finden, wenn wir uns zufällig kennenlernen? Nicht auszuschließen. Manchmal mag man Menschen, obwohl sie anders denken als man selbst. Lassen Sie diesen Gedanken ruhig zu.

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Türkische Behörden sperren Twitter und Youtube

twitter_türkeiKnapp ein Jahr nach der letzten Sperre von Twitter und YouTube, mischt sich die türkische Regierung erneut in die freie Meinungsäußerung ein. Hintergrund ist diesmal die Veröffentlichung von Fotos von der tödlichen Geiselnahme eines Staatsanwaltes in der vergangenen Woche in Istanbul in sozialen Medien. Zuvor hatte Ankara bereits einige Zeitungen ins Visier genommen.


Deutsch Türkische Nachrichten

Nach der Verschärfung der Internetkontrolle in der Türkei haben die Behörden erneut die Videoplattform YouTube und den Kurzmitteilungsdienst Twitter gesperrt. Der Leiter der Behörde für Informationstechnologie, Tayfun Acarer, bestätigte die Blockade am Montag. Hintergrund ist die Veröffentlichung von Fotos von der Geiselnahme eines Staatsanwalts in sozialen Medien.

Acerer sagte der Zeitung «Hürriyet», das soziale Netzwerk Facebook sei nur kurzzeitig von der Sperre betroffen gewesen. Das türkische Verfassungsgericht hatte im vergangenen Jahr Blockaden von Twitter und YouTube wieder aufgehoben.

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Ehemalige Zeugin Jehovas: Aussteiger landen auf dem Sozialamt oder auf dem Friedhof

Das Missionieren spielt bei den Zeugen Jehovas eine wichtige Rolle dpa
„Wer es schafft, den Zeugen Jehovas zu entkommen, landet entweder in der Sucht, beim Sozialamt oder auf dem Friedhof“: Das sagt eine Aussteigerin über die umstrittene Religionsgemeinschaft. Sie wurde als Zeugin Jehovas geboren – und schildert nun ihren schmerzvollen Weg in ein normales Leben.


FOCUS ONLINE

Pamela Jäckle kam als Kind zweier Zeugen Jehovas zur Welt. Jener Religionsgemeinschaft, die glaubt, dass das Ende der Welt kurz bevorsteht. Und dass nur die Zeugen Jehovas dieses Ende, das sie Harmagedon nennen, überleben werden.

„Ich lebte nur, um Harmagedon zu überleben und ins Paradies zu kommen“, sagte die heute 44-Jährige Jäckle der Schweizer Nachrichtenseite „Watson“ in einem Interview. Sie war Anfang zwanzig, als sie die Religionsgemeinschaft, die viele als Sekte bezeichnen, verließ.

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Sind manche Menschen prädestiniert, gläubig zu sein? Dodo Bonelli antwortet

Raphael_M_BonelliSie suchen Antworten auf Lebensfragen. Seit vielen Jahren berät Psychiater Prof. Dr. Raphael Bonelli Menschen in Grenzfragen zwischen Psychiatrie und Religion. Ab sofort können Sie ihm eine Frage via Email stellen. In regelmäßigen Abständen wird der Wiener Mediziner vielleicht auch Ihre Frage beantworten. Die Fragen werden diskret behandelt und anonymisiert auf http://www.kath.net veröffentlicht. Schreiben Sie noch heute in möglichst kurzer Form Ihre Frage an bonelli@kath.net Schon morgen könnten Sie darauf eine Antwort bekommen.


kath.net

Sehr geehrter Herr Professor,

ich habe den Eindruck, dass manche Menschen (mich eingeschlossen) besonders sensibel und offen für religiöse, existentielle Fragen sind, andere hingegen eben nicht. Ich kann dies an meinen neun Geschwistern beobachten, die alle dieselbe katholische Erziehung der Eltern erhalten haben, aber dennoch – scheinbar ihrer Natur wegen – unterschiedlich den Glauben an sich heranlassen.

