Seehofers Arabien-Reise liefert Zündstoff

bayern_fahne

  • Am 18. April will Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer zu seinem ersten Besuch in den Mittleren Osten aufbrechen. Er besucht Saudi-Arabien, Katar und Oman.
  • Bei seiner letzten Auslandsreise nach China sparte er das Thema Menschenrechte zumindest in öffentlichen Äußerungen aus.
  • Nun fordert die bayerische SPD in einem Brief, Seehofer dürfe die „finsteren Seiten in den Gastländern nicht aussparen“.


Süddeutsche.de

Saudi-Arabien, Katar und Oman. Die nächsten Reiseziele des bayerischen Ministerpräsidenten versprechen nicht allzu viel Erholung. Potenziellen Ärger will Horst Seehofer offenbar vermeiden – und lässt für die bayerische Grünen-Fraktionsvorsitzende Margarete Bause diesmal keinen Platz im Flieger reservieren. Sie hatte ihm bei seiner vergangenen Auslandsreise nach China im Herbst die Schau gestohlen, als sie sich auf eigene Faust mit dem Künstler und Menschenrechtskämpfer Ai Weiwei traf.

weiterlesen

Katastrophenabwehr-Übung: Nasa plant Asteroid „Didymoon“ abzuschießen

This concept for the Asteroid Impact & Deflection Assessment (AIDA) mission depicts the positions ESA and NASA spacecraft will be in when the asteroid Didymos comes close to Earth in 2022. (Photo : ESA)
Was tun, wenn ein Asteroid auf die Erde zusteuert? Zur Entwicklung eines Abwehr-Systems wollen Nasa und Esa ein Labor auf einem der Gesteinsbrocken absetzen – und ihn anschließend mit einer Sonde beschießen.


SpON

Der Asteroid „Didymoon“ bekommt einen ganz besonderen Auftritt: Die europäische Weltraumorganisation Esa und das US-amerikanische Gegenstück Nasa haben zumindest große Pläne mit ihm. Sie wollen den Gesteinsbrocken aus seiner Bahn bringen. Der Test gehört zu einer Reihe von Projekten mit einem Ziel: der Abwehr von Asteroiden auf Kollisionskurs mit der Erde.

Die Esa fasst die Bedrohung in Zahlen: Mehr als 600.000 Asteroiden sind in unserem Sonnensystem bekannt, gut 12.000 davon gelten als erdnahe Objekte, sogenannte Neos (Near Earth Objects). Auf der Risiko-Liste der Nasa stehen 494 solcher Neos. Der Pariser Esa-Experte Ian Carnelli schätzt rund 30 bis 40 Asteroiden als „gefährlich“ für die Erde ein. Auf einer Konferenz der internationalen Akademie für Astronautik am Esa-Standort Esrin in Frascati bei Rom beraten Experten in den kommenden fünf Tagen über die Gefahren aus dem All.

weiterlesen

Kirche bekennt Mitschuld an NS-Verbrechen in Buchenwald

Eingangstor mit dem Spruch „Jedem das Seine“ – eine Schrift im von den Nazis verfemten Bauhausstil, gestaltet durch den Häftling und Bauhausschüler Franz Ehrlich. Bild: wikimedia.org/CC-BY-SA 4.0
70 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald hat sich die evangelische Kirche in Weimar zu ihrer Mitverantwortung für die Verbrechen der Nationalsozialisten bekannt. Angesichts des Lagers vor den Toren der Stadt hätten „viele evangelische Christen nicht mutig bekannt und benannt“, was mitten im Land und auch ganz in der Nähe geschah, betonte Superintendent Henrich Herbst am Sonntag im Gedenkgottesdienst zum 70. Jahrestag der Lagerbefreiung. Buchenwald wurde am 11. April 1945 von der US-Armee befreit.


evangelisch.de

Wenige Tage nach Befreiung hatte der damalige Weimarer Superintendent Richard Kade namens der evangelischen Kirche erklärt, „dass wir keinerlei Mitschuld an diesen Gräueln haben“. Dagegen erinnerte die Kirchgemeinde nun mit ihrem Schuldbekenntnis an den fehlenden Widerstand in der Bevölkerung „angesichts des unsäglichen Leides von Frauen und Kindern, Juden, Kommunisten, Sozialdemokraten und Christen“ sowie anderen unschuldigen Menschen aus ganz Europa.

