Über die Sehnsucht nach moralischer Überlegenheit


© Fengel
Von Zeit zu Zeit erreichen mich solche Briefe, die Autoren verzichten in der Regel auf eine Anrede.


Von Harald Martenstein|ZEIT ONLINE

„Ich glaube, du bist ein Faschist. Diese soup question aus der sich deine erbärmliche Existenz speist, wie du es schaffst mit deinem Gefasel selbst die ZEIT zu infiltrieren in der so respektable Persönlichkeiten wie Fischer und v. Randow relevante Beiträge zur gesellschaftlichen Entwicklung publizieren, da generierst du Mittel aus Beiträgen, derer sich selbst Bild schämen müsste. Warum kehrst du nicht den Hof, vielleicht kannst du wenigstens das und ersparst uns deine vermeintlich philosophischen Ergüsse. Ich meine es nur gut, jeder dort, wo er hingehört.“

Lieber Harald S., zuerst möchte ich Ihnen gratulieren, weil Sie diesen Brief unter Ihrem echten Namen abgesandt haben. Nicht jeder Ihrer Gesinnungsgefährten hat so viel Mumm. Ich habe mir Ihr Profil im Internet angeschaut. Sie sind, unser gemeinsamer Vorname deutet ja darauf hin, nicht mehr der Jüngste. Wir haben beide die gleiche Frisur. Sie mögen, wie ich, coole Sonnenbrillen. Würden wir uns sympathisch finden, wenn wir uns zufällig kennenlernen? Nicht auszuschließen. Manchmal mag man Menschen, obwohl sie anders denken als man selbst. Lassen Sie diesen Gedanken ruhig zu.

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