„Deepwater Horizon“: Die versteckte Katastrophe


BP has already paid out or set aside in penalties or compensation more than $43bn as a result of the Gulf of Mexico accident in which 11 workers died. Photograph: KPA/Zuma/Rex Features
Vor fünf Jahren havarierte die BP-Plattform „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko. Elf Arbeiter starben, in der Tiefsee strömten fast 500 Millionen Liter Öl aus. Erst in Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten werde sich die Natur vollständig erholt haben, erklärt die Tiefsee-Biologin Antje Boetius im Interview.


greenpeace magazin

Frau Boetius, wie sieht es fünf Jahre nach dem Deepwater-Horizon-Unglück am Grund des Golfs von Mexiko aus?
Es ist noch immer ein riesiges Gebiet verschmutzt, nur gibt es davon kaum Bilder, weil es sich um den tiefen Meeresboden handelt. Nach dem Unglück nahm man zunächst an, dass das Öl, das leichter als Wasser ist, nach oben steigt und sich an der Oberfläche absammeln lässt. Dann stellte sich heraus, dass die feinen Tröpfchen, die aus der Pipeline sprudelten, kaum Auftrieb hatten. Die Ölfahne zog in 1100 Metern Wassertiefe etwa hundert Meter über den Meeresboden.

Zudem wurde bei der Bekämpfung Chemie eingesetzt.
Man hat unvorstellbare Mengen Corexit eingeleitet. Die Menge hat noch einmal rund ein Prozent des ausgelaufenen Öls ausgemacht, schon dies allein entsprach einem größeren Chemieunfall. Aber das Lösungsmittel wurde gezielt eingesetzt, um das Öl schnell zu verdünnen. Es hat sich dadurch großflächig verteilt und ist in Flocken abgesunken. Als die Wissenschaftler dann endlich die Tiefsee untersuchen konnten, war das Entsetzen groß. Sie entdeckten Ölfilme auf weit entfernten Kaltwasserkorallenriffen, und der tiefe Meeresboden bleibt großflächig mit einer Art orangefarbenem Schleim bedeckt.

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