Feminismus ist etwas für Unterprivilegierte

Foto: picture alliance / Geisler-Fotop Der Feminismus hat sich selbst abgeschafft: Jetzt müssen sich die Frauen selbst kümmern und nicht mehr nur aus Prinzip quengeln. Das findet auch dieser Gegendemonstrant auf dem Frauenkampftag in Berlin
Ich bin keine Feministin, ich bin Egoistin. Ich weiß nicht, ob „man“ im Jahr 2015 in Deutschland den Feminismus braucht, ich brauche ihn nicht. Er ekelt mich eher an. Feminismus klingt für mich ähnlich antiquiert wie das Wort Bandsalat.


Von Ronja Larissa von Rönne|DIE WELT

Ich habe einfach selbst noch nie erlebt, dass Frausein ein Nachteil ist. In einem Land, in dem der mächtigste Mensch eine Vagina hat, wird „Frauenquote“ für mich immer ein bisschen nach Vorteilsbeschaffung riechen. Das Gendern der Sprache finde ich ausgesprochen hässlich. Wenn Firmen ihre Produkte mit nackten Frauen bewerben, halte ich das für gerechtfertigt, offensichtlich gibt es ja den Markt dazu. Ich finde den Hashtag #aufschrei albern. „Ein Mann sagte mir, ich könnte gut ein Dirndl ausfüllen“ halte ich für einen etwas mageren Plot für ein ganzes Buch. Ich möchte lieber keine Feministin sein.

„Aber du musst doch mal an die anderen denken!“, flötet mir der Feminismus zu. „All die alleinerziehenden Mütter, all die Frauen, die immer noch unterbezahlt werden.“ Das irritiert mich. Früher hat sich der Feminismus doch durchgesetzt, weil die Frauen, die mürrisch auf die Straße gingen, selbst betroffen waren. Sie kämpften nicht für eine obskure dritte Instanz, sondern für sich selbst. Mittlerweile ist der Feminismus eine Charityaktion für unterprivilegierte Frauen geworden, nur noch Symptom einer Empörungskultur, die sich fester an die Idee der Gleichheit klammert als jedes kommunistische Regime.

Gleichheit und Gerechtigkeit ist für den Feminismus ein Fünfzig-Prozent-Frauenanteil, außer bei Scheißjobs. Wenn insgesamt mehr Männer als Frauen mit Buchpreisen ausgezeichnet werden, ist mir das völlig egal. Mir ist mein Glück wichtig. Dafür kämpfe ich. Nicht für die Planwirtschaft einer Fünfzig-Prozent-Ideologie.

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Hilfswerk Care warnt vor humanitärer Katastrophe im Jemen

Themenbild.
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Die Hilfsorganisation Care ist besorgt über die Lage der Zivilbevölkerung im Jemen. Nach einer Woche andauernder schwerer Kampfhandlungen könnte sich die bereits seit langem fragile Situation im Land in eine schwere humanitäre Katastrophe ausweiten, warnte Care am Mittwoch in Bonn.


evangelisch.de

Besonders besorgniserregend sei die Situation im Süden, wo willkürlich abgefeuerte Geschosse unschuldige Menschen töteten, berichtete Länderdirektor Daw Mohamed. „Die Infrastruktur ist kollabiert und der Zugang zur Zivilbevölkerung blockiert.“

Care appellierte an die Konfliktparteien, das Leben von Zivilisten zu schützen und den Zugang für humanitäre Hilfe zu sichern. Die Zahl der Zivilisten, die getötet, verletzt oder vertrieben wurden, steige dramatisch, hieß es. Der Zugang zu den Hilfsbedürftigen sei schwierig, da viele Straßen und Brücken blockiert und alle Häfen sowie Flughäfen geschlossen seien. Aufgrund des teilweise gesperrten Luftraumes sei es extrem schwierig, Hilfsgüter ins Land zu bringen. Viele Krankenhäuser seien zerstört worden oder unzugänglich.

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Bereits vor den jüngsten Entwicklungen waren nach Care-Angaben über 60 Prozent der Bevölkerung im Jemen, dem ärmsten Land am Arabischen Golf, auf Hilfe zum Überleben angewiesen. Mehr als 800.000 Kinder sind demnach von schwerer Mangelernährung betroffen.

