Erwachsenentaufe: Sie wollte, dass Gott sie segnet


Bild: wikimedia.org/CC-BY-SA-3.0
Mit 33 ließ sich Julia taufen. Davor hatte sie lange gesucht. In leeren Kirchen und esoterischen Ratgebern. Es war schmerzhaft, in den Glauben zu wachsen.


Von Wibke Becker|Frankfurter Allgemeine

Die Taufe war für Julia eine Befreiung. An diesem Tag hat sie die Fesseln der anderen abgeschlagen, die sich immer und immer weiter um sie geschlungen hatten. Die bestimmten, was sie zu glauben hatte. Und auf welche Weise. Welcher Gedanke richtig war, welches Verhalten angemessen. Julia wollte unabhängig von diesen anderen sein, sie wollte selbst spüren und entscheiden. Vor der Taufe fühlte sie, dass der liebe Gott sich auf sie freute. Ja, da war auch noch die Angst in ihrer Brust, sie hatte so lange dort gesessen. Die Angst ließ sich nicht einfach abschlagen. Sie flüsterte: Du machst Fehler, du hast keine Ahnung. Du kennst die Regeln nicht.

Du gehörst nicht dazu.

Aber als dann das Taufwasser Julias Stirn berührte und die Menschen in der Kapelle gemeinsam sangen, da fiel die Angst mit einem Mal von ihr. Freudentränen liefen ihre Wangen herunter. Mit 33 Jahren wurde sie katholisch. Sie sagt, es war der schönste Tag in ihrem Leben.

Eine Erwachsenentaufe ist eine Zäsur. Sie bedeutet ein neues Leben. Aber nur das alte führt dorthin. Und anders als bei jungen Täuflingen ist das alte Leben oft ein einziger Kampf. Es ist schmerzhaft, in den Glauben hineinzuwachsen.

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