Mein zweiter Eindruck ist jedoch, dass die Offenheit für ebensolche Fragen und das dringende Bedürfnis nach Antwort Voraussetzung ist, einen tiefen und überzeugten Glauben zu entwickeln. Bedeutet das dann nicht, dass manche Menschen prädestiniert sind gläubig zu sein, andere aber nicht? Hier meine konkrete Frage: Wie stark ist der Zusammenhang zwischen bestimmten psychischen Gegebenheiten und Gläubigkeit? Wo beginnt Glaube, wo hört Psyche auf? XY

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David Cameron im Gotteswahn

David Cameron (2010), Bild: wikimedia.org/OGL
Cameron lobt Kirche als „lebendige, aktive Kraft“ – Glaube motiviere Menschen, Gutes für andere zu tun


kathweb

Der britische Premierminister David Cameron ist „stolz“ auf die christlich Prägung Großbritanniens. Cameron lobte in seiner „Osterbotschaft“ die Kirche als „lebendige, aktive Kraft“, die großartige Arbeit für Arme und Obdachlose mache. „Der Glaube der Menschen motiviert sie, Gutes für andere zu tun“, so Cameron.

Dies werde etwa bei Suppenküchen oder Hilfsangeboten für Obdachlose deutlich, die von Kirchen organisiert werden. Ostern biete einen guten Anlass, darüber nachzudenken, was das Christentum Großbritannien gebracht habe.

Der Premierminister rief dazu auf, auch die Christen in anderen Teilen der Welt nicht zu vergessen, die aufgrund ihres Glaubens verfolgt oder sogar ermordet würden.

„Theologe“ Spaemann kann ohne Gott nichts denken – der Arme

Robert.SpaemannDie christliche Religion war für den Philosophen Robert Spaemann stets ein wichtiger Bezugspunkt. Ein Gespräch über Ostern, die Wunder des Glaubens und die Frage, wo Gott in Auschwitz war.


Robert Spaemann im Gespräch mit Joachim Scholl|Deutschlandradio Kultur

Robert Spaemann ist einer der letzten großen philosophischen Zeitzeugen des 20. Jahrhunderts. Geboren 1927, hat er sich durch zahlreiche Bücher und Schriften als Gelehrter wie als engagierter Intellektueller etabliert, der auch entschieden zu politischen Tagesfragen Stellung nimmt. Dabei ist der christliche Glaube der wichtigste Bezugspunkt: Robert Spaemann ist überzeugter Christ und bekennender Katholik, für den Religiosität und kritische Philosophie keine Gegensätze darstellen. In „Sein und Streit“ unterhalten wir uns mit Robert Spaemann über Ostern, die Wunder des Glaubens und die Frage, wo Gott in Auschwitz war.

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„Zwangspsychiatrie und Zwangsbetreuung sind mit der UN-Behindertenkonvention unvereinbar“

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Rene Talbot über die UN-Behinderten-Konvention und die Frage, warum psychiatrische Gewalt in Deutschland weiterhin praktiziert wird.


Von Peter Nowak|TELEPOLIS

Ende März wurde die Umsetzung der UN-Behindertenkonvention erstmals vor dem UN-Fachausschuss geprüft. Dabei ging es auch um die Frage, wie weit die in Deutschland praktizierten psychiatrischen Zwangsmaßnahmen und der Zwangsbetreuungen mit der UN-Konvention vereinbar sind. Organisationen der Zivilgesellschaft in Deutschland haben sich zu der BRK-Allianz für einen „Koordinierten Parallelbericht“ zusammengeschlossen. Peter Nowak sprach mit Rene Talbot vom Landesverband Psychiatrieerfahrener Berlin-Brandenburg über die Anhörung und die Frage, warum psychiatrische Gewalt in Deutschland weiterhin praktiziert wird.