Wenn damals Züge ausgemergelter Häftlinge durch Weimar zogen, hätten viele Christen und andere Bewohner der Stadt häufig weggeschaut, hieß es in dem Bekenntnis zum Jahrestag der Befreiung. Buchenwald war mit 250.000 Häftlingen zwischen 1937 und 1945 das größte Konzentrationslager der Nationalsozialisten in Deutschland.

weiterlesen

Warum enthält Schöpfungsplan so viele dumme Spitzenpolitiker?

CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf erklärt Homosexuelle im Wahlkampf zur Gefahr Bild: CDU Baden-Württemberg
Der CDU-Spitzenkandidat in Baden-Württemberg meint, dass Homo-Paare das Kindeswohl gefährden. Auch die Schöpfung sei nur auf Heterosexuelle ausgerichtet.


QUEER.DE

In einem am Freitag veröffentlichten Interview mit dem „Mannheimer Morgen“ betont der CDU-Politiker Guido Wolf, er könne sich nicht vorstellen, verpartnerte Paare im Adoptionsrecht gleich mit Eheleuten zu behandeln. Der 53-Jährige, der seine Partei im kommenden Jahr in die baden-württembergische Landtagswahl führen wird, begründete seine Ansicht auch mit einem religiösen Argument: „Für mich ist die Schöpfung darauf ausgerichtet, dass Mann und Frau sich zusammentun, um Kinder auf die Welt zu bringen. Daraus und vom Wohl des Kindes her gedacht kann ich mir ein Adoptionsrecht gleichgeschlechtlicher Paare nicht vorstellen“.

Studien widerlegen allerdings die gegen Homosexuelle gerichteten Aussagen Wolfs zum Kindeswohl: In den letzten Jahren sind mehrere Untersuchungen in diversen Ländern veröffentlicht worden, die einhellig zum Ergebnis kamen, dass die sexuelle Orientierung für das Kindeswohl unerheblich ist. Das hatte auch bereits vor sechs Jahren eine Studie des Bundesjustizministeriums herausgefunden (queer.de berichtete). Ohnehin sind Adoptionen durch Homo-Paare längst gesellschaftliche Realität – und das auch gesetzlich: Seit der Einführung der Lebenspartnerschaft vor 14 Jahren ist eine Stiefkindadoption möglich, seit zwei Jahren auch eine Sukzessivadoption.

weiterlesen

Türkischer Außenminister: Papst schürt Hass und Feindschaft

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Die Türkei hat Papst Franziskus vorgeworfen, mit seiner Äußerung zum Völkermord an den Armeniern Hass zu schüren. Die Erklärung des Papstes sei „weit von Geschichte und Recht entfernt“ und nicht hinnehmbar, erklärte Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Sonntag via Twitter. „Religiöse Ämter sind nicht der Ort, mit haltlosen Vorwürfen Feindschaft und Hass zu schüren“, fügte er hinzu.


kathweb

Der Papst hatte in Rom erklärt, die Armeniern seien „Opfer des ersten Völkermordes des 20. Jahrhunderts“ gewesen. Daraufhin wurde der Apostolische Nuntius in Ankara, Erzbischof Antonio Lucibello, ins Außenministerium einbestellt worden. Der türkische Staatssekretär Levent Murat Burhan sagte Lucibello laut Medienberichten, die Äußerung des Papstes habe die Türkei tief enttäuscht; sie sei fern der historischen Tatsachen und einseitig. So habe der Papst nur vom Leid der Armenier gesprochen, nicht aber vom Schicksal der Muslime oder der Angehörigen anderer Religionen.

weiterlesen

London: Pfarrer der „Titanic“ soll heiliggesprochen werden

Image: wdfyfe.wordpress.com
Thomas Byles (1870-1912), katholischer Geistlicher auf der gesunkenen „Titanic“, soll nach dem Willen seiner englischen Heimatgemeinde heiliggesprochen werden. „Wir hoffen, dass weltweit Menschen in Not zu ihm beten“, sagte der Pfarrer von Chipping Ongar in der Grafschaft Essex laut BBC (Sonntag). Wenn sich auf seine Vermittlung hin ein Wunder ereigne, könne ein Seligsprechungsprozess eingeleitet werden.


kathweb

Byles befand sich 1912 auf der Reise zu seinem Bruder in New York. Während der Überfahrt feierte er mit Passagieren der zweiten und dritten Klasse die Messe, auch am Morgen der Havarie. Als das Schiff zu sinken begann, weigerte er sich nach Angaben von Überlebenden, ein Rettungsboot zu besteigen, sondern blieb für Gebet und Beichte bei den übrigen Passagieren und ging mit ihnen unter. Papst Pius XI. (1922-1939) pries ihn später als einen „Märtyrer der Kirche“.