Dietrich Bonhoeffer: Ein Diener der Kirche

Am 09. April vor 70 Jahren wurde mit Dietrich Bonhoeffer einer der bekanntesten protestantischen Widerstandskämpfer von den Nazis ermordet Foto: Gütersloher Verlagshaus
Am 9. April jährt sich der Todestag Dietrich Bonhoeffers zum 70. Mal. Der amerikanische Theologe Charles Marsh hat sich in einer neuen Biografie intensiv mit dem Widerstandskämpfer und dessen Lebensgeschichte beschäftigt. Er kommt zu dem Ergebnis, dass Bonhoeffers Leben keineswegs so geradlinig und ungebrochen verlaufen ist, wie es oft dargestellt wird.


Von Johannes Weil|pro Medienmagazin

Als sechstes von acht Kindern kommt Bonhoeffer am 4. Februar 1906 in Breslau zur Welt. Sein Vater Karl ist ein angesehener Psychologe, was der Familie Wohlstand ermöglicht. Dietrich Bonhoeffer ist sechs Jahre alt, als sein Vater einen Ruf an die Universität in Berlin erhält. In Grunewald genießen die Bonhoeffers die ländliche Atmosphäre, gepaart mit den Annehmlichkeiten der Stadt. Die Mutter Paula unterrichtet die Kinder in den ersten Jahren zu Hause. Sie sorgt auch für die christliche Erziehung, während der Vater sich von religiösen Fragen fernhält.

Gott will nicht, dass der Mensch sich fürchtet

Marsh stellt Bonhoeffer als jemand vor, der früh damit beginnt, sich mit Fragen über Tod und Ewigkeit auseinanderzusetzen. Dazu trägt auch der frühe Tod seines Bruders Walter im Ersten Weltkrieg bei. Schon als Kind habe sich Dietrich die Ewigkeit vorgestellt, die ihn faszinierte. Als Pfarrer predigte er später, dass Gott nicht wollte, dass der Mensch sich fürchtet. Bonhoeffer musste sich seinen Platz unter den vielen begabten Geschwistern erobern. Er selbst hatte ein Faible für Musik und Theater. Der Privilegien seiner Familie war er sich bewusst.

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„Homosexualität ist eine Sünde“ – die dubiosen Schwulenheiler in der evangelischen Kirche

„Homosexualität ist eine Sünde“ – die dubiosen Schwulenheiler in der evangelischen Kirche | NDR/YouTube
Es waren erschreckende Eindrücke, die NDR-Journalist Christian Deker vor etwa einem Jahr schilderte. In seiner Reportage „Die Schwulenheiler“ begab sich Deker für das ARD-Magazin „Panorama“ in Deutschlands dunkelste homophobe Winkel. Unter anderem traf der damals 32-Jährige christliche Ärzte, die Homosexualität als Krankheit sehen – und Heilung versprachen. 


Von Christoph Asche|The Huffington Post

Einer der Mediziner, die Deker im Zuge der Recherche aufsuchte, verglich seine Therapie damals gar mit einer „Dämonenaustreibung“. „Ich weiß, der Geist der Homosexualität muss ausgetrieben werden, dann ist man geheilt“, sagte der Arzt.

Homosexualität als Sünde, die sich therapieren lässt?

Deker hat weiterrecherchiert – und zeigt in seiner jüngsten Reportage („Die Schwulenheiler 2“), dass nicht nur christliche Hardliner Homosexualität ablehnen. Auch in den evangelischen Landeskirchen herrscht mitunter die Meinung, dass Homosexualität eine Sünde sei, die sich therapieren lasse.

