Altes Testament: Akademische Debatte oder Verrat an der Bibel?


Bild: katholisches.info
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Das „Marburger Jahrbuch Theologie“ richtet sich in der Regel an theologische Feinschmecker. Doch derzeit liefert die 25. Ausgabe, die schon vor zwei Jahren erschien, Stoff für einen heftigen Schlagabtausch unter evangelischen Theologen. In seinem Jahrbuchbeitrag „Die Kirche und das Alte Testament“ erörtert der evangelische Theologieprofessor Notger Slenczka die Frage, welchen Rang das Alte Testament für die christliche Kirche hat.


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Slenczka stimmt dem Befund des renommierten Kirchenhistorikers Adolf Harnack (1851-1930) zu, wonach das Alte Testament theologisch dem Status der sogenannten Apokryphen zuzurechnen sei. Also jenen jüdischen Texten, die nicht dem biblischen Kanon und damit den heiligen Schriften zugeordnet werden. Denn das Alte Testament sei kein Zeugnis des Gottesverhältnisses, sondern Dokument „einer ethnisch gebundenen Stammesreligion“ mit partikularem Anspruch, argumentiert Slenczka, der an der Humboldt-Universität Berlin lehrt.

Über Fachkreise hinaus Aufmerksamkeit fand der wissenschaftliche Beitrag erst mit einer Stellungnahme des Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Deren evangelischer Präsident, der hessen-nassauische Pfarrer Friedhelm Pieper, kritisiert darin „einen handfesten Skandal im gegenwärtigen deutschen Protestantismus“. Denn Slenczka verlasse mit seinen Thesen einen „Grundkonsens christlicher Theologie“, seine Abhandlung stelle eine „Neuauflage des protestantischen Antijudaismus“ dar.

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