Für eine Selig- bzw. Heiligsprechung sind der Nachweis zweier Wunder auf Vermittlung des Kandidaten oder ein Martyrium notwendig.

Wo bleiben muslimische Proteste gegen die Tragödie von Jarmuk?

© AFP Ein zerstörtes Gebäude im palästinensischen Flüchtlingslager in Jarmuk.
Wo bleiben die Proteste von Arabern und Muslimen angesichts des Leidens von rund 16.000 Palästinensern – darunter 3.500 Kinder –, die im umkämpften Flüchtlingslager Jarmuk in der syrischen Hauptstadt Damaskus vom Tod bedroht sind?


kath.net

Das fragt der Chefkommentator der „Welt“-Gruppe“, Jacques Schuster, in einem am 11. April veröffentlichten Beitrag. Die Terrororganisation „Islamischer Staat“ hat das Viertel eingenommen und nach Angaben von Einwohnern eine Schreckensherrschaft begonnen. 2012 hatten syrische Regierungstruppen Jarmuk abgeriegelt.

Die Menschen sind seither weitgehend ohne Lebensmittel und medizinische Versorgung. Das Leid der Palästinenser in Jarmuk schreie zum Himmel, schreibt Schuster. Seit Monaten würden dort palästinensische Flüchtlinge abgeknallt, erschlagen und ausgehungert: „Doch weder aus dem Gazastreifen noch dem Westjordanland hört man von Massendemonstrationen oder Aufrufen, den rund 16.000 Brüdern und Schwestern zu Hilfe zu eilen, die Jarmuk mit dem Tode kämpfen.“

weiterlesen

Libanon: Warum Christen mit der Hizbullah kämpfen

© DIEGO IBARRA SANCHEZ/The New Yorker Auf christlich-schiitischer Patrouille: In Ras Baalbek teilen sich Muslime und Christen die Aufgabe, den Ort vor dem Untergang zu schützen.
Wie kann es sein, dass Christen Seite an Seite mit Islamisten kämpfen? Ganz einfach: aus Verzweiflung. Die Bewohner von Libanons Bekaa-Ebene fürchten eine Offensive des „Islamischen Staats“. Da ist ihnen jeder Verbündete recht.


Von Markus Bickel|Frankfurter Allgemeine

In einem großen Schwung schmeißt Beni Stefanopoulos die Bettdecke zur Seite und legt den Blick frei auf sein kostbarstes Stück: eine Kalaschnikow. Fein säuberlich drapiert neben zwei Reservemagazinen liegt das Sturmgewehr auf einer Matratze im Eingangsbereich seiner Wohnung, durch deren offene Fenster frische Bergluft hereinweht. Im Hintergrund rauscht ein Funkgerät, an den Wänden hängen ein Kruzifix und Ikonen griechisch-orthodoxer Heiliger. Erst morgens ums sieben sei er von seiner letzten Patrouille zurückgekommen, sagt Stefanopoulos, der sich an diesem Sonntag in dunkelblauem Anzug und silbern schimmernder Krawatte fein gemacht hat für den Kirchenbesuch und gleich zwei Beerdigungen.

weiterlesen

„Du gehörst am nächsten Baum aufgehängt“

Aydan Özoguz, Bild. tagesschau.de
Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung sorgt sich wegen neuer Ressentiments gegen Flüchtlinge und verurteilt den Brandanschlag in Tröglitz. Sie selbst wird im Internet beschimpft und bedroht.


Von Manuel Bewarder, Karsten Kammholz|DIE WELT

Aydan Özoguz ist der Öffentlichkeit gemeinhin als „Integrationsbeauftragte“ bekannt. Doch in ihrem Amt ist die Sozialdemokratin genauso für Flüchtlinge zuständig. Die Staatsministerin im Kanzleramt ist tief besorgt über den Fall Tröglitz und die Folgen.