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Erzbischof: Versöhnung Christen-Sunniten in Mossul unmöglich

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Mossuler syrisch-katholischer Erzbischof Moshe: Christen hatten unter Saddam Hussein zwar keine vollen Rechte, lebten aber in Sicherheit – „Jetzt sind wir vogelfrei“


kathweb

Der syrisch-katholische Erzbischof von Mossul, Yohanna Petros Moshe, fordert Hilfe für Christen im Irak. „Wenn die Amerikaner und die Vereinten Nationen schon zugelassen haben, dass wir vertrieben, verschleppt und ermordet werden, dann sollen sie uns wenigstens ein sicheres Gebiet zuweisen, wo wir gemeinsam weiterleben können – statt zerrissen zu werden“, sagte er im „ZEITmagazin“ (Donnerstag). Unter Saddam Hussein hätten Christen im Irak zwar keine vollen Rechte gehabt. „Aber sie lebten in Sicherheit. Jetzt sind wir vogelfrei“, so der syrisch-katholische Bischof.

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Hygiene-Ratgeber: Türkische Religionsbehörde erlaubt Klo-Papier

Nach wie vor ist fließendes Wasser dem Toilettenpapier vorzuziehen. (Foto: Flickr/roll call by emdot CC BY 2.0)
Das Türkische Amt für Religiöse Angelegenheiten (Diyanet) hat auf Anfrage eines Bürgers erklärt, dass die Verwendung von WC-Papier nach islamischem Recht zulässig sei. Gleichzeitig wird jedoch herausgestellt: Wasser sollte nach wie vor die Hauptquelle für die Reinigung sein.


Deutsch Türkische Nachrichten

Von einem Gläubigen auf der Dini Soruları Cevaplandırma Platformu (Plattform zur Beantwortung religiöser Fragen) danach gefragt, ob es religiös koscher wäre, nach dem Toilettengang Toilettenpapier statt Wasser zu verwenden, gab die Diyanet nun grünes Licht für die Reinigungsalternative.

Die Diyanet erinnerte daran, dass es für ein religiös legitimes Gebet unbedingt erforderlich sei, den eigenen Körper, die Kleidung und den Ort, an dem das Gebet durchgeführt werde, frei von Elementen zu halten, die im Islam als unrein betrachtet werden. Die Reinigung sollte daher im Regelfall mit Wasser durchgeführt werden. Zulässig ist für die Behörde aber auch Papier, berichtet die Zeitung Radikal.

„Falls kein Wasser für die Reinigung vorhanden ist, können andere Reinigungsmittel verwendet werden. Obwohl einige Quellen Papier als Reinigungsmaterial für ungeeignet erachten, da es zum Schreiben vorgesehen ist, gibt es kein Problem bei der Verwendung von Toilettenpapier“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet aus der Erklärung der Religionsbehörde.

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G8-Gipfel im Juli 2001 in Genua: Folter in Italien jetzt vom Gericht bestätigt

Genua 2001, G8-Gipfel, Bild: machorka.espivblogs.net
Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte entscheidet gegen das Vorgehen der italienischen Polizei beim G8-Gipfel in Genua.


Von Peter Nowak|TELEPOLIS

Späte Gerechtigkeit gab es gestern für einen heute 62jährigen Globalisierungskritiker, der, wie hunderte weitere Demonstranten bei den Protesten gegen den G8-Gipfel im Juli 2001 in Genua von einer schwerbewaffneten Polizei misshandelt wurde. Er wehrte sich dagegen juristisch gewehrt und hat Erfolg.

Fast 14 Jahre später entschied der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte, dass das Agieren der Polizei Folter gewesen ist. Dem Kläger wurde ein Schadenersatz in Höhe von 45.000 Euro zugesprochen. Die italienische Regierung kann gegen das Urteil Rechtsmittel einlegen.

Der Mann hatte in der Diaz-Schule übernachtet, die in der Nacht vom 20. auf den 21. Juli 2001 von Einheiten der italienischen Polizei gestürmt wurde. Die Schlafenden wurden misshandelt und teilweise lebensgefährlich verletzt. Große Blutlachen am Boden, die Schreie der Gequälten, die Folterungen, die noch in den Polizeikasernen weitergingen, wohn die Verletzten verschleppt wurden, veranlassten auch konservative Medien zu der Frage, ob es zu einer „chilenischen Nacht“ in Genua gekommen war.

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Fremdenhass: „Die Hemmungen sind gefallen“

Markus Nierth trat als Bürgermeister von Tröglitz zurück. Wenige Wochen später brannte das Flüchtlingsheim.© Fabrizio Bensch/REUTERS
Nachwirkungen von Pegida: Politiker von CDU, SPD, Grüne und Linke beklagen Einschüchterungsversuche wegen ihrer Flüchtlingspolitik. Nicht nur in Tröglitz brauchen sie Polizeischutz.