Sie konnten die Anhörung des UN-Fachausschuss für die Rechte der Menschen mit Behinderungen verfolgen, der am 26. und 27. März den deutschen Staatenbericht zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (BRK) in Deutschland geprüft hat. Welche Probleme hat der Ausschuss angesprochen?

René Talbot: Von den vielen Fragen und Problemen, die in dieser 13. Sitzung des Komitees in Genf angesprochen wurden, will ich mich auf die beschränken, die mit der gemeinsamen Eingabe der beiden bundesweiten Organisationen Psychiatrie-Erfahrener an das Komitee zu tun haben. Dabei geht es um einen zentralen Punkt in der BRK, den Artikel 12, in dem die gleiche Anerkennung vor dem Recht festgeschrieben ist. Dessen Absatz 2 lautet: „Die Vertragsstaaten anerkennen, dass Menschen mit Behinderungen in allen Lebensbereichen gleichberechtigt mit anderen Rechts- und Handlungsfähigkeit genießen.“

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Mullah-Omar-Biographie soll Anwanderung zu IS stoppen

Mullah Omar wurde seit dem US-geführten Einmarsch in Afghanistan 2001 in der Öffentlichkeit nicht mehr gesehen© Picture Alliance/Associated Press
Seit 2001 hat sich der Anführer der Taliban, Mullah Omar, nicht mehr öffentlich gezeigt. Die Islamisten berichten nun im Internet über das Leben von Omar – und dementieren Gerüchte um seinen Tod.


stern.de

Die afghanischen Taliban haben auf ihrer Internetseite eine detailreiche Biografie ihres Anführers Mullah Omar veröffentlicht. Offenbar reagierten die Islamisten damit auf die Abwanderung von Talibanrebellen zu den Dschihadisten des Islamischen Staats (IS).

In dem Text wird zugleich Spekulationen entgegengetreten, Omar könne bereits tot sein. Es heißt dort, der Militärkommandeur werde vom „Feind“ unablässig verfolgt, setzte aber davon unbeeindruckt seine „dschihadistischen Aktivitäten“ gegen die „ungläubigen ausländischen Invasoren“ fort.

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Türkei: Liken als Straftat

Bild: Enoc vt/CC-BY-SA-3.0
27 Monate Gefängnis auf Bewährung, weil ein Journalist einen angeblich Erdogan beleidigenden Kommentar geliked hat.


Von Florian Rötzer|TELEPOLIS

Wie Hürriyet berichtet, tobt seit 3. April auf Twitter eine politische Schlacht zwischen regierungsfreundlichen und –kritischen Trollen. Die türkische Regierung hatte nach den Gezi-Protesten an die 6.000 Trolle beauftragt, für die richtige politische Stimmung zu sorgen und Kritiker mundtot zu machen. Um diese Zeit beschuldigte der damalige Regierungschef Erdogan auch die Anhänger von Gülen, über falsche Accounts in Twitter die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Nun sollen Gülen-Anhänger, denen sich andere Regierungskritiker angeschlossen haben, viele Accounts der offenbar zahlenmäßig unterlegenen „AK Trolle“ in einem „spamming war“ lahmgelegt haben.

Nato-Partner Türkei nimmt unter Präsident Erdogan im Vorlauf zu den Wahlen im Juni immer autoritärere Strukturen an (Erdoğan hat sein persönliches nationales Überwachungszentrum). Eben hat der Präsident das neue Polizeigesetz unterschrieben, das die Befugnisse der Sicherheitskräfte erweitert, um so etwaige Demonstrationen wie die Gezi-Proteste zu verhindern oder schnell zu unterbinden. Die Polizei kann ohne richterliche Genehmigung Verdächtige länger festhalten, sie ist ermächtigt, auch bei Demos Schusswaffen gegen diejenigen einzusetzen, die Molotowcocktails oder Ähnliches verwenden, die Strafen wurden deutlich verschärft, auch wer nur teilweise vermummt ist, kann mit bis zu 5 Jahren Gefängnis bestraft werden. Zudem darf die Polizei weitgehend nach eigener Willkür ohne richterliche Genehmigung abhören.

