Robert Spaemann: Sterbehilfe? Euthanasie? ‚Wir müssen JETZT auf die Bremse treten!‘


Robert.Spaemann

„Täuschen wir uns nicht: Der Druck auf Menschen, sich töten zu lassen – Menschen, die leben, aber deren Sterben begonnen hat –, wird unvermeidlich. In den Niederlanden hat er längst eingesetzt.“


Von Prof. Robert Spaemann|kath.net

Prof. Robert Spaemann sprach dieses Grußwort bei der Fachtagung des „Bundesverbandes Lebensrecht“ (BVB) zur „Woche für das Leben“ am 18. April 2015 in Hamburg.

Als ich vor 40 Jahren öffentlich vor einer Wiedereinführung der Euthanasie warnte, hielten Freunde von mir das für ungerechtfertigte Schwarzmalerei. Der Grund für die Warnung waren die neuen exzessiven Möglichkeiten der apparativen Lebensverlängerung. Menschen werden um ihr Sterben betrogen, und Moribunde zum Leben gezwungen, inzwischen oft bis zu dem Augenblick, wo man ihre lebendigen Organe für Transplantationen braucht. Ich schrieb damals, es liege nahe, den ausgeweideten Menschen zu töten. Nun kann man das Tötungsverbot umgehen durch Umdefinition des Todes. Der sogenannte Hirntod wurde von einer Harvard-Kommission zum Tod des Menschen erklärt. Der Arzt hat dann nicht mehr die Aufgabe, eine vorzeitige Bestattung zu verhindern, sondern die umgekehrte, die Angehörigen davon zu überzeugen, dass der scheinbar Lebende in Wirklichkeit tot ist. Statt der Forderung, langsam zu sein, gilt es nun schnell zu handeln. Hinter dieser Entwicklung steckt die obsessive Vorstellung, Leben und Tod müssten in die Verwaltung des Menschen gelegt und es müsse immer etwas gemacht werden, statt den Tod in der Endphase des Sterbens geschehen zu lassen.

Die Verteidiger der Euthanasie und die Verteidiger der Pflicht, Leben uneingeschränkt zu verlängern, haben gemeinsam eine Weltsicht, nach der auch im letzten Stadium des Lebens immer etwas gemacht werden muss, entweder Leben oder Tod, wodurch der Mensch um den Akt des Sterbens betrogen wird. Der Arzt ist seit jeher definiert durch seine Kunst, die Qualität des Lebens zu verbessern und das Leben zu verlängern. Aber verlängern – wie lange?

Aus der Straffreiheit des Selbstmords leitet man das Recht ab, dem Kranken beim Suizid behilflich zu sein. Das ist ein Trugschluss. Zunächst: Der Suizid ist in unserer Rechtsordnung nicht erlaubt und kann auch gar nicht erlaubt werden. Es gibt allerdings die Möglichkeit der Straffreiheit für verbotene Handlungen. Mit dem Suizid entzieht der Mensch sich der Rechtsgemeinschaft. Der Staat hat hier nichts mehr zu verbieten und nichts zu erlauben. Falls der Suizidversuch der Gesellschaft Kosten verursacht, muss der Suizidant diese allerdings übernehmen. Der Selbstmord ist im engsten Sinn des Wortes Privatsache. Moralisch, wenn auch nicht juristisch qualifizierbar sind aber auch Privatsachen. Dass der Selbstmord moralisch geächtet bleibt, ist für die menschliche Gemeinschaft von größter Wichtigkeit. Denn wenn er eine sozial akzeptierte und institutionell ausgestattete Möglichkeit ist, wird es unvermeidlich sein zu verhindern, dass daraus die Pflicht wird, von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen, um den anderen nicht weiter zur Last zu fallen. Schon die Stoiker haben diesen Schluss gezogen. Wie viele Menschen heute schon so handeln, spielt keine Rolle. Es ist nun einmal logisch zwingend: Wenn ich anderen einen Dienst erweisen kann und dies nicht tue, dann trifft mich die Verantwortung für die Folgen der Unterlassung. Das Bewusstsein, das eigene Weiterleben gehe zu Lasten der Angehörigen und der Kranke könnte sie von dieser Last befreien. Es kann in dem, der dazu zunächst nicht bereit ist, den Todeswunsch erst entstehen lassen.

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4 Comments

  1. @emporda

    Danke, dass Sie die leerlaufende Phraseologie des Herrn Spaemann noch einmal mit konkreten Beispielen bloßgestellt haben. Was für ein eitler Schwätzer! kann ich nur wiederholen.

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    1. Was für Volltrottel stidierenTheologie
      „Aus der Straffreiheit des Selbstmords leitet man das Recht ab, dem Kranken beim Suizid behilflich zu sein.“
      Wer also durch Selbstmord endet, der muss laut chrislich all-gültiger Moral noch als Leiche einige Jahre im Gefängis absitzen, damit das allerliebste Jesulein endlich zufrieden ist. Der Priester prüft dann wöchentlich den Verwesungsgrad der Leiche und betet dazu 3 Vaterunser – Hallelujah.
      Sobald nur noch Knochen übrig sind, wird der Delinquent begnadigt

      „Falls der Suizidversuch der Gesellschaft Kosten verursacht, muss der Suizidant diese allerdings übernehmen“.
      Aber klar doch, der Tote bekommt eine saftige Rechnung zugestellt. Da er die nicht mehr bezahlen kann, kommt die Inkassogesellschaft mitsamt dem Gerichtsvollzieher, die den Sarg pfänden und ihn/sie in einer schlichten Papptüte beerdigen. Unsere Schwiegermutter hat 2.500 € Bankguthaben hinterlassen, ihre Verbrennung kostete uns 3100 €. Nach etwa 2 Jahren und vielen Hundert € an Anwaltskosten können wir ihr Erbe antreten

      „Dass der Selbstmord moralisch geächtet bleibt, ist für die menschliche Gemeinschaft von größter Wichtigkeit“
      Wer das Leiden und Elend Sterbender erlebt, die kaum noch zur normalen Existenz fähig sind mit Körperpflege, Einkauf, Zubereitung von Nahrung usw. sowie Entsorgung, der bekommt Hochachtung für die Zeitgenossen, die ihr grauenhaftes Elend durch einen Suizid beenden konnten.