Von Christoph Henrichs|stern.de

Der Name Tröglitz steht dieser Tage für Fremdenhass – und für die offene Hatz auf Politiker. Was in den vergangenen Wochen in der kleinen ostdeutschen Gemeinde passiert ist, hat Politiker aus ganz Deutschland erschüttert. Es ist die Eskalation eines Konflikts, der schon lange schwelt: Gegner der deutschen Flüchtlingspolitik schrecken nicht vor Gewalt zurück – und setzen demokratisch gewählte Volksvertreter gezielt unter Druck.

Markus Nierth, der ehrenamtliche, parteilose Bürgermeister von Tröglitz, steht nach seiner Kapitulation vor dem braunen Mob unter Polizeischutz. Ebenso Götz Ulrich, CDU-Landrat des Burgenlandkreises. Seine Sprecherin sagt, rechtsextreme Drohungen bekomme Ulrich erst seit den Ereignissen in Tröglitz. Die Anfeindungen habe er zumeist von anonymen Personen per E-Mail erhalten. Laut „Bild“ soll ihm darin mit Enthauptung gedroht worden sein. Die Polizei ermittelt gegen die Absender.

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Ursprung des Annama-Feuerballs geklärt

Der Annama-Feuerball raste am 19. April 2014 über die Kola-Halbinsel © Asko Aikkila
Feuriger Sturz: Vor fast genau einem Jahr verursachte ein Meteorit über der russischen Kola-Halbinsel einen weithin sichtbaren Feuerball. Er zerbrach in der Atmosphäre und hinterließ nur wenige kleinere Gesteinsbocken. Jetzt haben Forscher die Herkunft dieses Feuerballs aufgeklärt: Er stammt von einem 400 Meter großen Asteroiden, der zu den potenziell gefährlichen Erdbahnkreuzern gehört.


scinexx

Am 19. April 2014 raste ein Feuerball über den Himmel nahe der russisch-finnischen Grenze, zerbarst und verschwand schließlich über dem Annama-Fluss auf der russischen Kola-Halbinsel. Der Sturz des ursprünglich rund 500 Kilogramm schweren Brockens wurde damals nicht nur von vielen Augenzeugen beobachtet, auch die Kameras des finnischen Fireball Network zeichneten ihn auf.

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Haftstrafe für Beleidigung des Islam in Schweden

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Ein 85-jähriger Mann hat in Schweden 11 Plakate mit islamfeindlichem Inhalt aufgehängt.


TRT

In Schweden ist eine Person wegen Beleidigung des Islam zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden. Laut einer Meldung des staatlichen Radiosenders P4 wurde auf Anzeige eine 85-jährige Person, deren Name nicht genannt wurde, in Untersuchungshaft genommen, die in der Stadt Boras an öffentlichen Orten insgesamt elf Plakate mit islamfeindlichem Inhalt aufhängte. Der Mann sei wegen ‚Volksverhetzung und Beleidigung der Andersgläubigen‘ angeklagt worden und vor das Bezirksgericht Boras gestellt. Der Mann habe seine Schuld eingeräumt, jedoch habe er die Plakate im Rahmen der Meinungsfreiheit aufgehängt.

Bei der gestrigen Sitzung verurteilte das Gericht den Mann zu einem Jahr Gefängnis. Aufgrund seines hohen Alters wurde die Haftstrafe jedoch in Geldstrafe umgewandelt.

Smolensk – neue Fakten entdeckt

Geöffneter Flugdatenschreiber // (cc) Nova13 [CC BY-SA 3.0] / Wikimedia
Die von der Militärischen Staatsanwaltschaft berufenen Experten haben die Black Box-Aufnahmen des in Smolensk verunglückten Flugzeugs erneut untersucht. Dabei sind sie auf bisher unendeckten Aufnahmen gestoßen. Diese sind genauer und enthüllen neue Fakten für die Ermittlungen.


