Türkei: Eine syrische Zweitfrau gibt es für 1800 Euro


Diese Syrerin ist in den Libanon geflohen. In der Türkei versuchen mittlerweile viele Frauen aus dem Bürgerkriegsland, als Zweitfrau zu etwas Wohlstand zu gelangen.© Ute Grabowsky/DPA
In Teilen der Türkei gelten Mehrfachehen als Zeichen des Wohlstands. Die Not der syrischen Flüchtlinge führt dazu, dass sich plötzlich auch weniger wohlhabende Türken eine Zweitfrau leisten können.


stern.de

Halis Polat hält mit seinem Privatleben nicht hinterm Berg. „Reden wir offen“, sagt der 36-Jährige aus der südosttürkischen Stadt Sanliurfa. „Wenn Deine Ehefrau Dich im Bett nicht mehr glücklich macht, brauchst Du eine Zweitfrau.“ Polat hatte im Alter von 19 Jahren eine Gleichaltrige geheiratet. Fünf Kinder später hielt er die Zeit reif für eine zweite Ehe – und für eine 13 Jahre jüngere Frau, die vor dem Bürgerkrieg in Syrien in die Türkei geflohen war. Den Vorwurf, die Not der heute 23-jährigen Syrerin ausgenutzt zu haben, will er nicht geltenlassen. Ganz im Gegenteil.

Polygamie ist illegal in der Türkei, nur ein Bruchteil der Türken hat mehr als eine Ehefrau. Dennoch sind Mehrfachehen in manchen Regionen in dem Land mit seinen knapp 78 Millionen Einwohnern uralte Praxis. Nach offiziellen Schätzungen – die allerdings von vor dem Bürgerkrieg in Syrien stammen – lebten damals in der Türkei rund 372.000 Frauen als „Kuma“, also als Zweit-, Dritt- oder sogar Viertfrau. Am weitesten verbreitet ist die Praxis in der Provinz Sanliurfa, wo mehr als 7 Prozent der Ehen Medienberichten zufolge Mehrfachehen sind.

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