Säkularisierung und Frieden


George Jacob Holyoake, Bild: wikimedia.org/PD
Der britische Religionskritiker George Jacob Holyoake prägte 1851 den Begriff „secularism“, um den es hier ausdrücklich nicht geht.
Vielmehr geht es um ein logisches Prinzip: Die Grenzziehung zwischen dem zum Klerus gehörenden „Klerikalen“ und dem weltlichen „Säkularen“. Meine These ist, dass erst die Möglichkeit, diese Unterscheidung überhaupt zu denken, die Möglichkeit eines gedeihlichen und auch (religions-)kriegsfreien Miteinanders schafft.


Von Werner Hager|IBKA

Die Autonomie der Politik, ihre Eigengesetzlichkeit, kann auch erst gedacht werden, wenn sie zumindest als nicht identisch zu Moral und damit historisch zu zuerst religiösen Moralvorstellungen gedacht werden kann. Eine Kritik der Politik und damit von Macht und Herrschaft – auch materiell durch die Monopolisierung der Gewaltanwendung – kann so rational erfolgen. Irrationale Kritik der Politik ruft meist den Common Sense an, verarbeitet intellektuell seine Widersprüche nicht und lebt diese dann gewalttätig aus.

Ich verstehe unter Frieden die nichtgewaltförmige Aushandlung von Konflikten, insbesondere den Verzicht auf Kriege. Auch in der bestehenden kapitalistischen Welt wäre eine derartige friedliche Entwicklung möglich, ohne dass hierdurch die Möglichkeit zur Infragestellung von Herrschaft unmöglich wird.

Der erste säkulare Schritt ist es, den anderen Menschen anzuerkennen, ihn nicht nur als Anders- oder Nichtgläubigen, sondern als zur Rationalität fähiges Wesen zu sehen. Als ein Wesen, mit dem Verträge geschlossen werden können. Dies ist ein reziprokes Verhältnis: Der andere muss denselben Prozess durchmachen.

Ist dieser Schritt einmal gegangen, bildet sich die Möglichkeit, auf rationaler Basis ein Gesellschaftssystem zu denken und gleichzeitig zu entwickeln, denn der gemeinsame Konsens ist geschaffen.

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