Von Dorota Rędzikowska|POLEN HEUTE

Kurz vor dem fünften Jahrestag der Flugzeugkatastrophe bei Smolensk, bei der der damalige Präsident Lech Kaczynski samt seiner Frau und 94 weiteren Personen ums Leben gekommen sind, tauchen neue Fakten zur Klärung der Ursachen der Katastrophe auf. Ein neues Expertenteam, das die Militärische Staatsanwaltschaft berufen hat, hat die Aufnahmen der Flugdatenschreiber erneut untersucht. Die Experten haben dabei bisher unbekannte Aufnahmen entdeckt.

An die neusten Ergebnisse sind die Redakteure des Radiosenders RMF FM gekommen und sie haben diese auch veröffentlicht. Durch die neuen Untersuchungen sollen bis zu 30 Prozent mehr registrierte Worte verstanden worden sein. Nun werden die alten und neuen Dokumente miteinander verglichen. So hat sich allerdings herausgestellt, dass sich im Cockpit des Tupolew-Flugzeugs in den letzten zwanzig Minuten vor der Katastrophe ständig andere Personen – außer der Besatzung – befanden.

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8. April 1965 – Vatikan richtet „Sekretariat für Ungläubige“ ein: Mit Atheisten sprechen

Kardinal Franz König (rechts) vom „Sekretariat für Ungläubige“ (links: Gläubige)
Die Kirche hat den Kontakt zur Welt verloren. Davon ist Papst Johannes XXIII. überzeugt. 1962 eröffnet er deshalb gegen alle internen Widerstände das Zweite Vatikanische Konzil. Alte Verkrustungen sollen verschwinden, die „Anpassung an das Hier und Jetzt“ wird zum Leitmotiv. Nach dem Tod von Johannes XXIII. im Jahr 1963 führt Paul VI. den Gedanken weiter.


WDR

Eine Folge des Konzils sind Sekretariate, die sich im Vatikan um den Dialog mit anderen christlichen Konfessionen und nicht-christlichen Religionen bemühen sollen. Am 8. April 1965 kommt das „Sekretariat für Ungläubige“ hinzu. Der 57-jährige Erzbischof von Wien, Kardinal Franz König, wird zu Leiter bestimmt – und ist zunächst ratlos. Was denn die Aufgaben des neuen Amtes seien, habe er Paul VI. gefragt, wird sich König später erinnern. Und der Papst „gab mir damals etwas schmunzelnd zur Antwort: ‚Tja, da wird’s am besten sein, Sie beginnen erstmal mit der Arbeit und dann wird sich das schon von selber ergeben‘.“
Gespräch auf Augenhöhe

Die Ernennung von König zum Leiter des „Sekretariats für Ungläubige“ ist eine gute Wahl. Wegen seiner Bemühungen um eine Aussöhnung zwischen der katholischen Kirche und der Sozialdemokratie in Österreich gilt der Erzbischof in seiner Heimat bereits als „roter Kardinal“; theologisch unterstützt er in den frühen 60er Jahren die Öffnung der Kirche in weltlichen Fragen und wird so zu einem entscheidenen Wegbereiter des Zweiten Vatikanischen Konzils.

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Prozess wegen Facebook-Post: Türkei wirft Korrespondentin Terrorpropaganda vor

Die Türkische Nationalversammlung "Der Souverän ist ausnahmslos das Volk" (Mustafa Kemal Atatürk) © meclishaber.gov.tr, bearb. MiG
Die Türkische Nationalversammlung „Der Souverän ist ausnahmslos das Volk“ (Mustafa Kemal Atatürk) © meclishaber.gov.tr, bearb. MiG
Weil eine niederländische Journalistin Fotos von PKK-Anhängern auf Facebook postete, klagt die Türkei sie als Terrorhelferin an. Heute beginnt der Prozess, im Falle einer Verurteilung drohen ihr bis zu fünf Jahre Haft.


SpON

Was Recht ist und was Unrecht, unterliegt in der Türkei mitunter ungeahnten Schwankungen. Die Regierung sucht die Annäherung an die Kurden, führt sogar mit der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK einen Friedensdialog. Schließlich sind im Juni Wahlen, und man will die Kurden als Wähler gewinnen oder ihre Partei HDP doch zumindest als Koalitionspartner.

