Eine Frau flüchtet mit ihren Kindern: Mein Mann, der Salafist


stern TV begleitete Kerstin Wenzel noch einmal an die Schauplätze ihres Martyriums.© stern TV
Kerstin Wenzel wurde mit ihren vier Kindern von ihrem syrischen Ehemann in den Arabischen Emiraten festgehalten. Mehr als acht Jahre wurden sie misshandelt und terrorisiert. Dann gelang die Flucht.


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Ich hatte das Gefühl, ich bin lebendig begraben“, sagt Kerstin Wenzel über die schlimmste Zeit ihres Lebens. Sie und ihre vier Kinder wurden mehr als acht Jahre lang von ihrem syrischen Ehemann terrorisiert, erniedrigt und misshandelt. Er zwang sie zu einem Leben unter radikalen islamistischen Regeln. Ihr Gefängnis war eine Hochhauswohnung im arabischen Emirat Sharjah. „Ich durfte nicht mal aus dem Fenster gucken. Ich durfte mich nicht auffällig bewegen“, erzählt die inzwischen 46-Jährige.

Kerstin Wenzel hatte den Syrer Mohamed M. 1991 während ihres Studiums in Greifswald kennengelernt. Damals war er ein „lustiger Student“, sympathisch und weltoffen. Der junge Moslem lebte liberal, besuchte mit seiner Verlobten Partys, trank Alkohol. Das glückliche Paar heiratete in einer kleinen Moschee in Köln, denn Kerstin Wenzel war zum Islam konvertiert. Eine standesamtliche Hochzeit bei ihren Eltern in Norddeutschland machte ihr Glück vollkommen. Doch Mohamed M. begann sich zu verändern, verbrachte viele Stunden in der Moschee. Er kleidete sich anders – und verlangte von seiner Frau, dass sie ein Kopftuch trägt. Weil sie sich weigerte, wurde er gewalttätig. Kerstin Wenzel verzieh ihm den Übergriff, blieb bei ihm und bekam in wenigen Jahren zwei Jungen und zwei Mädchen. „Als die Kinder klein waren, war er ein ganz toller Vater“, sagt sie. „Solange sie keinen eigenen Willen hatten, solange sie gemacht haben, was der Papa sagt. Und mich hat er erst mal in Ruhe gelassen.“ Trotzdem wurde sie weiterhin gezwungen, ein Kopftuch zu tragen.

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