Elser: Kinofilm revidiert das Bild eines Widerstandskämpfers


Bild: Lucky Bird Pictures, Bernd Schuller
Oliver Hirschbiegel zeichnet in „Elser: Er hätte die Welt verändert“ den oft als Eigenbrötler hingestellten Attentäter als lebensfrohen Handwerker und linksdenkenden Freigeist.


Von Thomas Barth|TELEPOLIS

Mutigen Widerstand als einzelner leistete Georg Elser, der, ohne Verbindung zu anderen Gruppen, am 8. November 1939 versucht hatte, Hitler während der traditionellen Gedenkveranstaltung im Münchner Bürgerbräukeller durch Zündung einer Zeitbombe zu töten.

Mehr konnte ein Schüler um 1990 nicht aus seinem Schulbuch[1] über Georg Elser erfahren – nur ein einziger Satz war dem wohl intelligentesten und erfolgreichsten Widerstandskämpfer gegen den brutalsten Diktator in der Geschichte der Menschheit gewidmet. Elser verfehlte sein Ziel, Hitler und seine Führungsriege (Heß, Himmler, Goebbels und Bormann) zu töten, nur um 13 Minuten. Ein französischer Beobachter staunte angesichts des aktuellen Elser-Films, dass dieser Mann so unbekannt geblieben war, in Frankreich hätte man in jedem Dorf eine Straße nach ihm benannt. Vielleicht ändert dieser Film unser Bild des Widerstandes gegen die Nazis.

Bedrückende Folterszenen

Die Stimmung des Films Elser – Er hätte die Welt verändert ist nach der Einstiegssequenz von Bombenbau und Festnahme Elsers, genial gespielt von Christian Friedel, zweigeteilt: Düster bedrückende Verhöre kontrastieren scharf mit fröhlich-bunten Rückblenden in die schwäbische Dorfidylle. Eine freilich trügerische Idylle, in die sich langsam Hakenkreuzfahnen einschleichen. Es wird gezeigt, wie eine Dorfgemeinschaft mit Filmvergnügen, Bratwurst und Tanzmusik gleichschaltet wird. Aber nicht „ohne erkennbaren Widerstand“ (wie eine Elser-Filmkritik im „Spiegel“ behauptet), sondern gegen Protest und Kampf von Links. Erst als die kommunistischen Freunde Elsers ins KZ verschleppt wurden, konnten die Nazis die Macht übernehmen.

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