Und doch: Über Kurden und ihre Belange zu schreiben, kann eine heikle Angelegenheit sein. Das bekommt in diesen Tagen die niederländische Korrespondentin Frederike Geerdink zu spüren, die seit 2006 als freie Journalistin in der Türkei arbeitet und sich auf kurdische Themen spezialisiert hat. Seit einem Jahr lebt sie als einzige ausländische Korrespondentin in der kurdischen Metropole Diyarbakir in Südostanatolien, und schreibt unter anderem für „Het Parool“ und den britischen „Independent“.

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Frankreich schickt schwulen Botschafter in den Vatikan

Laurent Stefanini, seit 2010 Chef des Protokolls der französischen Regierung, soll künftig sein Land im Vatikan vertreten Bild: Ministère des Affaires étrangères et du développement international
Mit Laurent Stefanini soll erstmals ein offen homosexueller Diplomat seinen Dienst im Zwergstaat von Papst Franziskus antreten – dort ist man wenig begeistert.


QUEER.DE

Eine Personalentscheidung der französischen Regierung sorgt für Wirbel: So soll mit Laurent Stefanini ein offen schwuler Diplomat künftig seinen Dienst als neuer Botschafter im Vatikan antreten. Kein einziger Staat weltweit hatte sich dies zuvor getraut.

Auf den derzeitigen Chef des Protokolls im französischen Außenministerium legte sich die Regierung von François Hollande bereits am 5. Januar fest – seitdem wartet man in Paris allerdings auf die Bestätigung aus dem Vatikan. Mit dem Ausscheiden von Stefaninis Vorgänger Bruno Jouvert ist die Botschafter-Position seit 1. März vakant.

Der Erzbischof von Paris, Kardinal André Vingt-Trois, billigte in einem Brief an Papst Franziskus die Entscheidung der französischen Regierung.

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Tausende Einsturzlöcher am Toten Meer

Ein Teil der Einsturzlöcher am Toten Meer ist wassergefüllt © Doron / CC-by-sa 3.0
Akute Gefahr: Rund um das Tote Meer klaffen immer mehr tiefe Löcher im Boden auf. Weil der See schrumpft, bilden sich verborgene Hohlräume im Untergrund, die plötzlich einstürzen. Rund 4.000 solcher Löcher gibt es inzwischen – und es werden täglich mehr, warnen Geologen und Umweltschützer. Eine Pipeline vom Roten Meer zum Toten Meer soll nun endlich den schrumpfenden Salzsee vor dem endgültigen Aus retten.


scinexx

Das Tote Meer ist eines der salzigsten Gewässer der Erde: Sein Salzgehalt liegt zehnmal so hoch wie im Mittelmeer, denn das aride Klima und die extreme Sonneneinstrahlung lassen das Wasser schnell verdunsten – und Nachschub fließt nur spärlich. Denn das Wasser des Jordans, seines Hauptzuflusses, wird immer stärker von den Flussanrainern verbraucht. Dadurch sinkt der Wasserspiegel des Toten Meeres heute um rund einen Meter pro Jahr – der Salzsee trocknet aus.

Und das hat fatale Folgen: Rund um das Tote Meer klaffen immer mehr tiefe Löcher im Boden auf – fast täglich kommt eine neue Doline hinzu. Diese klaffenden Spalten und Trichter sind bis zu 25 Meter tief und können 49 Meter Durchmesser erreichen. Die ersten vereinzelten Löcher dieser Art entstanden in den 1980er Jahren, doch inzwischen haben sie sich rasant vermehrt. Mehr als 4.000 solcher Dolinen gibt es bereits, die meisten von ihnen am Westufer des Toten Meeres.