Die Welt: Frau Özoguz, eine Woche ist seit dem Brandanschlag auf die Asylbewerberunterkunft in Tröglitz vergangen. War das ein Einzelfall, oder ist Tröglitz überall?

Aydan Özoguz: Natürlich war das kein Einzelfall, wenn man betrachtet, dass es in vielen anderen Bundesländern schon derartige Anschläge gegeben hat. Und doch ist Tröglitz ein Sonderfall. Die NPD konnte ungestört Demos abhalten, und der Bürgermeister ist zurückgetreten, weil er sich bedroht fühlt.

Die Welt: Leidet Deutschlands internationaler Ruf unter solchen Taten?

Özoguz: Ja. Mich überrascht seit Pegida auch nicht, dass weniger ausländische Wissenschaftler nach Sachsen kommen wollen. Im Ausland wird viel stärker als bei uns wahrgenommen, dass es ausländerfeindliche Strömungen und Angriffe auf Asylunterkünfte gibt.

weiterlesen

Statik: Wenn der Kirchturm wackelt

Propstei-Kirche Leipzig. Bild: propstei-leipzig.de
Propstei-Kirche Leipzig. Bild: propstei-leipzig.de
15 Millionen Euro sollte der Neubau der Propsteikirche in Leipzig kosten. Kurz vor der Weihe gibt es aber ein Problem: Laut einem Statiktest bringt die kleinste der sechs Glocken den Turm zum Zittern.


Von Thomas Schmoll|DIE WELT

Bedrohungen von außen gehören zur Historie der Leipziger Trinitatiskirche und ihrer katholischen Gemeinde. Es ist eine typisch deutsche Geschichte, die vom Schrecken zweier Weltkriege und Diktaturen zeugt.

Als erster katholischer Kirchenneubau in Leipzig seit der Reformation 1847 geweiht, stand das neogotische Meisterwerk nicht einmal ein Jahrhundert im Stadtzentrum, ehe es Fliegerbomben zertrümmerten. Wie Abertausende anderer Sakralbauten wurden ihre Glocken eingeschmolzen und zu Kanonen verarbeitet.

Neun Jahre nach Kriegsende ließ die streng nicht gläubige SED die Ruine sprengen. Für die kleine katholische Gemeinde begann eine Odyssee. Sie war Gast in der evangelischen Universitätskirche, bevor auch diese der kommunistischen Kulturbarbarei im Mai 1968 zum Opfer fiel.

Wieder gingen Leipzigs Katholiken auf Wanderschaft. Ende der 70er-Jahre stimmte die SED endlich einem Neubau zu, der mit Spenden aus dem Westen errichtet und 1982 seiner Bestimmung übergeben wurde. Der jämmerliche Bauzustand der Kirche erforderte scheinbar endlose kostspielige Reparaturen und Sanierungen.

weiterlesen

Ministerpräsident Tillich warnt vor Ausländerhetze bei Wilders-Besuch

Geert Wilders (Bild: Sebastiaan ter Burg, CC-BY-SA)
Geert Wilders (Bild: Sebastiaan ter Burg, CC-BY-SA)
Die Pegida-Bewegung hat mit rückläufigen Teilnehmerzahlen zu kämpfen und setzt am Montag auf das Zugpferd Geert Wilders. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich warnt aber vor dem Besuch des niederländischen Islamgegners.


Berliner Zeitung

Vor dem Besuch des niederländischen Islamgegners Geert Wilders bei der Pegida am Montag in Dresden hat Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich vor ausländerfeindlichen Entgleisungen gewarnt. „Fremdenfeindliche oder rassistische Ausfälle durch Redner werden wir nicht dulden und konsequent gegen die Veranstalter vorgehen“, sagte der CDU-Politiker am Sonntag.

Die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) erwarten bei der Kundgebung mit Wilders bis zu 30.000 Teilnehmer. Zahlreiche Parteien, Verbände und Initiativen haben zu Gegendemonstrationen aufgerufen. Das Bündnis „Dresden Nazifrei“ hat Blockaden angekündigt.

weiterlesen

Massaker von 1915: Papst nennt Gräuel an Armeniern „Völkermord“

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Rund 1,5 Millionen Armenier sollen 1915 im Osmanischen Reich hingerichtet worden sein. Die Türkei weigert sich bis heute, von einem „Völkermord“ zu sprechen – genau das hat nun jedoch Papst Franziskus getan.


