Völkermord an den Armenien: Der Papst hat Recht – und irrt


Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
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Der Papst hat die Wahrheit gesagt, und dennoch ist ihm in einem wichtigen Punkt zu widersprechen. Seine Behauptung, der Genozid an den Armeniern sei der erste Völkermord des 20. Jahrhunderts gewesen, ist falsch. Wer von Völkermord redet, darf über Kolonialverbrechen nicht schweigen. Ein Kommentar.


Von Christian Bommarius|Frankfurter Rundschau

Der Papst hat über den Völkermord an den Armeniern die Wahrheit gesagt, und dennoch hat er sich geirrt. Es ist wahr, dass die Türkei vor 100 Jahren beim Versuch, das Volk der Armenier auszulöschen, einen Genozid mit bis zu 1,5 Millionen Opfern verübt hat. Nicht diese unwiderlegliche Wahrheit ist „inakzeptabel“, wie die türkische Regierung behauptet, sondern die Reaktion der türkischen Regierung, die droht, die Äußerung Franziskus’ werde nicht ohne Folgen bleiben, und den Botschafter des Vatikans ins Außenministerium einbestellt. Es wäre interessant zu hören, was die Regierung bei dieser Gelegenheit dem Botschafter mitzuteilen hat  – dass die Wahrheit über den Völkermord an den Armeniern überall in der Welt ihren Platz hat, in der Türkei aber strafrechtlich verfolgt und mit Gefängnisstrafe bedroht wird?

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