Türkei: „Wenn es zum Äußersten kommt, ist es besser, eine Fluchtoption zu haben“


Recep Tayyip Erdogan macht das R4bia-Zeichen. Bild: R4BIA.com/gemeinfrei
Am 7. Juni finden in der Türkei die Parlamentswahlen statt. Seit Anfang April stehen die Kandidatenlisten der Parteien. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan wirbt offen für ein Präsidialsystem, in dem das Parlament nur eine untergeordnete Rolle spielen soll. Um das zu realisieren muss er die Verfassung ändern und braucht dafür mit seiner regierenden AKP die absolute Mehrheit. Doch die steht auf der Kippe. Es könnte eine Richtungswahl werden…


Von Gerrit Wustmann|TELEPOLIS

In Istanbul herrscht dieser Tage eine seltsame Atmosphäre. Eine gedrückte Stimmung, geprägt von einer unterschwelligen Spannung. Die zahllosen Touristen, die am Osterwochenende durch die Stadt flanieren und die Souvenirläden plündern, bekommen davon wenig mit. Oder gar nichts. Sie lassen sich treiben vom exotischen Flair der Bosporusmetropole. Im Zweifelsfall bemerken sie die radikalen Veränderungen nicht, die das Stadtbild zunehmend prägen. Die Gentrifizierung. Den Ausverkauf. Die Zerstörung der letzten Naturflächen. All das ist vielleicht auch zu weit weg von der Altstadthalbinsel mit Hagia Sophia, Blauer Moschee, Bazar und Hotels. Istanbul ist riesig. 18 Millionen Einwohner. Und das touristische Zentrum wird mehr und mehr zum Disneyland für betuchte Ausländer.

Am Rande des Taksim-Platzes liegt einsam und fast menschenleer der Gezi-Park unter einem trüb-grauen Himmel. Vereinzelte Fußgänger verirren sich hierher, auf einer Bank sitzt eine alte Dame und krault einen streunenden Hund. Wenn man das so sieht, kommt man kaum mehr auf die Idee, dass genau hier im Sommer 2013 der größte Volksaufstand stattgefunden hat, den die Türkei in den letzten Jahrzehnten erlebte. Alle Spuren sind getilgt.

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1 Comment

  1. Erst mal gibt es in den nächsten Jahren ein Erdbeben in Konstantinopel. Ähem Istanbul. Dann können wir das erneute Versagen religiös orientierter Staatsmacht erleiden.

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