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Grenze zu IS-Gebiet: „Wer will kann rüber“

Schmuggler haben leichtes Spiel am Grenzübergang im südosttürkischen Akcakale. Foto: dpa
Die Türkei versichert, sie gehe gegen westliche Dschihadisten vor, die nach Syrien wollen. Doch die Grenze zum IS-Gebiet ist schlecht gesichert. Schmuggler überwinden sie in wenigen Minuten – unter den Augen der Polizei.


Frankfurter Rundschau

Ahmed Ali steht am Grenzübergang im südosttürkischen Akcakale. Auf der syrischen Seite, in Tell Abjad, herrscht die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Aus Tell Abjad kommt Ahmed, dort will er jetzt wieder hin. Einen Ausweis hat der 18-Jährige nicht, und der Übergang ist nur für Flüchtlinge geöffnet, die zurück nach Syrien wollen. «Ich gehe hin und her», sagt Ahmed. «Ich gehe illegal.» Wann er das nächste Mal nach Tell Abjad wolle? «Ich gehe jetzt», sagt der Schmuggler dem deutschen Reporter in Akcakale. «Du kannst zuschauen.»

Prompt geht Ahmed mit einem Freund los, der einen Drahtschneider hat. Beide laufen weg vom Grenzübergang Richtung Osten, wo eine Armeestellung zu sehen ist. «Was macht Ihr?», ruft ein Grenzpolizist, es wirkt, als sei der müde Protest vor allem der Anwesenheit des Reporters geschuldet. Zumindest bewegt sich der Polizist keinen Deut, obwohl Ahmed und sein Freund weiterlaufen, parallel zum Grenzzaun.

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PEGIDA und die Allianz der Islamophoben

Lutz Bachmann holt sich Verstärkung: vom rechten Rand überall in Europa | Getty
„Man muss sich immer selbst ein Bild von den Dingen machen“, sagt Geert Wilders. Im österreichischen Nachrichtenmagazin „Profil“ wird der strohblonde Rechtsaußen der niederländischen Politik nach seinem geplanten Besuch bei Pegida gefragt und auch nach dem „Hitler-Bärtchen-Selfie“ von Pegida-Chef Lutz Bachmann. „Das war sehr dumm von ihm. Aber wir machen alle Fehler.“  


Von Martin Fischer|The Huffington Post

Wilders kann von Erfolgen nur noch träumen

Am Montag kommender Woche soll Wilders in Dresden bei Bachmanns selbst ernannten „Patriotischen Europäern gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) sprechen. Bis zu 30.000 Teilnehmer erhoffen die sich von dem Besuch – wie zu Hochzeiten, auch wenn sich zuletzt immer weniger Menschen dem montäglichen „Abendspaziergang“ durch die Dresdner Innenstadt anschlossen. Für die Polizei wird es ein weiterer Großeinsatz.

Wilders, dessen Partei Die Freiheit in letzter Zeit nur noch von früheren Erfolgen träumen kann, steht in den Niederlanden seit 2004 unter Polizeischutz. Wegen islamfeindlicher Äußerungen. Er sieht im Islam eine „kranke Ideologie“ und vergleicht den Koran mit Hitlers „Mein Kampf“.

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Säkularisierung und Frieden

George Jacob Holyoake, Bild: wikimedia.org/PD
Der britische Religionskritiker George Jacob Holyoake prägte 1851 den Begriff „secularism“, um den es hier ausdrücklich nicht geht.
Vielmehr geht es um ein logisches Prinzip: Die Grenzziehung zwischen dem zum Klerus gehörenden „Klerikalen“ und dem weltlichen „Säkularen“. Meine These ist, dass erst die Möglichkeit, diese Unterscheidung überhaupt zu denken, die Möglichkeit eines gedeihlichen und auch (religions-)kriegsfreien Miteinanders schafft.


