Hans Joas: Westen hat kein Monopol auf Menschenrechtsidee


Hans Joas, 2014, Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0
Wesentliche Autoren der UN-Grundrechtecharta von 1948 seien ein Chinese und ein christlicher Araber gewesen, erinnert der Freiburger Religionssoziologe Joas im Deutschlandfunk-Interview


kathweb

Der deutsche Sozialphilosoph Hans Joas will dem Westen nicht das Exklusivrecht auf die Entwicklung der Menschenrechte zubilligen. Wesentliche Autoren der UN-Grundrechtecharta von 1948 seien ein Chinese und ein christlicher Araber gewesen, sagte der Freiburger Religionssoziologe am Montag im Deutschlandfunk. Der Text sollte nach den Vorstellungen der Autoren gerade nicht Produkt einer westlichen Tradition sein. Joas kritisierte zugleich, dass viele Menschen zu Abstrichen bei den Menschenrechten bereit seien, wenn es zu Konflikten etwa mit der nationalen Sicherheit komme.

Bei der Entstehung von philosophischen, religiösen und ethischen Vorstellungen über die Menschheit könne der Westen keine Monopolstellung beanspruchen, sagte Joas. Auch im Buddhismus und Konfuzianismus gebe es solche Ideen. Der Philosoph wandte sich auch gegen Vorstellungen, es gebe eine klare Linie des Denkens in dieser Frage von der griechischen und römischen Antike über Juden- und Christentum bis zu den internationalen Menschenrechtsabkommen im 20. Jahrhundert: Zwar habe im 18. Jahrhundert in Europa und Nordamerika eine Transformation religiöser und philosophischer Ethiken in staatsbürgerliche Rechte und erste Menschenrechtserklärungen stattgefunden, erläuterte er. Im westlichen Verständnis im 18. Jahrhundert sei die Verankerung von Menschenrechten aber ohne Weiteres mit der Institution der Sklaverei vereinbar gewesen.

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