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Apostel Fürst lehnt gottesdienstliche Homosegnung ab

Bild: wikimedia.org/CC BY 3.0
CDU-Kreisvorsitzender Stefan Kaufmann wollte seinen Lebenspartner „kirchlich heiraten“. Bereits vor einem Jahr hatte er geäußert: „Und es ist auch Politik, wenn ich den Bischof bitte, unsere Segnung zu genehmigen.“


kath.net

Der Stuttgarter CDU-Politiker Stefan Kaufmann wollte seinen langjährigen Lebenspartner in einer katholischen Zeremonie kirchlich „heiraten“. Dies hat Gebhard Fürst, Bischof von Rottenburg-Stuttgart, abgelehnt. Darüber berichteten die „Stuttgarter Nachrichten“ am Dienstag. Jetzt wird ein altkatholischer Pfarrer die Segnung vornehmen. Doch auch der altkatholische Pfarrer stellte gegenüber den „Stuttgarter Nachrichten“ spürbar reserviert fest: „Es wird die Segnung ihres gemeinsamen Lebenswegs – von einer Ehe kann nicht gesprochen werden.“ Außerdem sei man aber nur bei Mitgliedern der Gemeinde bereit, Segnungsfeiern auszurichten, denn man wolle nicht zur „Pilgerstätte von homosexuellen Paaren aus ganz Deutschland“ werden. Inzwischen ist Kaufmanns Lebenspartner aus der katholischen Kirche ausgetreten und Mitglied der altkatholischen Gemeinde geworden. Kaufmann selbst äußerte gegenüber den „Stuttgarter Nachrichten“, dass er weiterhin „kritisch-konstruktives Mitglied“ der römisch-katholischen Kirche bleiben wolle. Der Konflikt wurde innerhalb weniger Stunden deutschlandweit in Medien aufgegriffen, dabei wurden praktisch nur Stellungnahmen von bekannten oder unbekannten Persönlichkeiten zitiert, die der Position von Bischof Fürst bzw. der katholischen Kirche kritisch gegenüber stehen.

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Vorarlberg: Pfarrer verteidigt Zölibat mit Hitler-Zitat

Bild: ADL
Bild: ADL
Hitler schrieb in „Mein Kampf“ er wolle „nur für das deutsche Volk da sein“. Die Diözese Feldkirch kritisiert die „grobe Verfehlung“.


Die Presse

Der Vorarlberger Pfarrer Eberhard Amann hat das Zölibat mit einem Zitat aus Adolf Hitlers „Mein Kampf“ verteidigt. Die Diözese Feldkirch sieht darin eine „grobe Verfehlung“ und will das Gespräch mit Amann suchen.

Das Vorarlberger Blatt „Wann & Wo“ veröffentlichte in seiner Sonntag-Ausgabe einen Text Amanns. Dieser stammte aus dem aktuellen Pfarrblatt der Montafoner Gemeinde St. Gallenkirch, das Amann verantwortet. „In ‚Mein Kampf‘ nimmt Hitler den Cölibat zum Vorbild. Er heirate nicht, weil er wie die Priester für ihre Pfarrgemeinde so auch er ganz nur für das deutsche Volk da sein will!“, wertschätzte Amann in seinem Text offenbar die von Hitler ausgedrückte Haltung.

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Morddrohung in der Dresdner Kreuzkirche

Bild: pegida/FB, Screenshot:BB
Bild: pegida/FB, Screenshot:BB
Mutmaßliche Anhänger der Anti-Islam-Bewegung „Pegida“ haben Kirchenmitarbeiter während eines Friedensgebetes in der Dresdner Kreuzkirche bedroht. Landesbischof Bohl spricht von einer neuen Dimension der Gewaltbereitschaft.


evangelisch.de

Nach der Morddrohung von mutmaßlichen „Pegida“-Anhängern gegen Mitarbeiter der Dresdner Kreuzkirche hat der evangelische Superintendent Christian Behr Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Der Vorfall während eines Friedensgebetes am Ostermontag in der Kreuzkirche sei Ausdruck einer gewachsenen Gewaltbereitschaft der „Pegida“-Demonstranten, sagte Behr dem Evangelischen Pressdienst (epd) am Dienstag in Dresden. Er erwarte, dass sich „Pegida“-Chef Lutz Bachmann zu den Vorfällen persönlich äußere und distanziere. Auch der sächsische Landesbischof Jochen Bohl reagierte bestürzt auf den Vorfall.