SpON

Politisch brisante Äußerung des Papstes: Franziskus hat die Massaker an den Armeniern vor 100 Jahren als „Völkermord“ bezeichnet. In einer Messe zum Gedenken an den Massenmord auf dem Gebiet der heutigen Türkei sagte er im Petersdom, im vergangenen Jahrhundert habe es „drei gewaltige und beispiellose Tragödien“ gegeben. Die erste dieser Tragödien, die „weithin als erster Völkermord des 20. Jahrhunderts gilt“, habe das armenische Volk getroffen.

Das Oberhaupt der katholischen Kirche zitierte damit eine Erklärung von Papst Johannes Paul II. und dem armenischen Patriarchen aus dem Jahr 2000. Die Türkei, der Nachfolgestaat des im Ersten Weltkrieg untergegangenen Osmanenreichs, lehnt die Bezeichnung der Gräuel als Genozid vehement ab. Zuletzt hatte Staatschef Recep Tayyip Erdogan eine Kampagne gegen sein Land beklagt: Mit „Völkermord“-Behauptungen werde versucht, Feindseligkeiten gegen die Türkei zu schüren.

weiterlesen

Wahlkampf Türkei: Keine Wahlspots für die Opposition

erdogan-sultan Zwei Monate vor der Parlamentswahl in der Türkei läuft bereits der Wahlkampf – und der staatliche Fernsehsender TRT mischt erneut mit. Der öffentlich-rechtliche Sender weigert sich, einen Wahlwerbespot der Oppositionspartei CHP zu senden. Weil die Oppositionspartei die Regierungspartei kritisiere, sei dieser nicht ins Programm aufgenommen worden, berichteten am Samstag türkische Medien.


Tiroler Tageszeitung

Der stellvertretende Vorsitzende der CHP, Enis Berberoglu, teilte über den Kurznachrichtendienst Twitter mit, dass TRT der Partei eine schriftliche Stellungnahme diesbezüglich zugeschickt habe. „Die Begründung ist ein Beispiel für politische Satire. Wie kann eine Oppositionspartei Politik machen, ohne die Regierung zu kritisieren? Ich bin offen für Vorschläge“, twitterte Berberoglu.

In dem CHP-Wahlwerbespot schleicht eine Katze um einen Stromkasten herum. Damit spielt die größte Oppositionspartei des Landes auf die Kommunalwahlen im März 2014 an. An dem Tag gab es landesweite Stromausfälle, Energieminister Taner Yildiz hatte daraufhin erklärt, eine Katze sei in einen Verteilerkasten eingedrungen, und hätte damit den Stromausfall ausgelöst. Weil etliche Stimmzettel im Kerzenlicht ausgezählt werden mussten, hatte dieser Vorfall zu Manipulationsvorwürfen gegen die Regierungspartei AKP geführt.

weiterlesen

Die Ehefrau des gefolterten Bloggers Raif Badawi spricht über das Leid ihres Mannes

Bild. dbate
Er hat seine Kinder seit dreieinhalb Jahren nicht gesehen. Er hat brutale Schläge kassiert. Und noch mehr sollen kommen, 1000 insgesamt. Und soll insgesamt zehn Jahre im Gefängnis eingesperrt sein.


Von Susanne Klaiber|The Huffington Post

Was sein Verbrechen ist?

Er habe eine „Webseite mit liberalen Ansätzen betrieben“. Er habe durch das Drücken des Like-Buttons „Sympathie für eine christliche Webseite bekundet“. Und er habe gefordert, dass „Scharia-Polizisten vor Gericht gestellt werden“, obwohl man diesen als religiösen Würdenträgern nichts vorwerfen dürfe.