Von Werner Hager|IBKA

Die Autonomie der Politik, ihre Eigengesetzlichkeit, kann auch erst gedacht werden, wenn sie zumindest als nicht identisch zu Moral und damit historisch zu zuerst religiösen Moralvorstellungen gedacht werden kann. Eine Kritik der Politik und damit von Macht und Herrschaft – auch materiell durch die Monopolisierung der Gewaltanwendung – kann so rational erfolgen. Irrationale Kritik der Politik ruft meist den Common Sense an, verarbeitet intellektuell seine Widersprüche nicht und lebt diese dann gewalttätig aus.

Ich verstehe unter Frieden die nichtgewaltförmige Aushandlung von Konflikten, insbesondere den Verzicht auf Kriege. Auch in der bestehenden kapitalistischen Welt wäre eine derartige friedliche Entwicklung möglich, ohne dass hierdurch die Möglichkeit zur Infragestellung von Herrschaft unmöglich wird.

Der erste säkulare Schritt ist es, den anderen Menschen anzuerkennen, ihn nicht nur als Anders- oder Nichtgläubigen, sondern als zur Rationalität fähiges Wesen zu sehen. Als ein Wesen, mit dem Verträge geschlossen werden können. Dies ist ein reziprokes Verhältnis: Der andere muss denselben Prozess durchmachen.

Ist dieser Schritt einmal gegangen, bildet sich die Möglichkeit, auf rationaler Basis ein Gesellschaftssystem zu denken und gleichzeitig zu entwickeln, denn der gemeinsame Konsens ist geschaffen.

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Selbst Apple war begeistert: Krebskranke erlebt Wunderheilung – alles gelogen!

Das Logo von „The Whole Pantry“. Unter diesem Markennamen veröffentlichte Belle Gibson eine App und ein Kochbuch mit Gesundheitstipps und Rezepten. Screenshot Twitter/TheWholePantry
Statt mit den Mitteln der Schulmedizin will eine junge Australierin ihre Krebserkrankung mit einem gesunden Lebensstil geheilt haben. Menschen aus aller Welt fieberten mit – Apple flog sie nach Kalifornien. Doch nicht nur die wundersame Heilung, auch die Krankheit waren frei erfunden.


FOCUS ONLINE

  • Krebskranke Australierin macht Karriere mit Gesundheits-App
  • Behauptet, gesunder Lebensstil habe sie geheilt
  • Krankheit war erlogen

Belle Gibson sieht aus wie das blühende Leben. Mit 23 Jahren ist das eigentlich nichts Ungewöhnliches, doch die Mutter eines Sohnes hat eine schwere Krebserkrankung mit Tumoren im Gehirn, der Milz, der Gebärmutter und der Leber sowie drei Herzoperationen hinter sich. Als Chemo- und Strahlentherapien erfolglos verlaufen waren, ließ sich die junge Frau nicht entmutigen – und versuchte, mit gesunder Ernährung, Sauerstoffinhalation, Darmspülungen und indischer Ayurveda-Medizin gegen ihr Schicksal anzukämpfen. Mit Erfolg, wie sie behauptete.

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Vinzi-Pfarrer Pucher: „Geiz ist Geil“ ist Sünde

Bild: magenta.de
Scharfe Kritik am Konsumverhalten in den reichen Industrieländer hat Vinzi-Pfarrer Wolfgang Pucher geübt. Das oft vorherrschende Prinzip „Geiz ist Geil“ bezeichnete Pucher in einem Interview mit der Tageszeitung „Presse“ (Sonntag) als Sünde. „Wenn ich, obwohl ich es mir leisten könnte, nicht Dinge kaufe, die zwar etwas teurer sind, aber andere Menschen schützen, dann ist das eine Sünde“, so Pucher wörtlich. „Shoppen“ heiße, „ich brauche gar nichts, aber habe so viel Geld, dass ich schauen muss, ob ich etwa für mein Geld finde“.


kathweb

Der Armenpfarrer forderte zu einem Nachdenken im Konsum auf, denn oft werde übersehen, „dass wir uns unseren Luxus nur leisten können, weil für uns fern von uns Sklaven arbeiten, die im Elend sind“. Dadurch seien wir in die „verdammte Pflicht“ gerufen, dort, wo es Berührungspunkte mit diesen Menschen gibt, Solidarität zu üben; „diesen Sklaven, sofern sie es schaffen, zu uns zu kommen, eine Chance zu geben“.

