Türkische Presse: „Papst folgt wie Papagei Lügen der Armenier“


Bild bearb. BB
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Die Äußerungen von Papst Franziskus zum Völkermord an den Armeniern sind am Montag Titelthema vieler türkischer Tageszeitungen. Die regierungstreue „Takvim“ schreibt, der Papst habe mit der armenischen Lobby kooperiert, deren „Lügen“ wiederholt und sich wie ein „Papagei“ benommen. „1915-Krise mit dem Papst“, heißt es bei der Zeitung „Hürriyet“. Papst Franziskus hatte am Sonntag die Verfolgung der Armenier während des Ersten Weltkriegs öffentlich als „ersten Genozid des 20. Jahrhunderts“ bezeichnet. Die türkische Regierung reagierte scharf: Sie bestellte noch am Sonntag den Vatikanbotschafter in Ankara, Erzbischof Antonio Lucibello, ein und zog ihren eigenen Vertreter beim Heiligen Stuhl ab


kathweb

Ausführlich geht die Presse auf die Reaktionen der türkischen Regierung ein. Die regierungsnahe „Star“ fordert den Papst auf der Titelseite auf: „Kümmere dich um deine eigenen Angelegenheiten.“ Die Zeitung „Habertürk“ zitiert Ministerpräsident Ahmet Davutoglu mit den Worten, die Äußerungen des Papstes stärkten den Rassismus in Europa.

Scharf geht auch die islamistische Presse mit Franziskus ins Gericht. Die Zeitung „Yeni Akit“ schreibt, der Papst habe sich eine „Frechheit“ geleistet. In der ebenfalls islamistischen „Milli Gazete“ heißt es, die Äußerung von Franziskus komme einer Anerkennung des Völkermords durch die christliche Welt gleich. Der Papst habe kurz vor einer an diesem Mittwoch anstehenden Abstimmung im EU-Parlament über eine Resolution zum Völkermord an den Armeniern gesprochen. Jahrelange Bemühungen verschiedener türkischer Regierungen, durch Zugeständnisse an die Europäer einen Beitritt zu „dem Christenclub EU“ zu erreichen, seien erfolglos geblieben.

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