Juristischer Protest bedeutete höhere Strafe

Das Schicksal des saudischen Bloggers Raif Badawi bewegt weltweit viele Menschen. Nun hat seine Ehefrau Ensaf Haidar der Plattform Dbate ein Interview gegeben. Sie erzählt von den absurden Vorwürfen gegen ihren Mann. Davon, dass sich nach jedem Widerspruch des Anwalts gegen das Urteil die Strafe noch erhöht habe.

weiterlesen

Bangladesch: Islamistenführer hingerichtet

Parteiflagge der Jamaat-e-Islami, Bild: wikimedia.org
Ihm wurden Verbrechen aus dem Jahr 1971 zur Last gelegt: Einer der Anführer der Islamisten-Partei Jamaat-e-Islami ist gehenkt worden. Die UNO hatte die Regierung Bangladeschs vorher aufgefordert, die Todesstrafe nicht zu vollstrecken.


SpON

Ihm wurden Folter, Mord und Entführung im Unabhängigkeitskrieg gegen Pakistan vorgeworfen – jetzt ist einer der Anführer der islamistischen Partei Jamaat-e-Islami in Bangladesch hingerichtet worden. Muhammad Kamaruzzaman sei im Zentralgefängnis der Hauptstadt Dhaka gehängt worden, berichtete der TV-Sender Jamuna unter Berufung auf einen Justizbeamten.

Jamaat-e-Islami kämpfte 1971 gegen die Abspaltung des Landes von Pakistan. Kamaruzzaman gehörte der Al-Badr-Truppe an, der Massenmord, Entführungen, Folter und Vergewaltigungen während des Unabhängigkeitskriegs vorgeworfen werden. Im Mai 2013 war Kamaruzzaman von einem Kriegsverbrechertribunal wegen Folter, Entführung und Mord während des Krieges zum Tode verurteilt worden.

weiterlesen

Australien droht Impfverweigerern mit Entzug von Sozialleistungen

Credit: Wellcome Library, London/CC BY 4.0
Credit: Wellcome Library, London/CC BY 4.0
Die australische Regierung plant einen drastischen Schritt: Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen, sollen Sozialleistungen gestrichen werden, bis zu 2100 Dollar pro Kind und Jahr.


The Huffington Post

Das berichtet der „Sydney Morning Herald“. Demnach will Sozialminister Scott Morrison die Regeln etwa für Steuervergünstigungen und Hilfen zur Kindesbetreuung verschärfen. Wer solche Hilfen suche, dürfe nicht länger Einwände gegen Impfungen aus Gewissensgründen vorbringen.

Dem Bericht zufolge reichten Eltern Zehntausender Kindern solche Einwände ein, aus persönlichen, philosophischen, religiösen oder medizinischen Gründen. Auch in Australien haben Ausbrüche von Masern, Keuchhusten und anderer vermeidbarer Erkrankungen eine Impfdebatte entfacht.

Gesundheitsminister Gröhe droht erneut mit Impfzwang

Impfverweigerer sind auch in Deutschland ein Problem. Angesichts der nach wie vor hohen Zahl an Masern-Erkrankungen hat Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) Impfverweigerern mit einem Impfzwang gedroht.

Nicht zu impfen sei verantwortungslos, sagte Gröhe der Deutschen Presse-Agentur und dem NDR und fügte hinzu: „Wir müssen auch der Panikmache einiger Impfgegner entgegentreten“. Er erläuterte: „Wer ohne medizinische Notwendigkeit seinem Kind den Impfschutz verweigert, schadet nicht nur diesem Kind, sondern auch Kindern, die zum Beispiel zu klein sind, um geimpft zu werden, oder Kindern, die tatsächlich aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können.“

weiterlesen

Erdogan untergräbt Kemalismus: Die islamische Gegenrevolution

Zum Tulpenfest richten sich derzeit wieder alle Blicke auf Istanbul: Manche türkische Perspektive aber bleibt dunkel.© Picture-Alliance
Sein Weg in die Moderne folgt einem anderen Kurs: Mit Koranunterricht, Moscheebau, Alkoholverboten und Osmanen-Nostalgie untergräbt der türkische Staatspräsident Erdogan den Kemalismus.