Die Wirtschaft sieht Pucher durch einen Rückgang im Konsum nicht in Gefahr. Schließlich gehe es nicht um ein „schwarz-weiß“-Denken sondern um eine Grundeinstellung, die nicht sofort Verzicht auf Alles bedeute, sondern zu einem ethisch reflektierten Konsum auffordere. Der Trend müsse weggehen von einer Logik, die alles, das leistbar ist, auch als kaufbar befindet. „Es gibt eine Verantwortung vor Gott und Menschen.“

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CDU: Unsicherheiten beim NPD-Verbotsantrag

Themenbild. telegraph.co.uk
CDU-Bundesvorsitzende Julia Klöckner mahnt: „Verbotsverfahren nicht um jeden Preis“


Von Thomas Pany|TELEPOLIS

Die Brandstiftung in derAsylbewerberunterkunft in Tröglitz, wo der Rücktritt des Bürgermeisters einige Wochen zuvor Schlagzeilen machte, weil er ihn mit Drangsalierungen seitens der NPD begründete, hat das Verbot der rechtsextremen Partei offensichtlich neu in die öffentliche Aufmerksamkeit gebracht.

Laut einer Nachrichtenagentur-Meldung äußerten sich die Innenpolitiker mehrerer Länder am Osterwochenende zum Stand der Dinge beim NPD-Verbotsantrag. Ende März hatte das Bundesverfassungsgericht einen Beschluss veröffentlicht, der die Länder dazu aufforderte, bis 15.Mai noch mehr Beweise vorzulegen.

Insbesondere wurden die Länder aufgefordert, auf die Quellen des Antrags aufzupassen. Die Richter verlangten von den Antragsstellern, dass sie genau belegen, auf welche Weise sichergestellt wird, dass keine von Nachrichtendiensten gewonnenen Informationen zum Verbotsantrag verwertet werden. Damit stellte sich Skeptikern die Frage, ob auch das zweite Verbotsverfahren gegen die rechtsextreme NPD an der Problematik der V-Leute zu scheitern könnte.

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Künstliche Befruchtung: Polens Kirche droht Abgeordneten mit Ausschluss

kirche_polenPolens Parlament soll über ein Gesetz abstimmen, das die künstliche Befruchtung regelt. Nun droht die Kirche Abgeordneten, die dafür stimmen, den Ausschluss vom Abendmahl an – also den Rauswurf.


Von Jörg Winterbauer|DIE WELT

Die Abgeordnete der liberal-konservativen Partei Bürgerplattform (PO), Marzena Okła-Drewnowicz würde man in Deutschland wohl als Vorzeigekatholikin bezeichnen. Sie geht jeden Sonntag in die Kirche, und auch in ihren politischen Ansichten orientiert sie sich an deren Lehre. So ist sie zum Beispiel gegen die Homo-Ehe und die Adoption von Kindern durch homosexuelle Paare.

Trotzdem könnte sie schon bald den Zorn der Kirche zu spüren bekommen. Denn nach Ostern soll in Polen über ein Gesetz abgestimmt werden, das die derzeit unklare Rechtslage bei der In-vitro-Fertilisation, also der künstlichen Befruchtung im Reagenzglas, regelt. Diese soll unter bestimmten Bedingungen zugelassen werden. Okła-Drewnowicz will für das Gesetz stimmen. Und dadurch droht sie plötzlich zur geächteten Ketzerin zu werden. Im schlimmsten Fall könnte sie sogar aus der Kirche ausgeschlossen werden.

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