Holocaust Polen: FBI-Chef nennt Polen „Komplizen“


US-Botschafter Stephen Mull (rechts) legt Blumen am Denkmal für den Aufstand im Warschauer Ghetto nieder. Jetzt muss er einmal wieder die Wogen zwischen Warschau und Washington glätten. Foto: dpa
James Comeys Aussage über die Rolle von Polen als „Komplizen“ der Nazi-Mörder verärgert die Regierung in Warschau. Hier sorgen missverständliche oder falsche Aussagen über die Rolle Polens während des Holocaust regelmäßig für Empörung.


Von Jan Opielka|Frankfurter Rundschau

Alles andere als differenziert war der US-amerikanische Chef des FBI, James Comey, mit seiner Aussage zu Ursachen des Holocaust nicht. Am Donnerstag hatte Comey in einem Beitrag für die „Washington Post“ geschrieben, „die Mörder und ihre Komplizen in Deutschland, Polen und Ungarn, und vielen anderen Orten“ hätten wegen ihrer Überzeugung nichts Böses getan. „Sie versicherten sich selbst, dass es die richtige Sache war, die sie tun mussten“, so Comey, der ausgerechnet die Bildung über den Holocaust für FBI-Agenten thematisierte.

In Polen traf diese Aussage auf ein ungeteilt kritisches Echo. Präsident Bronislaw Komorowski sprach von „Ignoranz und dem Mangel an historischem Wissen“. Regierungschefin Ewa Kopacz betonte am Sonntag, das Land sei „nicht Täter, sondern Opfer des Zweiten Weltkrieges“ gewesen. Das Außenministerium in Warschau berief den US-Botschafter in Polen ein und verlangt in einer Protestnote eine Entschuldigung seitens der USA. Tatsächlich stellte US-Botschafter Stephen Mull klar, dass die Worte Comeys nicht die Position der US-Regierung wiedergäben. Das FBI hat bislang nicht auf den Protest geantwortet.

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