Von Joseph Croitoru|Frankfurter Allgemeine

In der Türkei wächst bei den Säkularen die Sorge vor einer Islamisierung der Gesellschaft durch die kontinuierlich erstarkende „Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung“ (AKP) von Recep Tayyip Erdogan. Der Prozess der Re-Islamisierung – man könnte auch von einer islamischen Gegenrevolution zur einstigen laizistischen Kulturrevolution Kemal Atatürks sprechen – begann 2012 mit der schrittweisen Aufhebung des Kopftuchverbots für Studentinnen, Parlamentarierinnen und Anwältinnen vor Gericht. Im vergangenen Herbst erfolgte ein weiterer einschneidender Schritt: Das Tragen des Kopftuchs ist Schülerinnen seitdem an öffentlichen Schulen von der fünften Klasse an erlaubt. Das Schulsystem islamischer zu gestalten ist ein besonderes Anliegen der AKP. Bereits 2012 wurde die Schulpflicht von acht auf zwölf Jahre angehoben, mit nun drei statt wie bisher zwei Schulstufen. So kann schon ab der Mittelstufe auf die lange vernachlässigten religiösen Imam-Hatip-Schulen, ursprünglich Lehranstalten für Moscheeprediger, gewechselt werden, die die Regierung neuerdings zügig zu einem parallelen Schulsystem ausbaut.

weiterlesen

Das Gehirn als Geschichtenerzähler

brain

Wenn wir Entscheidungen treffen, scheint unser Gehirn den Augenblick der eigentlichen Entscheidung vom Moment der bewussten Rationalisierung zu trennen. Es ist, so als gäbe es uns doppelt: einmal als schnelle Entscheidungsinstanz, das andere Mal als langsames Bewusstsein unserer Taten. Die zeitliche Entkopplung zwischen beiden Prozessen kann manchmal überraschend sein. Bei Deutungskonflikten bastelt sich das Gehirn eine passende Rationalisierung zurecht.


Von Raúl Rojas|TELEPOLIS

Philosophen beschäftigen sich seit jeher damit, die Welt gedanklich auf Fundamentalprinzipien zurückzuführen, sogar wenn die Argumentation kontraintuitiv klingt. So behauptete der griechische Philosoph Parmenides, Bewegung gäbe es nicht, weil Bewegung der Übergang von Nicht-Sein in Sein ist. Da aber das Sein bereits ist, gibt es eben keine Bewegung. Mit Parmenides freundschaftlich verbunden erfand Zeno geistreiche Paradoxien, um die Unmöglichkeit der Bewegung theoretisch zu untermauern. Die Legende will, dass Diogenes dem Zyniker Zeno stumm widersprach, indem er einfach im Raum auf und ab ging.

So ist es auch mit dem freien Willen, der Frage aller Fragen in der westlichen Philosophie. Seit langem hört man aus der neurophilosophischen Ecke, den freien Willen gäbe es nicht, da unbewusste Prozesse unsere Handlungen im Voraus bestimmen. Wir wollen unbewusst etwas, bevor wir überhaupt wissen, dass wir es wollen. Als Antwort auf diese kühne These würde vielleicht Diogenes ein paar Runden um den Neurophilosophen drehen und ihn fragen, welcher unbewusste Prozess ihn zu einer solch merkwürdigen Handlung anstifte.

Der Satz: „Den freien Wille gibt es nicht“ enthält jedoch ein Körnchen Wahrheit, wenn man versteht, was Neurophilosophen damit meinen. Dabei beziehen sie sich nicht auf eine deterministische Welt, in der ein Laplace’scher Dämon aktiv wäre, d.h. eine Intelligenz, die im Kenntnis aller Kräfte und Zustände aller Teilchen, die Welt im Voraus vollends berechnen könnte: „Nichts wäre für sie ungewiss, Zukunft und Vergangenheit lägen klar vor ihren Augen.“[1] Die Neurophilosophen reden vielmehr über das Zusammenspiel im Gehirn von bewussten und unbewussten Prozessen, eine Kombination, die manch frappierende kognitive Illusion hervorruft.

Metzingers Ego-Tunnel

Der Mainzer Philosoph Thomas Metzinger erläutert in seinem Buch „Der Ego-Tunnel“ warum wir die Welt um uns nur als Schatten wahrnehmen.[2] Wir erfassen die Welt durch unsere Sinneseindrücke – dies bedeutet, dass alle „Messungen“, die wir über unsere sensorischen Organe erhalten, zur Deutung an das Gehirn weitergeleitet werden. Dort wird eine Art „virtuelle Realität“ zusammengesetzt, die die Realität draußen widerspiegelt, ohne dass beide identisch wären. Es findet eine Dimensionsreduktion statt.

