Pfaffenangst: Europa wird vom Atheismus bedroht


Die atheistische Bedrohung
Die atheistische Bedrohung
Papst Franziskus fordert bei einem Treffen mit Rabbinern Juden und Christen auf, den „Sinn für Religion“ lebendig zu halten – und kündigt Besuch des Grabtuchs in Turin an


Von Florian Rötzer|TELEPOLIS

Petersplatz eine „schnelle und entschiedene“ Reaktion der internationalen Gemeinschaft gefordert. Die ertrunkenen Flüchtlinge seien „Hungrige, Verfolgte, Verletzte, Ausgebeutete und Kriegsopfer auf der Suche nach einem besseren Leben und nach Glück“, es seien „Männer und Frauen wie wir“. Einen Tag zuvor hatte er beim ersten offiziellen Besuch des neuen italienischen Präsidenten Sergio Mattarella darauf hingewiesen, dass Italien mehr Unterstützung bei der Aufnahme der Flüchtline benötige und allgemein eine „konkrete Solidarität“ notwendig sei. Er forderte einen größeren Einsatz Europas und der Welt für die Flüchtlinge.

In einer kurzen Rede zu dieser Gelegenheit bekannte sich Franziskus zur Trennung von Staat und Kirche, wünschte sich aber ein gutes Verhältnis. Ein Treffen mit einem Politiker scheint sich hier schon sehr von einem solchen mit anderen Geistlichen zu unterscheiden. Am Montag empfing Franziskus im Vatikan europäische Rabbiner. Dabei verurteilte er mit Blick auf die Anschläge in Paris und Kopenhagen gegen Juden „jede Form von Antisemitismus“ und forderte dazu auf, „dem hebräischen Volk seine Solidarität zu zeigen“. Mit Hinweis auf die Befreiung des KZs Auschwitz vor 70 Jahren und die Shoa müssten auch jetzt, „überall Hass- und Gewalttaten gegen Christen und Angehörige anderer Religionen verurteilt werden“.

Offenbar sieht Franziskus nicht nur Hass und Gewalt gegen Anhänger von Religionen, sondern in Europa die Religion selbst bedroht. Anders als die Rechtspopulisten warnt er aber nicht vor dem Untergang des Abendlandes durch eine angebliche Islamisierung, die europäischen Gesellschaften seien vielmehr zunehmend durch den „Säkularismus“ und der „Drohung des Atheismus“ bedroht, also durch eine Abkehr vom Glauben oder, was es auch bedeuten könnte, durch einen weiteren Fortschritt der Aufklärung. Mehr denn je sei es wichtig, die „geistige und religiöse Dimension des menschlichen Lebens herauszustellen“.

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