KZ Neuengamme: Wenn Opa ein Nazi-Mörder war


Neugestaltung des ehemaligen Stammlagers. Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 2.0 de
Kinder und Enkel von NS-Tätern treffen sich in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, um die Geschichte ihrer Eltern und Großeltern kennenzulernen. Auch, wenn dabei die Familien-Fassade zerbrechen kann.


Von Per Hinrichs|DIE WELT

Als der Abspann über die Leinwand zieht, gibt es kaum jemandem im Gruppenraum der ehemaligen Häftlingsunterkunft, der keine roten Augen hat. Einer schneuzt sich, eine weint leise in ihr Taschentuch, eine andere heult hemmungslos drauflos. „Ich finde das nicht fair, uns mit diesen Szene zu konfrontieren“, sagt die 35-jährige Annika (Name geändert) unter Tränen. Zuvor sahen die Teilnehmer der Gruppe historische Aufnahmen in Schwarz-Weiß von der Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen im April 1945 – ausgemergelte Gestalten blicken in die Kameras, Leichenberge sind zu sehen, immer wieder tote, halb verhungerte, geschundene Körper.

Die Szenen stammen aus dem Film „Close to Evil“, der die Geschichte des Holocaust-Überlebenden Tomi Reichental wiedergibt. Der Jude wurde mit neun Jahren ins KZ Bergen-Belsen verschleppt und versuchte 2014 erfolglos, die heute 93-jährige Hamburgerin Hilde Michnia zu treffen, die in dem Lager als Aufseherin arbeitete – ein Film über Schuld, Wahrheit und Versöhnung, der eine Strafanzeige gegen die ehemalige SS-Angehörige und ein Ermittlungsverfahren der Hamburger Staatsanwaltschaft nach sich zog.

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3 Comments

  1. Warum sollten sich einfache Menschen ihrer Vorfahren schämen. wenn die Amtskirchen als Verkäufer christlicher Moral immer ewige Glückseligkeit verspechend nach dem Ende des NAZI Terrors weiter gemacht haben

    Der evangelische Generalsuperintendent Otto Dibelius schleimt 1933 wohl wissend was kommen wird:“Die Kirche „kann und darf den Staat nicht daran hindern, mit harten Maßnahmen Ordnung zu schaffen. Sie werden es erleben, dass das, was jetzt in Deutschland vor sich geht, zu einem Ziele führen wird, für das jeder dankbar sein kann, der deutsches Wesen liebt und ehrt. Die Kirche habe weiterhin aber auch „den Wunsch, das Dritte Reich möge bald so gefestigt sein, dass ´die Gewalt nicht mehr nötig ist.“

    Der evangelische Landesbischof und stramme NSDAP Genosse August Marahrens gelobt noch 1944 nach dem Attentat Hitler seine ewige Treue trotz der ihm bekannteb Morde an Mill. Juden und zerbombten Städte: „Wir wiederholen es […], dass wir unzählige Male seit dem Anbruch unseres nationalsozialistischen Staates öffentlich und feierlich erklärt haben: daß wir in Opferbereitschaft und Treue für diesen Staat einzutreten bereit sind. Es ist also bis auf diese Stunde die Verdächtigung politischer Unzuverlässigkeit unbegründet und, von wo aus sie auch versucht werden sollte, nachdrücklich und feierlich abzuweisen“

    EKD Präses Wilhelm Mensing-Braun, verantwortlich für ein NAZI rassistisch entjudetes NT, Gesangbuch und Katechismus, bescheinigt 1960 seinem ex-NSDAP Parteigenossen Adolf Eichmann eine „grundanständige Gesinnung, ein gütiges Herz, große Hilfsbereitschaft, er wäre für ihn nicht vorstellbar, dass Eichmann je zu Grausamkeit oder verbrecherischen Handlungen fähig gewesen wäre

    Ich schäme mich nicht für meinen Vater, ich habe 65 Jahre gebraucht ihm einen Gedenkstein zu errichten. Er war ein einarmiger Invalide der Tannenbergschlacht im ersten Weltkrieg. Als Invalide und Rentner wurde er 1945 von den Russen ermordet, weil seine Goldzähne im Mund einige Kisten Wodka wert waren – das nennt man dann „Kultura“

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    1. @emporda, du solltest dann, der Vollständigkeit halber auch die deutsche Kultur seinerzeit einbeziehen. Konzentrations-und Vernichtungslager, der Vernichtungskrieg im Osten, Kriegsverbrechen allerorten.
      Deutsche Kultur führte 33.000 Menschen in eine Schlucht und sprengten nach dreitätigem Morden die Hänge darüber. Die Umwertung der Werte war vollzogen. Willkommen in der deutschen Moderne.

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