Ein bekanntes Beispiel sind Farben. Aus drei Netzhaut-Farbsignalen für grün, blau und rot wird in der neuronalen Verarbeitung eine breite Palette von mentalen Farben generiert, die wir alle problemlos „sehen“ können, die aber keine triviale Entsprechung in der Welt haben (z.B. als eindeutige Wellenlängen von Licht). Auch wenn die Außenbelichtung umgestellt wird und die von den Objekten reflektierten Wellenlängen sich ändern, sehen wir durch die vom Gehirn erzeugte „Farbkonstanz“ weiterhin dieselben subjektiven Farben. Es wäre doch sehr irritierend, wenn eine Frucht im Schatten eine andere Farbe als im Tageslicht hätte. Und obwohl Messgeräte zeigen können, dass das reflektierte Licht tatsächlich eine neue spektrale Zusammensetzung hat, sieht das Auge keinen Unterschied. Diese partielle „Blindheit“ für die Szenenbeleuchtung (die Dimensionsreduktion) bringt den evolutiven Vorteil einer Weltkonstanz.

weiterlesen

Ägypten: Todesurteil gegen Anführer der Muslimbrüder bestätigt

muslimbrotherhood

Ein ägyptisches Gericht hat die Todesurteile gegen den Anführer der islamistischen Muslimbruderschaft und elf weitere inhaftierte Mitglieder der Bewegung bestätigt. Der Richter befand Mohammed Badie und seine Mitangeklagten für schuldig, nach dem Sturz des islamistischen Staatschefs Mohammed Mursi im Juli 2013 Angriffe geplant zu haben, um das Land zu destabilisieren. Er bestätigte damit entsprechende Urteile von Mitte März.


Die Presse

Gegen zwei weitere Islamisten, die ins Ausland geflohen sind, wurde in Abwesenheit ebenfalls die Todesstrafe verhängt. Mehr als 20 weitere Angeklagte wurden zu lebenslanger Haft verurteilt, darunter der frühere Parteisprecher Gehad Haddad und der US-Ägypter Mohammed Soltan. Dieser sitzt seit August 2013 im Gefängnis und protestiert dagegen mit einem Hungerstreik. Sein Vater Salah Soltan wurde zum Tode verurteilt. Die Urteile können noch vor dem ägyptischen Kassationsgericht angefochten werden, das bereits dutzende Todesurteile aufgehoben hat.

weiterlesen

Sozialethiker: Menschenrechte bleiben „Hausaufgabe der Kirche“

Themenbild
Themenbild
Die Menschenrechte bleiben eine „dringende Hausaufgabe für die katholische Kirche“: Das hat der Schweizer Sozialethiker Peter Kirchschläger im Gespräch mit „Kathpress“ unterstrichen. Durch eine breite Rezeption des Menschenrechtsdiskurses auch in der Theologie könne die katholische Kirche inzwischen am internationalen Menschenrechtsdiskurs als geachteter Diskurspartner teilnehmen „und aus ihrer Perspektive dazu beitragen“, so Kirchschläger. Der Sozialethiker äußerte sich am Rande des internationalen Symposions „Wirtschaft – Gemeinwohl – Glück“ am Freitagabend an der Universität Wien.


kathweb

Gerade mit ihrer Lehre von der Gottebenbildlichkeit könne die Kirche einen wichtigen Beitrag leisten, wenn es um die Frage gehe, warum der Mensch überhaupt Rechte besitze. Zugleich gebe es aber auch blinde Flecken in der kirchlichen Rezeption der Menschenrechte, wies Kirchschläger hin.

Zugleich appellierte der Sozialethiker an die großen multinationalen Konzerne, den Einsatz für die Menschenrechte als ein wertvolles Kapital und „ethischen Referenzpunkt“ zu entdecken: Gerade multinationale Konzerne verfügten über große Reichweite und Macht, sich auch politisch für die Durchsetzung der Menschenrechte einzusetzen. Dies stelle zweifellos eine Gratwanderung dar, stünden doch gerade multinationale Wirtschaftsunternehmen durch Prinzipien der Gewinnmaximierung immer auch im Verdacht, Menschenrechte zu missachten.

weiterlesen