Tenach: Antijudaismus in neuem Gewand?


Zwei Bücher der Hebräischen Bibel: Mischlej (Sprüche, l.) und das Buch Daniel mit Kommentaren von Raschi und Abraham ibn Esra ©Thinkstock
Ein Berliner Theologieprofessor möchte die Hebräische Bibel aus dem christlichen Kanon entfernen


Von Micha Brumlik|Jüdische Allgemeine

Anfang April versandte der Deutsche Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (DKR) ein Schreiben, in dem er auf einen bisher nicht bekannt gewordenen Skandal hinwies: »Theologieprofessor will das Alte Testament aus der Heiligen Schrift verbannen«, so die Überschrift.

Im Text heißt es: »Mit nachfolgender Stellungnahme macht Friedhelm Pieper, evangelischer Präsident des DKR, einen theologischen Skandal im deutschen Protestantismus namhaft, der bislang beschämenderweise ohne Kritik und Widerstand im protestantischen Raum schweigend geduldet oder ignoriert wurde. Der DKR hofft, mit dieser theologischen Stellungnahme diese Mauer des Schweigens durchbrechen und eine kritische Debatte in der evangelischen Kirche anregen zu können.«

Worum geht es? Schon 2013 hatte der an der Berliner Humboldt-Universität Systematische Theologie lehrende Notger Slenczka (Jahrgang 1960) im wenig bekannten, aber renommierten Marburger Jahrbuch Theologie XXV einen Aufsatz veröffentlicht, in dem er zu begründen versuchte, warum das sogenannte Alte Testament (AT) in der Kirche keine kanonische Geltung mehr haben soll. »Damit ist aber«, so Slenczka, »das AT als Grundlage einer Predigt, die einen Text als Anrede an die Gemeinde auslegt, nicht mehr geeignet: Sie – die christliche Kirche – ist als solche in den Texten des AT nicht angesprochen.«

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