Statik: Wenn der Kirchturm wackelt


Propstei-Kirche Leipzig. Bild: propstei-leipzig.de
Propstei-Kirche Leipzig. Bild: propstei-leipzig.de
15 Millionen Euro sollte der Neubau der Propsteikirche in Leipzig kosten. Kurz vor der Weihe gibt es aber ein Problem: Laut einem Statiktest bringt die kleinste der sechs Glocken den Turm zum Zittern.


Von Thomas Schmoll|DIE WELT

Bedrohungen von außen gehören zur Historie der Leipziger Trinitatiskirche und ihrer katholischen Gemeinde. Es ist eine typisch deutsche Geschichte, die vom Schrecken zweier Weltkriege und Diktaturen zeugt.

Als erster katholischer Kirchenneubau in Leipzig seit der Reformation 1847 geweiht, stand das neogotische Meisterwerk nicht einmal ein Jahrhundert im Stadtzentrum, ehe es Fliegerbomben zertrümmerten. Wie Abertausende anderer Sakralbauten wurden ihre Glocken eingeschmolzen und zu Kanonen verarbeitet.

Neun Jahre nach Kriegsende ließ die streng nicht gläubige SED die Ruine sprengen. Für die kleine katholische Gemeinde begann eine Odyssee. Sie war Gast in der evangelischen Universitätskirche, bevor auch diese der kommunistischen Kulturbarbarei im Mai 1968 zum Opfer fiel.

Wieder gingen Leipzigs Katholiken auf Wanderschaft. Ende der 70er-Jahre stimmte die SED endlich einem Neubau zu, der mit Spenden aus dem Westen errichtet und 1982 seiner Bestimmung übergeben wurde. Der jämmerliche Bauzustand der Kirche erforderte scheinbar endlose kostspielige Reparaturen und Sanierungen.

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