Glaubenskongregation: Hier legt der Vatikan fest, was die Wahrheit ist


Gerhard L. Müller links im Bild
Gerhard L. Müller links im Bild
Gerhard Ludwig Müller ist der Chefdogmatiker des Vatikans. Er urteilt über Richtig und Falsch im Glauben. Doch nun bedrohen interne Machtkämpfe seine Arbeit. Ein Besuch in der Glaubenskongregation.


Von Lucas Wiegelmann|DIE WELT

Da an diesem Nachmittag nicht mehr so viele Touristen auf dem Petersplatz unterwegs sind, kann Kardinal Müller den Bettler schon von Weitem sehen. Unter einem makellos blauen Himmel sonnt sich die Kuppel des Petersdoms. Müller, der mit seinen Riesenbeinen sonst so schnell geht, wie andere joggen, verlangsamt seinen Schritt. Er hat seine feine schwarze Soutane mit dem leuchtend roten Zingulum, dem Stoffgürtel angelegt sowie sein silberfarbenes Alltags-Brustkreuz gegen ein goldenes getauscht. Bei der nächsten Sitzung muss er ein bisschen repräsentieren.

Wenn er in diesem Aufzug an einem Obdachlosen vorbeirauscht, steht er da als Geizkragen. Drückt er ihm ein paar Münzen in die Hand, heißt es: so ein Heuchler. Es gibt Momente, in denen ein Kardinal nur verlieren kann. Müller zögert kurz. Dann geht er an dem Bettler vorbei. Alles, nur kein Heuchler sein. Nicht er.

Sein und Schein, Wahrheit und Irrtum, damit beschäftigt sich die katholische Kirche seit ihrer Gründung. Und das ist Müllers Auftrag.

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