Behr zufolge sollen am Montagabend fünf bis sechs Personen in die Kirche gekommen sein, einige führten Fahnen mit sich. Sie hätten sich über das Glockengeläut während der wöchentlichen „Pegida“-Demonstration beschwert, die vor der Kirche auf dem Altmarkt stattfand. Ein Mann habe den beiden Mitarbeitern jeweils mit den Worten „… es könnte sein, dass ich dir die Kehle durchschneide“ gedroht. Wie die Polizeidirektion Dresden mitteilte, hat die Kriminalpolizei die Ermittlungen aufgenommen. An dem Aufzug der islamfeindlichen Bewegung beteiligten sich nach Polizeiangaben mehr als 7.000 Menschen.

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Birkenstock, das Kopftuch für die Füße

Füße © aaron vazquez @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Ich möchte mich weder von männlichen muslimischen Theologen noch von Alice Schwarzer, Heidi Klum oder irgendwelchen neoliberalen Strippenziehern entmündigen und definieren lassen.


Von Anja Hilscher|MiGAZIN

Seit 30 Jahren trage ich Birkenstockschuhe. Seit Jahrzehnten trage ich auch ein Tuch auf dem Kopf – so wie Fereshta Ludin, “die mit dem Kopftuch”. Ihre Biographie “Die Enthüllung der Fereshta Ludin” erschien kürzlich, pünktlich zum aktuellen Urteil des Bundesverfassungsgerichtes, dem zufolge das Kopftuchtragen Lehrerinnen nun nicht mehr pauschal verboten werden kann.

Birkenstockschuhe und Kopftuch…. Ich sehe da gewisse Parallelen. Sind es harmlose Kleidungsstücke, oder sind es Symbole? Wenn ja, wofür? Beginnen wir mit den Birkenstockschuhen. Schon als ich angefangen habe, diese Sinnbilder der Ästhetik zu tragen, waren sie, wenn ich mich recht erinnere, aus der Mode gekommen. Nur Alt-68-er trugen die Dinger – damals schon. Ich fing trotzdem an, sie zu tragen. Möglicherweise aus Gründen fehlendes modischen Bewusstseins oder auch, um zu provozieren. Keine Ahnung. Mit Sicherheit aber aus einem Grund: Die Dinger sind erstens ewig haltbar und zweitens unglaublich bequem.

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Türkei: Eine syrische Zweitfrau gibt es für 1800 Euro

Diese Syrerin ist in den Libanon geflohen. In der Türkei versuchen mittlerweile viele Frauen aus dem Bürgerkriegsland, als Zweitfrau zu etwas Wohlstand zu gelangen.© Ute Grabowsky/DPA
In Teilen der Türkei gelten Mehrfachehen als Zeichen des Wohlstands. Die Not der syrischen Flüchtlinge führt dazu, dass sich plötzlich auch weniger wohlhabende Türken eine Zweitfrau leisten können.


stern.de

Halis Polat hält mit seinem Privatleben nicht hinterm Berg. „Reden wir offen“, sagt der 36-Jährige aus der südosttürkischen Stadt Sanliurfa. „Wenn Deine Ehefrau Dich im Bett nicht mehr glücklich macht, brauchst Du eine Zweitfrau.“ Polat hatte im Alter von 19 Jahren eine Gleichaltrige geheiratet. Fünf Kinder später hielt er die Zeit reif für eine zweite Ehe – und für eine 13 Jahre jüngere Frau, die vor dem Bürgerkrieg in Syrien in die Türkei geflohen war. Den Vorwurf, die Not der heute 23-jährigen Syrerin ausgenutzt zu haben, will er nicht geltenlassen. Ganz im Gegenteil.

Polygamie ist illegal in der Türkei, nur ein Bruchteil der Türken hat mehr als eine Ehefrau. Dennoch sind Mehrfachehen in manchen Regionen in dem Land mit seinen knapp 78 Millionen Einwohnern uralte Praxis. Nach offiziellen Schätzungen – die allerdings von vor dem Bürgerkrieg in Syrien stammen – lebten damals in der Türkei rund 372.000 Frauen als „Kuma“, also als Zweit-, Dritt- oder sogar Viertfrau. Am weitesten verbreitet ist die Praxis in der Provinz Sanliurfa, wo mehr als 7 Prozent der Ehen Medienberichten zufolge Mehrfachehen sind.

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