      Da wegen der vielfach schlimmen Schmerzen niemand eine dauerhafte Morphindosis als normaler Mensch überlebt, ist jede externe Hilfe urch Mediziner unausweichlich. Die Gebete zum allerliebsten Jesulein von den christlichen Moralverkäufern als unverzichtbar bejubelt, welche der erfundene Lattenjupp jedem im heiligen Buch als Hilfe verspricht, die haben sich als Luftnummer von Betrügern und Phantasten entlarvt

      Man sollte unbedingt einen Führerschein fürs intelligente Denken einühren und Typen wie Spearmann auf 10 Jare sperren

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  2. Spaemann
    „wodurch der Mensch um den Akt des Sterbens betrogen wird“

    Was für ein saudummes Geschwafel eines christlichn Moralverkäufers, es ist nie ein Mensch ums Sterben betrogen worden. Der Unterschied reicht vom Sterben in Würde (friedlich einschlafen) bis zum Verrecken unter Schmerz und Elend.

    1) eine Schwägerin litt schwer an Alzheimer. Sie wußte nicht wer sie ist, wo sie ist, erkannte niemanden und hatte keine Ahnung warum sie dort ist. Sie ist rumgelaufen, hat gegessen, getrunken, ausgeschieden und ohne Unterbrechung unverständlich gebrabbelt. Das katholisdche Pflegeheim hat sie in dem Zustand 18 Monate am Leben erhalten, auch weil das vor 20 Jahren bei über 4000 DM/Monat sehr lukrativ war

    1a) Der Bruder hat mit 82 aus Kummer über den Zustand der Frau getrunken, ist im Haus hingefallen, hat 3 Tage auf den kalten Fliesenboden gelegen und ist, nachdem er gefunden wurde, nicht mehr aufgewacht. Nach 2 Tagen ist er verstorben.

    2) Die Schwester hatte einen Herzschrittmacher und war mit 88 Jahren körperlich so sehr behindert, dass sie sich nicht mehr selber versorgen konnte. Die nächste Angehörige wohnt 11 Flugstunden weit weg. Also wurde die Schwester teilentmündigt und von der Gemeinde in ein christliches Pflegeheim eingewiesen, wodurch die Gemeinde hohe Kosten hatte. Nach nur 6 Wochen hat die Putzfrau im Januar das Fenster offen gelassen, die Schwester konnte es stark behindert nicht selber schließen Binnen Tagen starb sie an einer Bettlungenentzündung, die Gemeinde hat viele Kosten gespart

    3) Die Schwiegermutter liit mit 90 dement unter Alzheimer. Sie wurde ständig hochgradig agressiv und hat mit der Stahlkrücke blindwütig um sich geschlagen. Sie musst täglich mit Neuroleptika ruhig gestellt werden um ohne Aufsicht andere Menschen zu treffen. Wegen Kreislaufschwäche ist sie öfters gefallen und kam mehrfach ins Krankenhaus. Dort ist sie aus dem Bett gefallen und erlitt einen in dem Alter nicht mehr operierbaren Oberschenkelhalsbruch. In der gleichen Nacht im Juni 2014 ist sie versorben, ob mit oder ohne Hilfe der Ärzte wissen wir nicht. Wir waren nachts um 03:00 Uhr im Krankenhaus und haben sie dort tot gesehen

    Keiner dieser Menschen wurde ums Sterben betrogen, keiner ist in Würde gestorben, sie sind elendig unter Leid verreckt immer mit Kummer der Angehörigen. Es gab keinen Suizidversuch, sondern nur Ausbeutung durch die christliche Sterbemafia. Eine Cousine der Frau war in Berlin in der Altenpflege tätig. Sie bekam für jeden sofort gemeldeten Totesfall 500 DM von der Berliner Beerdigungsmafia

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  3. Herr Spaemann ist das Musterbeispiel eines Menschen, der seine Intelligenz alleine dazu einsetzt, seine Vorurteile zu rechtfertigen. Lässt man sich durch die Eloquenz nicht blenden, so stößt man inhaltlich auf Borniertheit in Reinstform. Ein Gefangener seiner scholastischen Zwanghaftigkeit, in stupiden, schematischen Alternativen zu „denken“. Logisch zwingend ist hier nichts, und Ethik in Form eines multiperspektivischen Abwägens in komplexen Situationen kommt hier nicht vor. Die Auslassungen über Suizid, seine „Zulässigkeit“ usw., finden sich bereits in einem seiner früheren Bücher und sind nicht mehr als wohlgeformte excrementa scholastica. Ebenso dümmlich wie zynisch. Was für ein überheblicher Schwätzer! Aber es ist ja das letzte Aufgebot der „Christlichen Philosophie“.

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